https://www.faz.net/-gtl-vdjw

Beckham in Hollywood : „Der Zirkus ist in der Stadt“

  • Aktualisiert am

Metrosexuelle Pop-Ikone: David Beckham Bild: dpa

Der Rote Teppich ist ausgerollt, Hollywoods Paparazzi stehen bereit: David Beckham kommt. Für 250 Millionen Dollar spielt der Pop-Fußballer ab Freitag fünf Jahre lang bei Los Angeles Galaxy das Soccer-Zugpferd.

          Der Countdown auf der Homepage von Los Angeles Galaxy zählt die Sekunden bis zu seiner Ankunft herunter, der Rote Teppich ist ausgerollt, Hollywoods Paparazzi stehen bereit: Mit der Vorstellung von David Beckham am Freitag im Home Depot Center in Carson soll für die Major League Soccer (MLS) endlich eine neue Zeitrechnung beginnen. Der 32 Jahre alte Fußball-Star und seine Frau Victoria (33), geben damit ihren Einstand als das neue Promi-Paar der Westküsten-Metropole.

          „Es wird ein riesiger Zirkus sein, aber es ist doch ein Spaß, wenn der Zirkus in die Stadt kommt“, sagte Galaxy-Präsident Alexi Lalas der Zeitschrift „Time“ erfreut. Für 250 Millionen Dollar konnte er das Mittelfeld-Ass über den großen Teich in die US-Profiliga MLS locken, wo er in fünf Jahren als Kicker, Werbestar und Soccer-Zugpferd zugleich abkassieren soll.

          Nur 5,5 Millionen fürs Kicken

          Der Großteil des Geldbatzens, der dem Mittelfeldspieler rund eine Million pro Woche garantiert, stammt aus Sponsorenverträgen und Merchandising. Fürs Kicken bekommt der Engländer „nur“ 5,5 Millionen im Jahr, bezieht damit aber ein 50-faches des MLS-Durchschnittsgehalts. Mit einem Jahressalär von 900.000 Dollar war der bei Bayer Leverkusen gescheiterte Landon Donovan bisher der Polarstern in der südkalifornischen Fußball-Galaxie.

          Der eine-Million-Dollar-Mann (pro Woche)

          „Ich denke, niemand in unserem Team missgönnt es David, dass er die Möglichkeit hat, so viel Geld zu verdienen. Durch ihn gerät das gesamte Team ins Rampenlicht“, meint Lalas. Der 37-Jährige machte bei der WM 1994 im eigenen Land vor allem durch seine rote Lockenpracht und seinen Ziegenbart auf sich aufmerksam und tingelte nach seiner Karriere als Vorgruppe der Band „Hootie and the Blowfish“ durch die Welt.

          „Nichts zu Großes, zu Schickes und zu Protziges“

          Dank David Backham weiß die Welt nicht nur, wie man Freistöße mit dem rechten Fuß ins gegnerische Tor schnippelt, sondern auch, dass Fußball-Profis metrosexuelle Stilikonen sein dürfen. Für die Wandlung zum Popstar und zur Werbe-Ikone hat vor allem seine Gattin Victoria gesorgt.

          22 Millionen hat das Glamour-Paar schon für ein standesgemäßes Zuhause ausgegeben. Die „Los Angeles Times“ taufte das Anwesen in Beverly Hills mit neun Bädern, sechs Schlafzimmern, Tennisplatz und Pool treffend „Beckingham Palast West“. Laut Victoria wollten sie „nichts zu Großes, zu Schickes und zu Protziges“. Es sei ein „praktisches“ Haus mit langem Korridor, in dem die Kinder Brooklyn (8), Romeo (4) und Cruz (2) prima Rollschuh laufen könnten, sagte sie dem Trend- Magazin „W“. „Wir sind gar nicht darauf aus, die berühmtesten Leute Amerikas zu werden“, versichert sie.

          Frau Beckham will nicht zum Film

          Dennoch diskutieren Gesellschafts-Experten derzeit, ob „Becks“ und „Posh Spice“ auch in der Glitzerwelt des Films jeden Roten Teppich betreten und zum Objekt der Begierde werden. Ob es für die derzeitigen Top-Pärchen „TomKat“ (Tom Cruise/Katie Holmes) oder „Brangelina“ (Brad Pitt/Angelina Jolie) reicht, wird sich zeigen. Immerhin haben sich die Beckhams mit Stars wie Jennifer Lopez und Marc Anthony angefreundet. Busenfreundin Katie Holmes und Gatte Tom Cruise sind Nachbarn. „Sie sind einfach sehr nette Menschen, eine wunderbare Familie“, schwärmte Victoria. Was Scientology betrifft, so würden sie „ihr Ding und wir unseres“ machen. Das stünde ihrer Freundschaft nicht im Wege.

          Hollywood-Ambitionen weist die Sängerin weit von sich. „Ich bin wahrscheinlich die einzige Person in Los Angeles, die nicht zum Film will“, sagte Beckham. Schließlich ist sie mit dem Streifen „Spice World“ schon einmal auf die Nase gefallen. 2000 waren die fünf Spice Girls bei der „Razzie“-Verleihung zu den schlechtesten Schauspielerinnen des Jahres gekürt worden.

          Herr Beckham bleibt beim Fußball

          Doch „Posh Spice“ rührt die Werbetrommel. Am Montag stellt sie sich in einer einstündigen Show beim Sender NBC mit dem Titel „Victoria Beckham: Coming to America“ vor. Vom Herbst an soll ihre Jeans- und Sonnenbrillen-Kollektion die Regale teurer Kaufhäuser füllen. Anfang Dezember gehen die Spice Girls nach fast zehnjähriger Pause wieder auf Tournee. Der Startschuss fällt - in Los Angeles.

          David Beckhams erste Bewährungsprobe steht am 21. Juli an, wenn er mit seinem neuen Team im Freundschaftsspiel gegen den FC Chelsea antritt. Lobeshymnen gab es schon lange vor dem ersten Spiel. „Unser Land hatte noch nie einen Sportler, der eine solch große internationale Strahlkraft verbreitet. Bei allem Respekt vor Tiger Woods oder auch Michael Jordan, Beckham ist eine andere Kategorie“, schwärmte Lalas.

          Raus aus dem Schattendasein

          „Wenn es einen Spieler auf der Welt gibt, der dem Fußball in Amerika zum Aufschwung verhelfen kann, dann ist es David Beckham“, sagte MLS-Boss Sunil Gulati mit einem Blitzen in den Augen: „Wenn wir uns die momentane Aufmerksamkeit erhalten können, wird er unseren Sport auf eine andere Ebene heben. Das weltweite Interesse ist wirklich außergewöhnlich.“

          Mitte der 70er-Jahre stand der Fußball in den Staaten schon einmal im Fokus. Angeführt von Pele und Franz Beckenbauer bei Cosmos New York ebnete eine Reihe internationaler Stars der damaligen North American Soccer League (NASL) kurzzeitig den Weg aus dem Schattendasein. Nachdem die Liga zwischenzeitlich auf bis zu 24 Teams aufgeblasen worden war, wurde sie aber 1984 wieder eingestellt. „Pele hat uns damals zu einem Boom verholfen, den wir aber leider nicht aufrechterhalten konnten. Das muss uns dieses Mal gelingen“, meint Gulati.

          Topmeldungen

          Die Pläne der Senderführung beim HR sind ein Misstrauensvotum gegen die eigenen Mitarbeiter.

          Kurs des Hessischen Rundfunks : Weniger Kultur wagen?

          Beim Hessischen Rundfunk soll das Radio-Kulturprogramm hr2 nach dem Willen der Senderführung verschwinden. Die Argumentation für diesen Schritt ist typisch. Sie zeugt von Verachtung – für die Kultur, die Mitarbeiter und die Beitragszahler.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.