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Akademie-Neubau in Frankfurt : Der neue DFB nimmt Formen an

Groß denken: Die Sporthalle der DFB-Akademie nimmt Formen an. Bild: dpa

Beim DFB wachsen große Träume und große Gebäude. Der Bau der Akademie und der neuen Zentrale sei trotz Corona im Zeit- und Kostenplan. Der Verband sieht sich auch selbst im Wandel.

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          Noch benötigt man eine ordentliche Portion Vorstellungskraft, um in all dem grauen Beton in Frankfurt-Niederrad die Zukunft des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zu erkennen. Die künftigen Büroräume der Verwaltung sind noch kahl und grau. Die gigantische Halle, die später einmal ein ganzes Fußball-Feld beheimaten soll, hat noch kein Dach. Und dort, wo sich eines Tages die Auswahlmannschaften auf diversen Trainingsplätzen in Form bringen sollen, wuchern noch Büsche, Bäume und Sträucher. Dennoch wird bei einem Rundgang über die Baustelle zur neuen DFB-Akademie bereits deutlich, was sich der Verband von seiner neuen Heimat verspricht: den Aufbruch in ein neues Zeitalter des deutschen Fußballs.

          Die Träume des DFB wachsen schnell in die Höhe. Erst Ende September war in Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel feierlich der Grundstein für das neue Prestigeprojekt gelegt worden. Jetzt ist der Rohbau bereits fertig. „Wir sind im Zeitplan, wir sind im Kostenplan“, verkündet DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius beim Medientermin am Dienstag stolz. Und das trotz Corona. „Ich sage immer: Das hier ist meine Lieblingsbaustelle beim DFB“, scherzt er. Schließlich gab es bei dem Verband in den vergangenen Jahren bekanntlich etliche Themenfelder zu bearbeiten, die „weniger angenehm“ waren.

          „DFB wird eine andere Organisation sein“

          Doch damit soll nun Schluss sein. Denn zusammen mit der imposanten neuen Zentrale will sich der DFB auch ein neues Gesicht geben. „Der neue DFB und seine Akademie“ ist deshalb auch die Begrifflichkeit, die sich die Offiziellen in Bezug auf das Großprojekt wünschen. Darauf wird viel Wert gelegt beim Verband. Eine Verwaltungsreform im Hintergrund ist längst im vollen Gange. Dank ihr sollen bis zum geplanten Einzug im vierten Quartal des Jahres 2021 genau die Strukturen geschaffen werden, die den Verband die Möglichkeiten der neuen Akademie bestmöglich nutzen lassen.

          „Der DFB wird eine andere Organisation sein, wenn wir hier rein können“, sagt Curtius. „Wir zählen die Tage.“ Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff verspricht vollmundig: „Es wird einen Riesen-Sprung, einen Riesen-Anschub für den gesamten deutschen Fußball geben.“ Der Anspruch sei, „den Fußball besser zu machen“.

          Dafür vollzieht der DFB auf dem Gelände der ehemaligen Galopprennbahn einen baulichen Kraftakt. Peter Matteo, Geschäftsführer beim mit dem Bau beauftragten Generalübernehmer Groß & Partner, stellt genüsslich einige der eindrucksvollen Zahlen zu der Großbaustelle heraus. 70 000 Kubikmeter Erdmasse seien bislang bewegt worden. Das entspreche mehr als 6000 LKW-Ladungen.

          Dazu wurden 30.000 Kubikmeter Beton verbaut, umgerechnet also 5,45 Millionen Fußbälle. Insgesamt seien die bis zu 150 Mitarbeiter, die sich täglich auf der Baustelle aufhielten, bereits mehr als 250.000 Arbeitsstunden im Einsatz gewesen. Und das – auch diese Information gehört in diesen Tagen dazu – ohne dass es einen Corona-Fall gegeben hätte. Schließlich habe man schon rund 500 Liter an Desinfektionsmittel aufgewendet, um beispielsweise die Aufenthaltsräume für die Arbeiter regelmäßig zu reinigen.

          Baustopp stand nie zur Debatte

          Der gute Fortschritt bei der Umsetzung der großen Vision des DFB schürt bei allen Beteiligten spürbar die Vorfreude auf das, was da noch kommt. So kann sich Bierhoff schon bildlich vorstellen, wie sich die Spieler auf kurzen Wegen zwischen Fitnessraum, Umkleidekabine, Besprechungszimmern und medizinischen Behandlungsräumen bewegen.

          Curtius schwelgt dagegen schon einmal in der Vorstellung, über den sogenannten „Boulevard“ zu schlendern, der den Verwaltungstrakt mit den Einrichtungen des sportlichen Bereichs verbindet. „Alles unter einem Dach“, das sei das ultimative Ziel für den insgesamt 150 Millionen teuren Neubau. Finanziert wird das Projekt aus DFB-Rücklagen, Zuschüssen von der Fifa und der Uefa sowie einem Bankdarlehen. Ein Baustopp, wegen der in der Corona-Pandemie zwischenzeitlich unklaren Haushaltslage beim DFB, hatte nie zur Debatte gestanden.

          Und so dürfen die Funktionäre nun zufrieden zur Kenntnis nehmen, wie die Zukunft des Verbands zunehmend Form annimmt. Und zwar eine, die zumindest bezüglich der reinen Ausmaße, Großes erwarten lässt. 18,5 Meter hoch ist der Akademie-Bau an seiner höchsten Stelle, in etwa so hoch wie das Brandenburger Tor. 307 Meter ist er lang. Doppelt so lang wie das Hauptschiff des Kölner Doms. Es wird dann irgendwann an Spielern, Trainern, Funktionären und Mitarbeitern des DFB diese gewaltigen Hallen und ihre Vision mit Leben zu füllen. Denn noch benötigt man dafür eben etwas Imagination.

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