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Benedikt Höwedes im Gespräch : „Das Auf und Ab zerrt an den Nerven“

  • Aktualisiert am

Für Benedikt Höwedes und Schalke 04 steht gegen Saloniki viel auf dem Spiel Bild: dpa

Benedikt Höwedes ist seit zwei Jahren Mannschaftskapitän von Schalke 04. Für die Qualifikation zur Königsklasse gegen PAOK Saloniki (20.45 Uhr) fordert der Nationalspieler mehr Kollektivgeist.

          4 Min.

          Können Sie sich noch an den 27. August 2008 erinnern?

          Ja, an den Tag kann ich mich leider noch sehr gut erinnern.

          Das 0:4 im Rückspiel der Champions- League-Qualifikation bei Atletico Madrid beendete vor fünf Jahren die Schalker Träume von der Königsklasse. Droht Königsblau nach dem Fehlstart in der Bundesliga gegen PAOK Saloniki (20.45 Uhr/ F.A.Z.-Liveticker) ein ähnliches Schicksal?

          Die Situationen sind nicht vergleichbar. Von dem Kader, der damals in Madrid dabei war, sind außer mir nur Jefferson Farfan und Jermaine Jones heute noch dabei. Klar, wir sind mit dem Start in die Saison sehr unzufrieden. Fakt ist aber, dass wir einen guten Kader und viel Qualität haben und gewinnen werden, wenn wir diese nun endlich abrufen.

          Wieso ist Ihnen das sowohl gegen den HSV (3:3) als auch beim 0:4 in Wolfsburg nicht gelungen?

          Auch in der ersten Pokalrunde in Nöttingen haben wir schwach gespielt. Natürlich haben wir in der Viererkette schlecht ausgesehen und zu viele Fehler gemacht, aber die Defensive fängt immer ganz vorne an. Wir hatten in den ersten Partien den ein oder anderen Spieler, der sich im Aufbauspiel oder im Spiel gegen den Ball scheinbar rausgenommen hat. Wenn man als Verband schlecht zusammenarbeitet, hat man in der Bundesliga keine Chance mehr.

          War diese Entwicklung schon in der Vorbereitung erkennbar?

          Mein Eindruck nach der Vorbereitung war sehr positiv. Wir alle hatten gehofft, als Mannschaft einen Schritt nach vorne gemacht zu haben, aber anscheinend sind wir noch nicht so weit wie gedacht.

          Gegen den VfL Wolfsburg (mit Ivica Olic) hatten Höwedes und die Königsblauen am vergangenen Samstag eindeutig das Nachsehen
          Gegen den VfL Wolfsburg (mit Ivica Olic) hatten Höwedes und die Königsblauen am vergangenen Samstag eindeutig das Nachsehen : Bild: dpa

          Welche Dinge hat Trainer Jens Keller in den wenigen Trainingseinheiten seit dem Wolfsburg-Spiel besonders einstudieren lassen?

          Natürlich waren die Standardsituationen ein großes Thema. Wir hatten das schon vor dem Spiel in Wolfsburg geübt, fangen uns dann aber doch wieder so ein blödes Ding zum 0:1.

          An dem Sie nicht unschuldig waren. Torschütze Knoche war Ihr Gegenspieler.

          Ganz klar, ich habe auch noch nicht das Niveau gezeigt, auf dem ich spielen kann. Wir müssen insgesamt konsequenter verteidigen, energischer in die Zweikämpfe gehen. Das lässt sich leicht einstudieren, da wir bei Standards im Raum verteidigen und jeder einen Gegenspieler hat. Von daher bin ich optimistisch, dass wir das Problem bis zum Saloniki-Spiel abstellen können. Bis wir das Verteidigen gegen den Ball drinhaben, kann es aber noch länger dauern. Das ist unser grundlegendes Problem und ein Prozess, der Zeit braucht.

          PAOK Saloniki ist vor allem dadurch bekannt, dass Schalkes „Jahrhunderttrainer“ Huub Stevens den Klub seit dieser Saison trainiert. Wovor hat Jens Keller Sie bei diesem eher unbekannten Team besonders gewarnt?

          Wir wissen, dass sie gut in die Saison gestartet sind und am Wochenende 3:0 gewonnen haben. Saloniki hat ein paar gute Einzelspieler, spielt sehr aggressiv. Papadopoulos, unser Grieche im Team, hat uns gesagt, dass sie in beiden Spielen gegen Charkiw das bessere Team gewesen seien. Trainer Keller hat uns deutlich gemacht, was für Schalke in diesen beiden Partien auf dem Spiel steht. Es ist für den Verein aus finanzieller Sicht unheimlich wichtig, in die Gruppenphase einzuziehen. Und wir Spieler wollen natürlich die großen Spiele machen.

          Ist es der Schalker Anspruch, jedes Jahr in der Königsklasse dabei zu sein?

          Das ist schon unser Maßstab.

          Viele Ihrer Fans hatten nach den Transfers von Leon Goretzka, Adam Szalai und Co. Schalke schon wieder auf Augenhöhe mit den Bayern oder Dortmund gewähnt.

          Wir haben im Sommer gute Transfers gemacht. Das waren sehr vernünftige und zukunftsorientierte Einkäufe. Wir setzen nun mehr auf die Jugend als in den Jahren zuvor, und ich glaube, das ist der richtige Weg. Aber die Bayern und Dortmund sind uns noch einen Schritt voraus. Wer das Champions-League-Finale gesehen hat, weiß, was für eine unfassbar hohe Qualität in diesen Mannschaften steckt. Beide haben eine viel bessere Ordnung auf dem Platz und eine brutale Konstanz. Diese muss irgendwann auch bei uns einkehren. Dieses ständige Auf und Ab zerrt schon gewaltig an den Nerven.

          Wie wichtig ist Julian Draxler für Schalke? Ist er schon der Führungsspieler?

          Julian ist ein Gesicht von Schalke geworden. Er wird als Spieler noch einiges lernen, reifen. Aber die Frechheit, die er auf dem Platz hat, tut uns gut.

          Gegen Saloniki geht es in der Qualifikation zur Königsklasse nun gegen einen alten Bekannten: Huub Stevens
          Gegen Saloniki geht es in der Qualifikation zur Königsklasse nun gegen einen alten Bekannten: Huub Stevens : Bild: dpa

          Ist die Meisterschaft für Schalke in den kommenden Jahren möglich?

          Möglich auf jeden Fall. Es ist immer was drin, wenn man einen guten Start erwischt. Umso mehr ärgere ich mich, dass wir jetzt wieder von Anfang an hinterherrennen. Wir dürfen uns aber nicht zu sehr unter Druck setzen. Wir müssen weg von diesem Gedanken: Wir müssen, müssen, müssen endlich die Schale holen!

          Stimmt es, dass Sie als kleiner Junge Fan des FC Bayern München waren?

          Ich war nicht wirklich ein Fan, aber ich denke, jedes Kind ist für die Mannschaft, die am erfolgreichsten ist, wenn sich ein Interesse für den Fußball entwickelt. Als das bei mir anfing mit dem Fußball, waren das eben die Bayern.

          Hatten Sie einen Lieblingsspieler?

          Ja, Mehmet Scholl und Giovane Elber. Ihre Tore und vor allem, wie sie danach gejubelt haben, fand ich toll. Ich war ja selbst lange Zeit Stürmer, bis ich zum Innenverteidiger umgeschult wurde.

          Es gab immer mal wieder Gerüchte, dass die Bayern Sie gerne verpflichten würden ...

          Verschiedene Vereine hatten Interesse. Auch die Bayern.

          Wieso hat es letztlich nicht geklappt mit einem Wechsel an die Säbener Straße?

          Ich habe mich auf Schalke immer wohl gefühlt, spiele hier jetzt schon seit 2001. Die Anfragen habe ich als Bestätigung für meine guten Leistungen gewertet. Einen Wechsel kann man nie ganz ausschließen. Aktuell habe ich aber keine Wechselgedanken.

          Schalkes Manager Heldt sagte nach dem 3:3 der deutschen Nationalmannschaft im Testspiel gegen Paraguay, dass Sie der einzige Gewinner dieses Länderspiels seien. Sehen Sie das auch so?

          Wahrscheinlich hat er das gesagt, weil ich gar nicht gespielt habe. Wir haben in dem Spiel taktische Fehler gemacht, die wir sonst nicht machen, und an denen war ich deshalb logischerweise auch nicht beteiligt.

          Einsatzzeiten in der Innenverteidigung, Ihrer Lieblingsposition, haben Sie in der Nationalelf bisher kaum erhalten. Hoffen Sie noch auf eine Bewährungschance in den kommenden Spielen?

          Ich bin glücklich, in diesem Team überhaupt spielen zu dürfen. In den vergangenen zwei Jahren habe ich kontinuierlich meine Einsätze als Außenverteidiger gehabt. Ich denke, der Bundestrainer weiß, dass er auf mich setzen kann.

          Auf Ihrer Facebook-Seite oder in Fan-Foren gibt es vereinzelte Stimmen, die an Ihrer Führungsstärke zweifeln.

          Alles, was in sozialen Netzwerken verbreitet wird, kann und werde ich nicht kommentieren. Denn bei manchen Kommentaren überwiegen die Emotionen.

          Bei Jens Keller genießen Sie volles Vertrauen?

          Wir haben ein gutes und vertrauensvolles Verhältnis, und ich denke, Schalke geht mit mir als Kapitän einen guten Weg. Die letzten zwei Jahre waren für uns erfolgreich.

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