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Verständnis von Hummels : „Das war für Jogi Löw unmöglich“

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„Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Bundestrainer und ich uns noch austauschen werden“: Hummels (rechts) und Löw (Bild von 2015) Bild: Picture-Alliance

Erstmals nach der Ausbootung der drei früheren Münchner Weltmeister äußert sich Mats Hummels ausführlich. Der Bayern-Spieler spricht in einem Interview über den Bundestrainer, seine Kritik an der Aktion – und ein mögliches Comeback.

          Mats Hummels hat mit der Fußball-Nationalmannschaft auch nach seiner Ausmusterung durch Bundestrainer Joachim Löw nicht völlig abgeschlossen. „Der Nationalspieler Mats Hummels ist in meinem Kopf erst einmal zur Seite geschoben, aber er ist nicht ganz hinten in die Ecke in den Schrank gepackt, wo man ihn nie mehr findet“, sagte der Abwehrspieler des FC Bayern der „Sport Bild“. „Ich bin erst 30, ich werde noch ziemlich lange Fußball spielen. Es ist nicht vorhersehbar, was im Fußball passiert.“ Hummels war vor dem Start ins neue Länderspiel-Jahr wie seine Teamkollegen Thomas Müller und Jérôme Boateng von Löw überraschend abrupt ausgemustert worden.

          „Thomas, Jérôme und ich hatten das Gefühl, dass es etwas mehr Wertschätzung hätte sein können“, sagte der früheren Weltmeister zu den Umständen der Entscheidung des Bundestrainers. Löw hatte das Trio bei einem unangekündigten Besuch in München vom Ende ihrer Zeit bei der DFB-Auswahl informiert. Kurz danach hatte der DFB die Öffentlichkeit in Kenntnis gesetzt. „Das war alles sehr knapp gehalten“, sagte Hummels.

          Er sei von dem Gespräch mit Löw „vor den Kopf gestoßen“ gewesen, da er „überhaupt nicht“ mit der Ausmusterung gerechnet habe. „Ich wusste nicht so richtig, was da gerade passiert ist“, beschreibt Hummels die Zeit unmittelbar nach dem Gespräch mit Löw. „ich hatte natürlich im Kopf, dass irgendwas in diese Richtung passieren kann, da die Umbruch-Forderungen nach der WM riesengroß waren.“ Die Spiele, die zum Abstieg in der Nations League führten, seien aber „nicht so schlecht wie die Ergebnisse. Zudem haben die letzten Partien im Verein nicht dazu beigetragen, dass ich diese Art der Ausmusterung jetzt erwartet hätte.“

          Hummels zeigte aber auch Verständnis für das Handeln des Bundestrainers. „Den perfekten Weg konnte Jogi Löw nicht finden, das war unmöglich“, sagte der 70-malige Nationalspieler. Er kündigte an, dass es in Zukunft Kontakt zu Löw geben wird, um die Sache aufzuarbeiten: „Das kommt noch. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Bundestrainer und ich uns noch austauschen werden.“ Er sei nicht nachtragend. „Aus der Sicht des Bundestrainers müssen manche Entscheidungen getroffen werden.“ Er könne auch Teile der Argumentation von Löw nachvollziehen.

          Die ersten beiden Länderspiele nach der Ausbootung habe  er verfolgt. Das 1:1 im Test gegen Serbien am vergangenen Mittwoch „in Ruhe, ganz alleine“. Den überraschenden 3:2-Sieg in den Niederlanden am Sonntag sah Hummels im Zug auf dem Weg zurück aus dem Kurzurlaub auf dem Handy. Hummels sieht sogar etwas Positives darin, in der Länderspiel-Pause nun mehr Zeit zu haben: „Ich konnte mal wieder ausgiebig in den Fitnessraum gehen“. Es sei auch nicht so gewesen, dass er in ein Loch gefallen wäre. „Ich habe mich da in den folgenden Tagen (nach Löws Mitteilung) schnell wieder rausgezogen.“

          Direkt nach dem Aus im DFB-Team hatte Hummels nur ein Foto bei Instagram gepostet, auf dem er mit seinem kleinen Sohn Ludwig zu sehen ist. Ein Pfeil auf den Nachwuchs war mit dem Wort „Aufmunterer“ und einem Herzen versehen. Nach dem Aus in der Champions League mit dem FC Bayern gegen Liverpool hatte Hummels im Interview mit dem Pay-TV-Sender Sky erstmals über eine mögliche Rückkehr in die Nationalmannschaft sinniert – auch für Müller und Boateng.

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          „Ich würde es zumindest nicht ausschließen. So schlecht sind wir alle drei immer noch nicht“, sagte Hummels vor zwei Wochen. „Wir alle drei werden noch ein paar Jahre auf hohem Niveau spielen. Und dann schauen wir einfach mal, was da in der Angelegenheit noch passiert.“ Der Routinier skizzierte mehrere Szenarien. „Vielleicht gibt es mal Verletzungsprobleme. Vielleicht sind wir doch noch gut genug, wenn dann eine EM vor der Tür steht. Es ist alles möglich“, schilderte Hummels seine Sicht der Dinge nach dem Duell mit Jürgen Klopps Liverpool. Die Option eines Bundestrainer-Wechsels sprach der Profi seinerzeit aber nicht an. 

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