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0:0 gegen Inter Mailand : Im Herzen von Europa fehlt nur ein Tor

Warum nur fällt das Tor nicht? Eintracht-Verteidiger Danny da Costa hadert mit den vielen Torchancen seines Teams. Bild: EPA

Eintracht Frankfurt sorgt für einen Festabend in der Europa League. Allein der verdiente Siegtreffer will nicht fallen. Für die Fortsetzung der Europareise müssen die Hessen am kommenden Donnerstag in Mailand bestehen.

          Makoto Hasebe war der erste, der nach der Nullnummer Hoffnung verbreitete. „Unsere Chancen sehe ich bei 51 Prozent“, sagte der Frankfurter Abwehrchef, als sich am Donnerstagabend die Arena nach und nach geleert hatte und Spieler, Trainer und Verantwortliche der Eintracht das 0:0 gegen Inter Mailand einzuordnen versuchten.  Eine großartige Choreographie, ein spannendes Spiel - aber eben keine Tore gegen Mailand.

          Europa League
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          Im Kräftemessen mit den Italienern musste sich die Eintracht in der ersten Achtelfinalbegegnung in der Europa  League zwar mit einer Nullnummer zufrieden geben. Doch trotzdem überwog die  Zuversicht, dass es in einer Woche beim Rückspiel in Mailand gelingen könne, den „dicken Brocken“ Inter, von dem Eintracht-Trainer Adi Hütter vorab geschwärmt hatte, aus dem Weg zu räumen. „Der Trainer hat uns in der Halbzeitpause wachgerüttelt“, sagte der Frankfurter Mittelfeldspieler Sebastian Rode. „Wir sollten selbstbewusster auftreten.“ Gesagt, getan. Vor 48.000 Zuschauern präsentierte sich die Eintracht, für  die Torhüter Kevin Trapp einen von Marcelo Brozovic geschossenen Strafstoß parierte (22.), nach dem Seitenwechsel wie verändert.

          Farbenfroher Einstieg

          „Wir waren sehr viel  mutiger“, sagte auch Trapp, der froh war, „dass ich das Ding vor der eigenen Kurve gehalten habe“. Lob für den Auftritt der Frankfurter gab es von Luciano Spalletti. Der Trainer der Italiener, am Donnerstag 60 Jahre alt geworden, sprach von „zwei unterschiedlichen Halbzeiten. In der ersten haben wir  Persönlichkeit auf dem Platz gezeigt, in der zweiten war die  Eintracht einfach druckvoll.“ Eine Einschätzung, die Hütter teilte, denn der Frankfurter Fußballlehrer sprach von einem „gerechten Unentschieden. Wir wollten zu null spielen. Das haben wir geschafft, und das lässt uns alle Chancen offen.“

          Zur Einstimmung des bisherigen Frankfurter Highlights in der Europa League  wurde es farbig. Endlich bekamen die  Zuschauer die Choreographie zu sehen, die schon gegen Schachtar Donezk präsentiert werden sollte. Silber, schwarz, rot und gold - es war ein einziges fahnenschwenkendes Farbenmeer, mit dem die  beiden Mannschaften minutenlang begrüßt wurden. Ein würdiger Rahmen, ein emotionaler Moment, den es in dieser Dichte in dieser Europapokalsaison so noch nicht gegeben hatte.

          Beeindruckendes Bild: Die Fans gratulieren der Eintracht beim Einlaufen der Teams zum 120. Geburtstag am Freitag. Bilderstrecke

          Dazu die verbale Einstimmung mit dem deutlich sichtbaren Spruch: „Glorreiche Zeiten, traurige Tage – wir stehn zur Eintracht, gar keine Frage.“ Und über der Nordwesttribüne war riesig die Zahl zu sehen, die an diesem Freitag eine besondere Bedeutung haben wird: 120. Die Eintracht, gegründet am 8. März 1899, hat Geburtstag.

          Das Tor wollte nicht fallen

          Gefeiert werden sollte sportlich schon am Abend zuvor. Doch Inter wollte da nicht mitmachen. Die Mailänder waren keineswegs gewillt, die Frankfurter in Feierlaune kommen zu lassen. Ihr Rezept: Mit Ball- und Spielkontrolle übernahm der Tabellenvierte der italienischen Serie A das Kommando. Allein: Es gelang ihm nicht, richtig gefährlich vor das Frankfurter Tor zu kommen. Szenen der Eintracht? Ließen bis zur zehnten Minute auf sich warten, als Sebastien Haller auf rechts aber nicht wie gewünscht zur Geltung kam.

          Gemeinsam mit Luka Jovic bildete der Franzose erwartungsgemäß das Sturmduo, denn der Dritte im Bunde, Ante Rebic, musste sich die Partie am Fernseher in Belgrad anschauen. Dorthin  war der Kroate geflogen, um sich bei den Medizinmännern seines Vertrauens am verdrehten Knie behandeln zu lassen. Auch Gelson Fernandes war zuletzt verletzt und angeschlagen. Doch rechtzeitig für den „dicken Brocken“ Inter war der Schweizer wieder einsatzbereit, handelte sich allerdings früh eine Verwarnung ein, weshalb er im Rückspiel gesperrt ist.

          Fernandes führte die Frankfurter sogleich als Kapitän  an - und war in der 21. Minute entscheidend an einer Szene beteiligt, die die Eintracht in höchste Not brachte. Nach einer Rangelei mit Lautaro Martinez fiel  der Inter-Angreifer im Strafraum zu Boden: Elfmeter. Doch Brozovic agierte zu lässig, und Trapp parierte unter dem großen Jubel der Zuschauer den  Strafstoß. Kein Tor für Inter – die Eintracht war weiter im Spiel. Chancen freilich ergaben sich auch in der Folge nicht für die Frankfurter. Im Gegenteil. Hasebe musste rettend eingreifen (27.). Kurz vor der Pause hätte  einer der wenigen Entlastungsangriffe durchaus erfolgreich enden können.

          Doch der flankende Filip Kostic ließ es an Präzision und Gefühl missen. Nach dem Seitenwechsel ein anderes Bild. Jetzt war es die Eintracht, die  die Initiative ergriff, Inter in die eigene Hälfte zurückdrängte und mit einem beherzten und couragierten Auftritt bestrebt war, das erste Tor dieses ersten K.o.-Spiels zu erzielen. In der Arena wurde es noch lauter, als die Eintracht einen Strafstoß einforderte, weil Haller zu Fall gekommen war. Doch der schottische Schiedsrichter William Collum ließ weiterspielen – und schickte stattdessen den protestierenden Hütter, der „einen klaren Elfmeter“ gesehen haben wollte und verärgert eine Wasserflasche weggetreten hatte, auf die Tribüne (54.).

          Der Österreicher bekam aus der Distanz eine gute Aktion von Danny da Costa zu sehen, der mit dem Kopf scheiterte (61.). Auch Martin Hinteregger hatte Pech, dass er den Ball nicht richtig traf (70.). Dreizehn Minuten vor dem Ende wechselte die Eintracht erstmals. Für Rode kam Jetro Willems; kurze Zeit später machte dann auch noch Haller für Goncalo  Paciencia Platz (80.). Doch auch die frischen Kräfte schafften es nicht mehr im Verbund mit den anderen Spielkameraden, Inter entscheidend zu treffen. Auch Mijat Gacinovic in der 89. Minute scheiterte am haltenden Handanovic. Keine Tore in Frankfurt – und weiterhin alle Chancen in der kommenden Woche in Mailand: Die Eintracht bleibt im Rennen.

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