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Bestechung im spanischen Fußball : „Junge, das war echt irre“

Der Bestechungsskandal im spanischen Fußball lässt den WM-Jubel verfliegen Bild: picture-alliance/ dpa

Der spanische Fußball hat einen Bestechungsskandal. Dem Hauptaktionär des Erstligaaufsteigers Hércules Alicante wird vorgeworfen, einen gegnerischen Torhüter bestochen zu haben. Er kann dafür nicht bestraft werden. Dies soll sich schnell ändern.

          Es gibt einige Besonderheiten im spanischen Fußball – und zu ihnen gehört, dass Bestechung und der Kauf von Partien keinen Straftatbestand darstellen. Das soll sich am 22. Dezember durch die Reform des Strafgesetzbuchs ändern. Bisher aber wirkt ausgerechnet der Fußball, in dem durch Werbung und Fernsehverträge viele Millionen Euro verdient werden, wie eine rechtsfreie Zone, in der sich jeder Verein durch schlaue Einfälle und reichlich Geldpakete nach Gutdünken bewegen möge. Das abgehörte Telefongespräch, in welchem der Geschäftsmann Enrique Ortiz, Hauptaktionär des soeben in die Primera División aufgestiegenen spanischen Klubs Hércules Alicante gegenüber einem Familienangehörigen die mutmaßliche Bestechung des Torwarts des FC Córdoba zugibt, wird deshalb wohl kein juristisches Nachspiel haben.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Dabei lässt der Fall, wie die Zeitung „El País“ durch die Veröffentlichung erstaunlicher Tonbandmitschriften enthüllte, an Deutlichkeit wenig zu wünschen übrig. Von welchem Spiel er denn spreche, fragt der telefonische Gesprächspartner. Und Ortiz sagt: „Vom vorherigen, dem letzten, das wir hier gewonnen haben. Ich habe ihm (Córdobas Torwart Raúl Navas) hunderttausend Euro gegeben ... Beim ersten Tor von Tote wirft er sich in die andere Ecke ... Junge, das war echt irre ... Das 4:0 ... Hunderttausend habe ich dem Torwart gegeben.“ Die Informationen aus dem abgehörten Telefonat deuten darauf hin, Ortiz habe erfolglos versucht, drei weitere Spiele von Alicante in der zweiten spanischen Liga zu kaufen, nämlich gegen Salamanca, Girona und Recreativo Huelva. Auch die Mannschaft des FC Córdoba habe das Bestechungsgeld – insgesamt dreihunderttausend Euro – abgelehnt. Nur Torwart Navas sei der Versuchung erlegen.

          Beweise nicht zulässig

          Den Fernsehbildern von der 0:4-Niederlage Córdobas ist nicht zu entnehmen, ob vorsätzlich Abwehrfehler begangen wurden. Man sieht eine überforderte Defensive und einen hilflosen Torwart, mehr nicht. Hércules Alicante schaffte im Juni als Drittplatzierter nach 13 Jahren den Wiederaufstieg in die Primera División, während Betis Sevilla als punktgleicher Vierter ein weiteres Jahr in der Zweiten Liga bleiben muss.

          Der Versuch des Antikorruptionsgerichts, die inkriminierenden Gesprächsprotokolle anzufordern, um eine Untersuchung einzuleiten, wurde von gerichtlicher Seite abgeblockt. Das Telefon von Ortiz wurde bei polizeilichen Ermittlungen über dessen mutmaßliche Verstrickung in die sogenannte „Brugal-Affäre“, einen Korruptionsskandal um Müllbeseitigung in Alicante, abgehört. Die Untersuchung, so der zuständige Ermittlungsrichter, habe also einem anderen Gegenstand gedient, bei der sich der Zusammenhang mit Bestechungsgeldern bei Zweitligaspielen „zufällig“ ergeben habe. Auch das staatliche Sportreferat und der spanische Fußballverband werden wohl keine Maßnahmen ergreifen können. Beide Stellen dürfen das Beweismaterial auf richterlichen Beschluss nicht benutzen, weil die Weitergabe der Daten in den Augen der Justiz eine Verletzung von Ortiz‘ Intimsphäre darstellen würde.

          „Tote“ als Mittelsmann

          Nach Darstellung von „El País“ war Hércules Alicante – der Klub hat in den vergangenen 25 Jahren nur eine einzige Saison erstklassig gespielt – wegen seiner Finanznöte dringend auf den Aufstieg in die Primera División angewiesen. Die Schulden sollen 15 Millionen Euro betragen. Nach neuesten Enthüllungen fungierte der Stürmer und Mannschaftskapitän Jorge López Marco, besser bekannt unter dem Namen „Tote“, als Mittelsmann zwischen Enrique Ortiz und gegnerischen Teams, die Bestechungsgelder erhalten sollten. Mehrere Gespräche und SMS-Wechsel, die mitunter Codewörter und zarte verbale Camouflage einsetzen, druckt „El País“ in der Donnerstagsausgabe. „Crack, hier Tote“, heißt es in einer, „halt das Geld für sie bereit, wir müssen es ihnen am Sonntag geben, 25.000 plus 150.000, schöne Grüße“. Als zweiter Mittelsmann soll Verteidiger Abraham Paz gedient haben.

          Neben den Bestechungshinweisen enthalten die Telefonate auch Indizien für eine Praxis, die selbst unter spanischen Erstligavereinen üblich ist: Prämienzahlung an Klubs, die gegen direkte Konkurrenten antreten. Diese motivationsfördernden finanziellen Belohnungen häufen sich im Endspurt um den Titel, sind kein Delikt und wurden in den vergangenen Jahren offen erwähnt. Auch Mannschaftskapitän Tote spricht von 300 000 Euro, die interessierte Vereine für einen Sieg gegen Hércules Alicante ausgesetzt hätten, und versucht deshalb, für sich und seine Mannschaftskameraden eine außertarifliche Erfolgsprämie auszuhandeln. „Gib ihnen was“, schreibt er Ortiz in einer Botschaft, „damit sie sich auf dem Platz zerreißen.“ Man hätte gedacht, dafür wäre das Gehalt da.

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