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Nationalmannschaft : Ein ganz neuer Sound

Klarer Blick nach vorne: Julian Brandt sieht seine Generation bereit für die bevorstehenden Aufgaben. Bild: dpa

Die Verjüngungskur des Nationalteams beginnt vor dem ersten Testspiel der Ära nach Boateng, Hummels und Müller forsch. Julian Brandt blickt zurück und zugleich nach vorne. Den Jungen soll Raum zur Entfaltung eröffnet werden.

          „Man sieht sich immer zwei Mal im Leben.“ Das ist ein Satz, der nach Enttäuschung, Zorn und, ja, vielleicht auch Abrechnung klingt – erst recht im deutschen Fußball in diesen Tagen. Am Montagmittag aber war das ganz anders. Es war kein ausgebooteter Weltmeister, der da zu einer Suada anhob, es war vielmehr Julian Brandt, der auf dem Pressepodium der Nationalmannschaft in Wolfsburg Platz genommen hatte und den drei in den Ruhestand versetzten Weltmeistern ein paar respektvolle Worte hinterher rief – die Möglichkeit des Wiedersehens im Zeichen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) inklusive. Aber das war eben auch nicht alles. Derselbe Brandt, der davon sprach, was Jerome Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller für „Vorbilder“ seien und wie „dankbar“ er ihnen sei, richtete den Blick recht forsch nach vorn. Eine „Überraschung“ sei Löws Entscheidung auch für ihn gewesen, als er in der Mittagspause auf sein Handy geschaut und die normale Nachrichtenroutine erwartet habe.

          Man müsse daraus aber eben auch seine „Schlüsse ziehen“, sagte Brandt: Dass „diese Verjüngungskur jetzt stattfindet“, dass „jüngere Spieler mehr in die Verantwortung gezogen werden und das lernen müssen“. An Bereitschaft und auch Eignung jedenfalls mangele es nicht. „Wir haben die Persönlichkeiten, die das schaffen werden“, sagte er. „Das Führungsthema werden wir schon hinkriegen.“ Brandt, 22 Jahre junger Mittelfeldspieler von Bayer Leverkusen, präsentierte sich im Schatten der Wolfsburger Arena, in der das Nationalteam am Mittwoch (20.45 Uhr/ F.A.Z.-Länderspiel-Liveticker und RTL) zu einem Test gegen Serbien antritt, bevor es nach Amsterdam zum ersten EM-Qualifikationsspiel am Sonntag gegen die Niederlande geht, rhetorisch als perfekter Gewährsmann für das, was im Nationalteam gerade passiert.

          Raum zur Entfaltung

          So frisch und tatendurstig war der Sound in den vergangenen Monaten nicht oft, und so hallte er auch wie ein Echo in der Bemerkung von Oliver Bierhoff nach, dass die Weltmeister zuletzt „einen gewissen Raum“ eingenommen hatten. Der soll nun der nächsten Generation zur Entfaltung gegeben werden soll – der grüne Rasen als Spiel- und Experimentierwiese für ein neues Nationalteam, das zwar nicht befreit ist vom Ergebnisdruck, aber ausgestattet mit Vertrauen und Geduld.

          Das war Bierhoffs – durchaus als Mahnung und Warnung zu verstehende – Kernbotschaft, nachdem er zu Beginn hervorgehoben hatte, wie sehr er Löw (der wegen einer Zahn-Operation am Montag fehlte) und dessen Jugendkurs unterstütze. Zwar wolle die Mannschaft „möglichst schnell wieder zurück in die Weltspitze“, sagte der Direktor Nationalmannschaften beim DFB. Aber die jungen Spieler würden auch „Fehler machen“ und „Schwierigkeiten haben“. Die Öffentlichkeit möge „verzeihen, wenn Dinge nicht so ganz laufen“.

          Der sportliche „Neustart“, den Bierhoff noch einmal ausrief, fällt zusammen mit dem Beginn der Partnerschaft mit VW, das den vorherigen Sponsor Mercedes-Benz nach 46 Jahren zu Jahresbeginn beim Nationalteam abgelöst hat. Das Länderspiel samt Vorbereitung in Wolfsburg ist der Antrittsbesuch, den Bierhoff mit der Hoffnung verband, „Richtung 2024 auch im sportlichen Bereich wieder eine Erfolgsgeschichte zu erzählen“. Wie das auf dem Platz aussieht, muss sich erst noch zeigen. Wie das neue Deutschland klingt – das war am Montag schon einmal zu hören.

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