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Unser täglich Buch (2) : Windschiefe Romantik

Romantische These: Fußball ist Fußball, egal, ob im Stadiontempel oder auf dem besseren Bolzplatz. Bild: Achim Dreis

„Wo geht’s hier zum Stadion?“ ist die wichtigste Frage im Leben eines Groundhoppers. Die Leidenschaften Reisen und Fußball verbinden sich in der Suche nach dem Ursprüngliche – weltweit.

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          Menschen, die Sport im Allgemeinen und Fußball im Besonderen mögen, können oft Grundkenntnisse in Statistik vorweisen und sind auch gut in Erdkunde. Denn sie wollen eben wissen, wie weit es ihr Verein in der Tabelle noch bringen kann, wo der nächste Gegner beheimatet ist und wie man da am besten hinkommt. Es gibt auch Menschen, die über mehr als das übliche Maß an Freizeit und Abenteuerlust verfügen, den Fußball ganz besonders lieben, zudem gerne reisen und auch noch darüber berichten wollen. Ihnen genügt es nicht, im Atlas nachzuschlagen, an welchem Ort das nächste Auswärtsspiel angepfiffen wird, sondern sie fahren hin. Auch wenn es in Albanien, auf den Färöern oder sogar in Nordkorea ist. Sie nennen sich Groundhopper.

          Einer von ihnen heißt Benjamin Schaller, ist gerade mal 27 Jahre alt und stammt aus Thüringen. Seine eigene Fußball-Karriere geriet schon in der Kreisliga B ins Stocken. Um sich zu trösten, wie der Fan von Carl Zeiss Jena schreibt, machte er sich auf den Weg. Und entdeckte neben der weiten Fußball-Welt seine Leidenschaft für andere schräge Typen, die sich auch gerne schlechte Spiele in windschiefen Stadien zwischen unbekannten Vorortvereinen angucken. In seiner zum Buch gebündelten Frage „Wo geht’s hier zum Stadion?“ lässt Schaller Gleichgesinnte zu Wort kommen, die auch von ihren Abenteuern berichten, bei denen sie letztlich alle auf der Suche sind, sei es in Syrien, im Irak oder in England. 33 Groundhopping-Geschichten nehmen den Leser mit in große Fußball-Tempel und auf bessere Bolzplätze. Da geht es mit dem Auto zum nördlichsten Erstligastadion der Welt, nach Tromsø jenseits des Polarkreises. Da geht es darum, auf einer Insel, die vermeintlich jeder kennt, etwas zu besuchen, was keiner vermutet: nämlich alle 84 Fußballstadien auf Mallorca. Da betritt und fotografiert ein Melancholiker verlassene Fußballplätze, auf denen schon lange kein Ball mehr rollt.

          Es ist ein romantischer Ansatz, den Schaller und seinesgleichen verfolgen. Sie suchen das Ursprüngliche im Fußball, jenseits von Millionen-Ablösesummen, Helene-Fischer-Auftritten und Hawk-Eye-Videobeweisen. Allen Groundhoppern gemein ist, dass sie etwas sammeln, was sie weder ausstellen noch einkleben können: Stadionbesuche, Länderpunkte und menschliche Begegnungen. Es sind durchaus unterhaltsame Beschreibungen, die sich letztlich aber alle ähneln. So wie jedes Fußballspiel neu beginnt und doch stets nach vergleichbarem Muster verläuft. „Wenn einer eine Reise tut“, sagt der Volksmund. Oder: „Wer sammelt, dem fehlt was.“

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