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Blatter-Nachfolge : Waschgang im alten Schmutzwasser

  • -Aktualisiert am

Kommt aus seiner Deckung hervor: Uefa-Chef Michel Platini Bild: dpa

Was will Michel Platini in der Olympia-Stadt Lausanne? Natürlich Stimmen sammeln für seine Kandidatur als Fifa-Präsident. Der Königsmacher ist nicht abgeneigt.

          Welch seltener Gast: Am Montagabend tauchte im olympischen Zirkel plötzlich ein Franzose auf, der dort eigentlich nicht so richtig hingehört: Michel Platini, der Präsident der Europäischen Fußballkonföderation Uefa. Der einstige Fußballstar erschien zur Eröffnung der prunkvollen Villa im Herzen Lausannes, in der die Vereinigung der Nationalen Olympischen Komitees, kurz Anoc, residiert. Was der Fußballer dort wollte? Das wurde den Umstehenden schnell klar, als sie sahen, wer den Franzosen am Rande einer gepflegten Rasenfläche mit großer Umarmung und maskulinen Küsschen enthusiastisch begrüßte: Scheich Ahmad al Fahad al Sabah. Der Kuweiter ist unter anderem Präsident der Anoc. Dazu seit kurzem Mitglied des Exekutivkomitees des Fußball-Weltverbandes Fifa und damit Platinis Kollege. Und Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Und Chef des Olympischen Rats Asiens. Und, wichtigste Funktion von allen: Der reiche und mächtige Scheich ist der Königsmacher der internationalen Sportpolitik.

          Wohin Scheich Ahmad und Qatar-Wähler Platini sich nach der feierlichen Eröffnung zurückzogen, ist unbekannt. Eine wichtige Information drang allerdings später durch: Scheich Ahmad will es sich überlegen. Und zwar was? Es kann eigentlich nur um die Frage gegangen sein, ob der Kuweiter Platini bei der Wahl zum nächsten Fifa-Präsidenten und damit zum Nachfolger Joseph Blatters unterstützen will. Platinis Erscheinen in Lausanne ist der erste Hinweis, dass der 59 Jahre alte Franzose, der jahrelang in der Deckung darauf gewartet hat, dass Blatter demissioniert, sich positionieren will. Acht Tage nach Blatters Ankündigung, im Rahmen eines außerordentlichen Kongresses frühestens im Dezember zurücktreten zu wollen, wagt sich Platini zumindest in die entscheidenden Hinterzimmer.

          Platinis Ruf ist beschädigter als Blatters

          Sollte sein Plan aufgehen und er zum nächsten Fifa-Präsidenten gewählt werden, wäre das aber keine gute Nachricht für den erneuerungsbedürftigen Fußball. Platini ist, so, wie er sport- und machtpolitisch agiert, als eine aktualisierte Blatter-Version zu betrachten. Und sein persönlicher Ruf ist sogar ramponierter als der Blatters. Jeder weiß, dass Platini für die Vergabe der WM 2022 an Qatar gestimmt hat und kurz darauf sein Sohn vom Wüstenstaat einen hochrangigen Job bekam. Und dass Qatar nach einem Abendessen mit dem damaligen Staatspräsidenten Sarkozy und Platini den strauchelnden Klub Paris St. Germain mit Ölmillionen versorgt hat. Und dass ausgerechnet Platinis Musik produzierender Schwiegersohn ganz Europa und auch die Fifa mit Fußball-Hymnen beliefert hat.

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