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Bernd Schröder im Gespräch : „Bundesliga endet wieder in Zwei-Klassen-Gesellschaft“

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Bernd Schröder und die Turbine-Frauen haben ein schweres Los: Schon im Achtelfinale wartet Mitfavorit Lyon Bild: dpa

Seit 1971 trainiert Bernd Schröder Turbine Potsdam. Im F.A.Z..-Interview spricht er über das Wohl und Wehe des deutschen Frauenfußballs und die Schwierigkeit, neues Publikum zu gewinnen.

          Der 71 Jahre alte Schröder ist der dienstälteste Trainer der Frauenfußball-Bundesliga. Seit 1971 trainiert er Turbine Potsdam. Er holte mit dem Klub sechsmal die Meisterschaften in der DDR und später fünfmal im vereinigten Deutschland. Turbine gewann 2010 als erster deutscher Klub die Champions League.

          Am Sonntag spielte Turbine Potsdam schon im Achtelfinale der Champions League gegen Olympique Lyon und verlor das Hinspiel mit 0:1. Blutet Ihnen als Fußballfan da nicht das Herz - das Spiel könnte ein Endspiel sein?

          Es ist eine Situation, die wir gerne vermieden hätten. Im europäischen Ranking belegen Lyon und wir die führenden Plätze. Wenn man die anderen Ansetzungen sieht, wären wir mit links in die nächste Runde gekommen. Das ist schon ärgerlich.

          Lyon stand in den vergangenen vier Jahren immer im Finale, Potsdam zweimal. Wird der Wettbewerb nicht entwertet, wenn zwei so starke Mannschaften so früh aufeinandertreffen?

          Wir müssen aufpassen. Unsere Spiele werden ja in Eurosport übertragen, auch die Bundesliga. Am vergangenen Wochenende wurde das 12:0 von Frankfurt gegen Sindelfingen gezeigt. Aber ein so einseitiges Spiel ist nicht im Interesse des Zuschauers. Es besteht die Gefahr, dass mit solchen Übertragungen das Ding nach hinten los geht. Bei Live-Spielen, egal wann sie stattfinden, schauen neue Zuschauer rein. Und wenn die so was sehen, sagen sie ganz zu Recht: Was soll das? Solche Übertragungen dürfen nicht sein, das bringt uns nicht weiter. Bekehren müssen wir ja nicht die Leute, die ohnehin seit Jahren zu uns kommen. Und wenn jetzt ein Spiel wie unser Achtelfinale gegen Lyon auf einem anderen Niveau im Fernsehen zu sehen ist, dann glättet das auf den ersten Blick vielleicht die Wogen. Aber wenn solche Paarungen im Achtelfinale stattfinden, ist aus dem Wettbewerb auch eine gewisse Spannung raus.

          2011 gab es den Frauenfußball-Hype, dann den Absturz bei der WM, in diesem Jahr den EM-Titel und in der Bundesliga eine größere Konkurrenz an der Spitze - sind Sie mit der Entwicklung zufrieden?

          Die Bundesliga wird wieder in einer Zwei-Klassen-Gesellschaft enden, die ersten vier Mannschaften haben sich nach sieben Spieltagen abgesetzt. Dahinter kommen schon Mannschaften mit einem negativen Torverhältnis. Der Frauenfußball hat in der Spitze bei den Ländermannschaften schon ein paar Probleme. Vor der EM hatte ich ja schon gesagt, wenn wir da nicht ganz vorne stehen, haben wir einen Fehler gemacht. Mal abgesehen davon, dass die Mannschaft nach einem schlechten Spiel von den eigenen Leuten schlechtgeredet wird: Wir haben großes Potential. Es ist ja kein Zufall, dass in den letzten vier Jahren in der Champions League immer deutsche Mannschaften im Endspiel gestanden haben: Wolfsburg, Frankfurt oder wir. Wir haben in Deutschland ein Potential, das über Jahre ausreichen sollte, um Erfolg auch in der Nationalmannschaft zu haben. Natürlich entwickeln sich auch andere Nationen, aber wenn ich mit unseren ausländischen Spielerinnen in Potsdam über die Bedingungen in den führenden Klubs in anderen Ländern spreche, dann kann man feststellen: Wir sind Lichtjahre voraus.

          Dann ist alles bestens?

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