https://www.faz.net/-gtl-9wuh4

Ärger bei Paris St. Germain : Rot für wütenden Neymar, Pfiffe für Tuchel

  • Aktualisiert am

Gleich fliegt er vom Platz: Neymar (sitzend) hat Bordeaux’ Yacine Adli getreten. Bild: EPA

Die Stars sorgen abseits des Platzes schon für reichlich Aufregung in Paris. Nun geht es auch auf dem Rasen hoch her beim wilden Duell mit Bordeaux. Neymar rastet aus. Und Thomas Tuchel spürt den Unmut.

          2 Min.

          Borussia Dortmunds Champions-League-Gegner Paris Saint-Germain geht in der französischen Fußball-Liga nach dem 4:3 (2:2)-Spektakel gegen Girondins Bordeaux weiter mit gehörigem Abstand voran. Dennoch herrscht eine angespannte Stimmung bei den Hauptstädtern. Bei der Teampräsentation am Sonntagabend im Prinzenpark gab es erstmals Pfiffe gegen Trainer Thomas Tuchel, berichtete die Sportzeitung „L'Equipe“. Und in der Nachspielzeit sah Neymar wegen eines üblen Fouls Gelb-Rot (90.+2 Minute).

          In der abwechslungsreichen Partie erzielten der starke Brasilianer Marquinhos per Doppelpack (45.+2. und 63.), Edinson Cavani (25.) und Kylian Mbappé (69.) die Treffer für die Gastgeber. Ui-Jo Hwang (18.), Pablo nach einem schweren Patzer von PSG-Schlussmann Serge Rico (45.+6) und Ruben Pardo (83.) trafen für Bordeaux.

          Das Tuchel-Team, in dem Thilo Kehrer in der Startelf stand, lief mit Sondertrikots auf. Auf der Brust des Tabellenführers prangte der Schriftzug „stay strong China“ (bleib stark, China) auf englisch und in chinesischen Schriftzeichen, als Zeichen der Solidarität mit dem unter dem Coronavirus leidenden Land. Julian Draxler kam nicht zum Einsatz. Die Pariser führen die Tabelle mit 13 Punkten Vorsprung vor Olympique Marseille an, die Girondins stehen auf dem zwölften Rang. Tuchel bot Neymar, Angel Di Maria und Cavani in der Startelf auf, obwohl er auf der Pressekonferenz vor der Partie seinen Unmut über eine Geburtstagsparty der Superstars am Donnerstag geäußert hatte.

          Neymar schlich im Regen mit gesenktem Kopf vom Rasen, sauer riss sich der Starkicker in den Katakomben das nasse Trikot vom Leib. Mit einem Platzverweis in der Nachspielzeit ist der Brasilianer bei Paris St. Germain mal wieder aus der  Rolle gefallen, doch Trainer Thomas Tuchel hielt diesmal die Hand über das teure Problemkind. „Auch er ist nur ein Mensch, er war wütend“, sagte Tuchel über Neymar, „der Kerl, der ihn vorher gefoult hatte, hat nicht mal Gelb gesehen, das war ein bisschen bizarr.“

          Nach Ablauf der regulären Spielzeit waren 90 Sekunden vorbei, da riss Youssouf Sabaly im Mittelfeld Neymar mit einem Ringergriff rüde zu Boden. Es gab nur Freistoß für PSG, Neymar verlor schnell den Ball und holte voller Frust Yacine Adli von hinten  von den Beinen. Schiedsrichter Willy Delajod blieb keine andere Wahl, als Gelb-Rot zu zücken – die erste Karte hatte Neymar wegen Meckerns gesehen.

          Durch die automatische Sperre fehlt Neymar am kommenden Samstag (17.30 Uhr) im Heimspiel gegen Abstiegskandidat FCO Dijon. So wird es natürlich schwierig, endlich in den Rhythmus zu kommen, dabei hatte sich der Südamerikaner nach dem Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League bei Borussia Dortmund (1:2) über zu wenige Einsätze beklagt. PSG habe ihn nach seiner Rippenverletzung zu lange geschont („Der Verein hatte Angst“).

          Nach seinen markigen Worten sorgte er nun ausgerechnet selbst für die nächste Pause. „Was er getan hat, hätte er nicht tun sollen“, stellte Tuchel klar, hielt sich mit kritischen Worten aber sehr zurück. Ob er genauso verständnisvoll reagiert hätte, wenn es zuletzt nicht derart viele Probleme mit der Diva gegeben hätte, sei mal dahingestellt. Anfang des Monats hatte Neymar seinen 28. Geburtstag trotz Verletzung in einem Pariser Nachtclub gefeiert, Tuchel war sauer („Macht den Eindruck, wir wären nicht seriös“). Nach der BVB-Pleite ließen sich unter der Woche andere PSG-Spieler gehen, Tuchel war wieder sauer („Über diese Bilder nicht glücklich“).

          Verständlich, dass der Coach die Sache am Sonntag nicht zu groß machen wollte, er hat ganz andere Sorgen. Paris hat in den vergangenen beiden Ligaspielen sieben Gegentore kassiert. „Das ist nicht normal“, so Tuchel, „nach der Niederlage in Dortmund fehlt es den Spielern etwas an Selbstbewusstsein.“ Im Rückspiel gilt es. Das machten auch die Fans deutlich. „Verdient Ihr es, die Farben zu tragen? Wir werden es am 11. März sehen“, stand auf einem Plakat. Neymar ist dann zumindest gut erholt, vorher steht für ihn nur noch das Ligaspiel in Straßburg an.

          Neymar könnte nach seinem freiwilligen Verzicht nun eigentlich doch noch zum Karneval nach Brasilien fliegen. Da es in den vergangenen beiden Jahren aber Stress gab, weil er in der Heimat trotz Fußverletzungen das Tanzbein schwang, wäre es wohl keine  gute Idee.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Abstrich zur Corona-Analyse: Ein Mann lässt sich in Köln auf den Erreger Sars-CoV-2 testen.

          Engpass vor dem „Exit“ : Teste mich, wer kann

          Die Ärztekammer verlangt, dass viel mehr Menschen auf Corona getestet werden – doch der Verband der Laborärzte hält das für nicht machbar. Scheitert der „Exit“ an der Labor-Logistik?
          Eine der zentralen Aufgaben in der Küche: Gemüse und anderes mit dem Messer zerkleinern.

          Kochen für Anfänger : Da kocht was hoch

          Restaurants sind geschlossen, Supermärkte haben geöffnet, und die Menschen verbringen ihre Zeit zu Hause. Wer noch nicht kochen kann, sollte es jetzt lernen. Diese Werkzeuge sollte jeder Hobbykoch in der Küche haben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.