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Bayern-Stürmer Mandzukic : Super-Mario II

Gewohntes Bild: Mandzukic bejubelt einen seiner vier Treffer, Shaqiri (links) freut sich mit Bild: dpa

Mittelstürmer Mandzukic hat sich bei den Bayern vom Gomez-Vertreter zum Gomez-Konkurrenten entwickelt. Gegen Valencia gibt der Stürmer sein Debüt in der Königsklasse.

          3 Min.

          Mario Gomez mache gute Fortschritte, sagt Trainer Jupp Heynckes. Mario Mandzukic macht sie auch. Der eine auf dem Laufband, einem ganz speziellen, bei dem die Last des Körpergewichts auf dem operierten Sprunggelenk reduziert ist. Der andere auf dem Platz - und das, obwohl die Last der Erwartung dort größer ist als je zuvor in seiner Karriere. Denn schließlich spielt Mario Mandzukic nun beim FC Bayern. „Bei jedem großen Klub herrscht große Konkurrenz“, sagt der Kroate. „Ich werde kämpfen um meinen Platz.“ Vorerst ist dieser Platz im teuersten Team des deutschen Fußballs dem Neuzugang aus Wolfsburg wohl mindestens bis Mitte Oktober sicher. Und sollte er an diesem Mittwochabend zum Auftakt der Champions League gegen den FC Valencia (20.45 Uhr / Live im FAZ.NET-Ticker) und in den kommenden Wochen seine Sache so gut machen wie bisher - sechs Tore in fünf Spielen -, dann könnte aus dem Gomez-Vertreter ein Gomez-Konkurrent geworden sein.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Die Bayern-Führung hatte es in diesem Sommer auf eine „echte Bombe“ im Sturm abgesehen, wie Präsident Uli Hoeneß das nannte. Zum verlässlichen Torjäger Gomez fehlte ein tauglicher Ersatz für den Fall einer Verletzung, aber auch eine Alternative für jene Spiele, in denen die Spielweise des 30-Millionen-Mannes für den Gegner zu berechenbar wird, wie im verlorenen Champions-League-Finale gegen Chelsea vor vier Monaten.

          Hört her, hört her: Mandzukic trifft nicht nur für Kroatien mehrfach, sondern auch für seinen neuen Arbeitgeber von der Säbener Straße
          Hört her, hört her: Mandzukic trifft nicht nur für Kroatien mehrfach, sondern auch für seinen neuen Arbeitgeber von der Säbener Straße : Bild: dpa

          Als Mandzukic dieses Spiel im EM-Trainingslager der Kroaten sah, drückte er den Bayern die Daumen, obwohl er noch nicht wissen konnte, dass er keine sechs Wochen später einer von ihnen sein würde. Grund war die Sympathie für die damals noch bayrischen Landsleute Olic und Pranjic. Zu jenem Zeitpunkt bemühten sich die Bayern noch um Stürmer wie Robert Lewandowski, den Dortmund aber um keinen Preis ziehen lassen wollte, und Edin Dzeko, für den Manchester City dann deutlich mehr verlangte, als die Bayern zahlen wollten. So kamen sie auf Mandzukic. Der bewies bei der EM nach Ansicht von Hoeneß, dass er sich auch auf europäischem Top-Niveau durchsetzen könne - mit seinen drei Toren gegen Irland und Italien, noch mehr aber mit seiner Leistung beim unglücklichen 0:1 gegen Spanien.

          Dazu brachte er die günstige Voraussetzung mit, sich schon in der Bundesliga bewährt zu haben, wo er Wolfsburg 2011 mit acht Toren in den letzten sieben Spielen vor dem Abstieg bewahrt hatte. Und die, sehr gut Deutsch zu sprechen, weil er seine Grundschulzeit im schwäbischen Ort Ditzingen verbrachte, wohin seine Familie aus Bosnien vor dem Jugoslawien-Krieg geflohen war. Zu teuer war er auch nicht, keine 30, sondern 13 Millionen, so war noch Geld übrig für den spanischen Rekordeinkauf Javier Martínez. Danach wurde die Ankündigung von Hoeneß zum „Bömbchen“ verniedlicht. Doch bisher muss sich diese sich bei der Explosivität am Ball nicht verstecken.

          Eins von Vieren: Der Kroate beweist in der Bundesliga auch in der aktuellen Spielzeit seinen Torriecher
          Eins von Vieren: Der Kroate beweist in der Bundesliga auch in der aktuellen Spielzeit seinen Torriecher : Bild: REUTERS

          “Mir imponiert seine ungemein physische Präsenz, das tut unserem Spiel gut“, sagte Heynckes am Dienstag. „Mandzukic ist einer, der sich von der ersten bis zur letzten Minute zerreißt, der immer unterwegs ist.“ Er erweitert die taktischen Optionen gegenüber Gomez, der am liebsten in vorderster Linie hart an der Abseitsgrenze agiert, während Mandzukic dem Ball entgegengeht, um einem im Mittelfeld festgefahrenen Angriff neue Optionen zu geben. Dazu ist er fleißig als vorderster Störenfried. „Mandzukic gibt uns Ruhe, er arbeitet sehr viel und ist sehr lauffreudig“, sagt Torwart Manuel Neuer. „Er macht es der gegnerischen Verteidigung schwer, von hinten herauszuspielen.“

          Allmählich macht er sich nicht mehr klein

          Bisher verhielt sich Mandzukic so, als habe er aus dem Profihandbuch den Eintrag auswendig gelernt: Wie trete ich auf, wenn ich erstmals zu einem großen Klub komme. Er zeigte sich bescheiden, erledigte seine Aufgaben mit großem Einsatz und antwortete auf jedes Lob für seine Tore mit einem Lob für die Qualität der Vorlagen: „Es macht Riesenspaß, hier zu spielen, mit solch guten Mitspielern.“ Nun allmählich beginnt er aber, sich nicht mehr klein zu machen. „Ich will so lange wie möglich in der Startelf bleiben“, sagte er am Dienstag. Der Mann, der als Zweitstürmer geholt wurde, zeigt bisher, dass er auch als Erststürmer taugen könnte - um so den Trainer, wenn Gomez wieder fit ist, vor die „Qual der Wahl“ zu stellen, wie Heynckes das nennt.

          Bayern München : Neue Saison, neues Glück

          Ein „Super-Mario“ wird immer spielen, denn beide tragen diesen Spitznamen. Natürlich hat Gomez einen gewaltigen Vorsprung, gerade in der Champions League, in der er in 37 Spielen 24 Tore erzielte. Mandzukic, mit 26 Jahren nur ein paar Monate jünger als Gomez, hat noch kein Spiel in der Champions League bestritten. Ängstlich wirkt er aber nicht vor seinem Debüt auf der größten Bühne des Vereinsfußballs. Während Trainer Heynckes und Kapitän Philipp Lahm nach der Frage über die Saison-Zielsetzung herumdrucksten - also darum, ob das Ziel nach zwei verlorenen Finals in drei Jahren nicht allein der Titel sein kann -, kam Mandzukic, ganz Stürmer, direkt zum Abschluss. „Deshalb bin ich hergekommen“, sagte er. „Weil die Bayern den Weg bis zum Ende gehen können.“

          Bilderstrecke
          Champions League 2012/13 : Endstation London

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