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DFB-Pokal-Halbfinale : Dortmund verdirbt den Bayern die Laune

Schwarz-gelbe Glückseligkeit in Bayern: Dortmund besiegt München. Bild: AFP

Erst scheiden die Münchner aus der Champions League aus, dann verpassen sie auch das Finale im DFB-Pokal. Mit einem Doppelschlag versetzt der BVB den Bayern den K.o. – und stellt einen Rekord auf.

          Kann es nun doch noch eine „gute“ Saison für den FC Bayern werden, wie Kapitän Philipp Lahm vor dem, wie nun feststeht, letzten K.o.-Spiel seiner Karriere beteuert hatte? Am Mittwochabend ist der dreimalige Double-Sieger der letzten vier Jahre im DFB-Pokal durch ein 2:3 gegen den ewigen Rivalen Borussia Dortmund ausgeschieden und darf erstmals seit 2011 am Ende einer Saison kein Finale bestreiten, nur noch Punktspiele. Im sechsten Pokalduell der beiden deutschen Spitzenklubs binnen sechs Jahren gelang den Dortmundern der dritte Sieg.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          „Das ist eine große Enttäuschung“, sagte Lahm. „Wir hatten genug Chancen, den Sack früh zuzumachen“, haderte auch Teamkollege David Alaba. „Dortmund hat das am Ende gut gemacht.“ Ganz anders war die Stimmung beim BVB: „3:2 in München gewonnen – das ist Wahnsinn!“, sagte Trainer Thomas Tuchel.

          Nach ihrer Führung durch Marco Reus (19. Minute) hatten die Bayern in einer starken Drangphase das Spiel durch Treffer der Verteidiger Javi Martinez (28.) und Mats Hummels (41.) zunächst gedreht. Doch nach der Pause schlug der BVB durch Pierre-Emerick Aubameyang (69.) und Ousmane Dembelé (73.) zurück und erreichte damit als erstes Team zum vierten Mal nacheinander das Finale des DFB-Pokals – nach allerdings zuletzt drei Finalniederlagen in Berlin.

          Es war bis zur Pause die Partie der zuletzt etwas angeschlagenen Innenverteidiger der Bayern. Martínez, der mit seiner Gelb-Roten Karte im Hinspiel die Heimniederlage gegen Real Madrid in der Champions League eingeleitet hatte, die Strafe für zwei Fouls gegen Cristiano Ronaldo, war nach 19 Minuten gegen einen anderen Portugiesen nicht im Bilde. Der Spanier übersah unter dem Druck des Dortmunder Pressings bei seinem Rückpass auf Torwart Sven Ulreich den heran spurtenden Raphael Gueirrero. Der Dortmunder erreichte den Ball, spitzelte ihn Ulreich durch die Beine, worauf die Kugel erst vom Pfosten, dann vom Bein des herbeigesprungenen Lahm vom Überschreiten der Linie gehindert wurde, ehe ihn Reus dann aber nur noch zum 0:1 ins Netz schieben musste.

          Die Bühne war bereitet für ein furioses Pokalspiel. Bilderstrecke

          Doch Martínez machte den selbstverschuldeten Rückstand selbst wieder wett. Nach Ecke von Xabi Alonso wuchtete er den Ball mit der Stirn auf den vom kalten Abendregen glitschigen Rasen, so dass er Torwart Roman Bürki zum 1:1 durch die Beine rutschte. Und beinahe hätte er zehn Minuten später sogar den zweiten Treffer folgen lassen, wieder nach einer Ecke, diesmal von Arjen Robben serviert, doch der Ball landete am rechten Pfosten.

          So besorgte sein Partner in der Innenverteidigung den Führungstreffer. In der letzten Viertelstunde vor der Pause konnten sich die Dortmunder kaum von dem immer weiter wachsenden Druck der Bayern befreien, und als sie es dann nach längerem Strafraumgetümmel mit einem langen Schlag hinter die Mittellinie endlich geschafft zu haben glaubten, landete der Ball ausgerechnet bei Alonso, dem Präzisionslieferanten von langen Zuspielen.

          In die Vorwärtsbewegung der Dortmunder hinein spielte er einen Vierzig-Meter-Diagonalpass in den Fuß von Ribéry, der leitete weiter auf Hummels, und der frühere Dortmunder Kapitän lenkte den Ball hellwach und technisch brillant direkt mit dem Innenrist, überraschend für den Torwart, aus zwölf Metern ins kurze Eck. Demonstrativ bejubelte er den Treffer gegen sein altes Team ohne jede Gefühlsregung.

          Um ein Haar wären die Dortmunder, die stark begonnen hatten, als Aubameyang nach vier Minuten nur hauchdünn eine Volley-Hereingabe von Gueirrero verpasste, dann aber bis zur Pause stark nachließen, noch mehr unter die Räder gekommen. Doch ihr früherer Kollege Robert Lewandowski vergab Sekunden vor Ende der ersten Halbzeit frei vor Bürki, nachdem er vorher vielleicht einen Moment zu lang Richtung Linienrichter geschielt hatte, der seine Fahne unten ließ.

          „Es wird uns guttun, dass wir schon einmal da waren“, hatte BVB-Trainer Tuchel auf einen Lerneffekt der 1:4-Liganiederlage in München gehofft. „Das ist wie beim Skifahren. Wenn du einmal eine schwarze Piste runter bist, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es beim zweiten Mal besser geht“. Und tatsächlich lief es für die Dortmunder nach identischem Pausenstand wie vor zweieinhalb Wochen in der zweiten Halbzeit diesmal deutlich besser. Zunächst benötigten sie aber viel Glück, als Bürki einen schlechten Pass spielte, den Thiago erlief, worauf Robben aus kurzer Entfernung den Ball nicht im vom Torwart verlassenen Kasten unterzubringen vermochte. Seinen Schuss lenkte Sven Bender auf der Linie noch an den Pfosten.

          Die Nachlässigkeit der Bayern im Abschluss rächte sich, als Aubameyang eine gefühlvolle Flanke Dembelés ungestört zum 2:2 ins Tor köpfen konnte. Nur vier Minuten später war das Spiel gewendet, als ein Konter über Reus bei Dembelé landete, der einen Mann ausspielte und mit seinem Schuss an die Unterkante der Latte den Siegtreffer erzielte. Den Vorsprung verteidigten die Dortmunder in der wütenden Schlussoffensive der Bayern, als Bürki die beste Chance mit einer Parade gegen Robben vereitelte. Im Endspiel in Berlin trifft der BVB am 27. Mai auf Eintracht Frankfurt. Die Saison ist damit aber auch noch nicht vorbei für die Bayern, aber der Spaß an ihr dürfte es sein. Und die Bilanz des Guardiola-Nachfolgers Carlo Ancelotti wird trotz zu erwartender Meisterschaft angesichts der gewaltigen Erwartungen ein wenig karg ausfallen.

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