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ISL-Schmiergelder : FBI untersucht Blatters Rolle im Bestechungsskandal

Joseph Blatter soll „vollständige Kenntnis von allen Aktivitäten“ gehabt haben. Bild: dpa

Der Fall ist alt, aber brisant: Das FBI soll die Rolle von Joseph Blatter in einem gigantischen Bestechungsskandal neu beleuchten. Es geht um Hunderte Millionen Schweizer Franken. Ein Brief sorgt nun für neue Erkenntnisse.

          Die amerikanische Bundespolizei, das Federal Bureau Of Investigation (FBI) untersucht die Rolle des suspendierten Präsidenten des Internationalen Fußballverbands Fifa, Joseph Blatter, im sogenannten „ISL-Skandal“. Das berichtete die britische BBC vorab aus einer Dokumentation, die der Journalist Andrew Jennings für die BBC-Dokumentarsendung „Panorama“ recherchiert hat und die am Montagabend ausgestrahlt werden sollte.

          Die International Sports and Leisure (ISL) mit Sitz im schweizerischen Ort Zug war eine vom früheren Adidas-Chef Horst Dassler gegründete Sportrechteagentur mit engen Verbindungen zur Fifa, die Hunderte Millionen Schweizer Franken Schmiergeld an Sportfunktionäre gezahlt hat. Blatter hat eine Mitwisserschaft von den Bestechungspraktiken der ISL zunächst bestritten, musste sie im Jahr 2012 zugeben, verwies damals aber darauf, die Provisionszahlungen seien „damals“, in den Neunziger Jahren, nicht strafbar gewesen. Im Jahr 2013 war er in dieser Frage von der Ethikkommission der Fifa frei gesprochen worden.

          Die BBC berichtet nun, ein „offenbar von João Havelange (seinem Amtsvorgänger als Fifa-Präsident, d. Red.) verfasster Brief“ zu den Schmiergeldern, die der inzwischen 99 Jahre alte Brasilianer von der ISL erhalten hat, behaupte, Blatter „sei stets auf dem Laufenden“ gehalten worden und habe „vollumfängliche Kenntnis“ von den Geschäftspraktiken gehabt. Der Brief sei Bestandteil eines Ersuchens des FBI an die Schweizer Bundesanwaltschaft, die derzeit gegen Blatter ermittelt, mit dem die Amerikaner um die Akten eines früheren Schweizer Verfahren ersuchten.

          Ein Strafprozess gegen frühere ISL-Manager in Zug hatte im Jahr 2008 ergeben, dass hohe olympische Sportfunktionäre ab 1989 bis zu ihrem Konkurs im Frühjahr 2001 knapp 160 Millionen Schweizer Franken erhalten hatten. Unter ihnen sind auch Fifa-Funktionäre wie der frühere Präsident des Weltverbandes, Joao Havelange, sein Schwiegersohn, der inzwischen von der amerikanischen Justizministerin angeklagte frühere Präsident des brasilianischen Fußballverbandes Ricardo Teixeira und Nicolas Leoz, einst Mitglied der Fifa-Exekutive und insbesondere in Großbritannien in schlechter Erinnerung, weil Lord Triesman, der frühere Chef des englischen Fußballverbandes FA, vor vier Jahren bestätigte, dass Leoz einen Ritterschlag durch Königin Elizabeth II. als Gegenleistung für seine Stimme für die englische Bewerbung um die Weltmeisterschaft 2018 verlangt habe.

          Zudem war im Jahr 2010 ein weiteres Strafverfahren von der Zuger Staatsanwaltschaft gegen eine sogenannte „Wiedergutmachungszahlung“ in Höhe von 5,5 Millionen Franken eingestellt worden. Die Fifa hatte damals mitgeteilt, Blatter, der nicht Beschuldigter des Verfahrens war, sei damit von jeglichem Fehlverhalten freigesprochen. Damit sei der Fall endgültig abgeschlossen, hieß es damals aus Zürich – was sich schon bald als deutlich verfrühte Prognose erweisen sollte.

          2012 hatte ein Journalist der Zürcher „Handelszeitung“ mit seinem Begehren nach Veröffentlichung der Zuger Einstellungsverfügung aus dem Jahr 2010 Erfolg. Diese belegte Blatters Mitwisserschaft, woraufhin der Schweizer seine Taktik änderte und betonte, die Veröffentlichung sei in seinem Sinne, „um ein für alle Mal Spekulationen einen Riegel vorzuschieben“. Auch diese Prognose erweist sich nun, angesichts des Begehrens des FBI, als verfrüht. Stattdessen gewinnt die These zusehends an Substanz, die Ermittlungen der amerikanischen Justiz wegen der Beteiligung an einem Komplott der organisierten Kriminalität („Racketeering“) und der Korruption würden nach und nach aufgebaut und vom Fußball in der westlichen Hemisphäre auf weitere Kontinente und dort tätige Funktionäre und Rechtehändler ausgedehnt.

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