https://www.faz.net/-gtl-88haq

Suche nach Nationaltrainer : Posse um Schuster in Griechenland

  • -Aktualisiert am

Bernd Schuster wird nicht Nationaltrainer in Griechenland. Bild: dpa

Griechenland, Fußball-Europameister von 2004, ist tief gefallen. Nun sollte Bernd Schuster die Nationalelf aus Krise führen. Der Verband machte eine verlockende Offerte. Was sich dann aber abspielte, gleicht einer Posse.

          2 Min.

          Als Bernd Schuster, 55 Jahre alt, ehemaliger Weltklassespieler und Europameister von 1980, am spätsommerlich lauen Dienstagmittag auf dem Athener Flughafen „Eleftherios Venizelos“ landete, warteten schon Vertreter des griechischen Fußballbundes (EPO) auf ihn. Für Schuster, der zuletzt zur Saison 2013/14 beim FC Málaga einen Fünfjahresvertrag unterzeichnet hatte, aber schon nach einem Jahr wieder ging, sollte Griechenland, der tief gefallene Europameister von 2004, die zehnte Station in seiner Trainerlaufbahn werden.

          Die offenbar verlockende Offerte: ein Zweijahresvertrag mit einem Jahresgehalt von 600.000 Euro, davon 100.000 für den Kotrainer. Im Falle einer Qualifikation für die WM 2018 hätte Schuster zudem einen Bonus von 500.000 Euro kassiert. Was sich dann aber zwischen Schuster und der EPO abgespielt haben muss, gleicht einer Posse.

          Am Mittwochmorgen verlautete ausgerechnet aus EPO-Kreisen zunächst, man habe sich mit Schuster „endgültig geeinigt“. Um 12.28 Uhr Ortszeit gab der Verband jedoch offiziell auf seiner Homepage bekannt, die Suche nach einem Trainer des Nationalteams müsse „neu gestartet“ werden. In einer Pressemitteilung heißt es: „Herr Schuster hat hinsichtlich unserer mündlichen Übereinkunft eine Kehrtwende vollzogen. Wir haben ihn vor kurzem dazu eingeladen, einen Vorvertrag zu unterzeichnen. Die Konditionen waren darin im Detail festgelegt und vorab vollumfänglich klargestellt. Initiativ und ohne jegliche Ankündigung hat Herr Schuster die EPO dazu aufgefordert, diese Konditionen zu verändern. Die plötzlich von Herrn Schuster gestellten Ansprüche hat die EPO abgelehnt.“ Dem Vernehmen nach habe es Streit um den Posten des Kotrainers gegeben - und in diesem Zusammenhang offenbar auch, ob dessen Bezüge von Schusters Gehalt letztlich abgezogen werden sollten oder nicht.

          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

          Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

          Mehr erfahren

          Dabei hat Hellas den Neustart dringend nötig. Belegten die Griechen im Juli 2014 noch Platz 13 in der Fifa-Weltrangliste, sind sie im September 2015 auf Rang 44 abgestürzt. In der EM-Quali-Gruppe F sind die nach acht Runden weiter sieglosen Griechen abgeschlagen Gruppenletzter, sogar hinter den Färöern. Damit nicht genug: Im Profi-Fußball von Korfu bis Kreta blüht die Korruption. Auch EPO-Chef Giorgios Girtzikis, 68 Jahre, der Beinahe-Arbeitgeber von Schuster, seit Januar dieses Jahres in Amt und Würden, ist ins Fadenkreuz der Athener Strafjustiz geraten.

          Gegen ihn wurden zuletzt gleich zwei Anklagen erhoben. In dem einen Fall geht es um die Ausstellung eines Gesundheitspasses für die Akteure in den hellenischen Fußball-Ligen. Dem Verband soll dabei laut Anklage ein Schaden von 29 Millionen Euro zugefügt worden sein. Überdies wird Girtzikis Untreue bei der Vergabe von Fernsehrechten für den griechischen Pokalwettbewerb in den Spielzeiten 2004/05 sowie 2005/06 vorgeworfen. Damals fungierte der umtriebige Grieche noch als EPO-Schatzmeister.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Amerika gegen China : Die teuerste Scheidung aller Zeiten

          Donald Trumps Regierung knöpft sich Tiktok vor. Dahinter steckt viel mehr als die Sicherheit einer beliebten App: Zwischen den Wirtschaftsgroßmächten eskaliert der Technologie-Streit.

          Kultusminister : Das Abstandsproblem einfach leugnen

          Die zweite Corona-Welle rollt an – dennoch sollen nach den Sommerferien die Schulen wieder ganz öffnen. Keiner weiß genau, wie das funktionieren soll. Die Kultusminister verstecken sich hinter Worthülsen.
          Wieder auf dem Rasen beim FC Bayern: Niklas Süle

          Niklas Süles Rückkehr : Der FC Bayern und die neue Hierarchie

          Niklas Süle war der Chef in der Abwehr des FC Bayern. Dann aber zog er sich eine schwere Verletzung zu. Nun ist er nach langer Pause wieder zurück. Doch die Situation in der Münchner Abwehr hat sich geändert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.