https://www.faz.net/-gtl-7n6o4

Bayern München : Langer Abschied vom FC Hoeneß

Die Fußballsprache verdankt Hoeneß eine Reihe bayrisch-barocker Kraftmetaphern. 2006 etwa die Ankündigung, dem bei der WM zum Star hochgejubelten Bastian Schweinsteiger „den Puder schon wieder aus dem Hintern zu pusten“. Oder 2009 seine Abgrenzung von einem Trainer, der sich als Irrtum erwiesen hatte: „Wenn Klinsmann Obama ist, bin ich Mutter Teresa.“ Doch im vergangenen Herbst wurde der einst wortmächtigste Mann im deutschen Sport plötzlich wieder schweigsam. Seit Anfang November 2013, seit das Gericht die Anklage gegen ihn zuließ, erlebte man Hoeneß in der Öffentlichkeit wortkarg. Wenn er sprach, wiederholte er meist Altbekanntes oder gab vorsichtig abgewogene Stellungnahmen von sich. So, wie er vierzig Jahre lang eben nicht war - wie ein Politiker. Einmal allerdings sprach er wie ein sehr volksnaher Politiker. Denn schon vor vier Monaten musste sich Hoeneß einem Gericht stellen. Er hat zwei Prozesse durchzustehen. Nicht nur den vor dem Gesetz - Ausgang ungewiss. Auch den vor dem Fußballvolk - für ihn ebenfalls sehr wichtig. Vor diesem Gericht, dem der Bayern-Fans, gewann er mit Pauken und Trompeten. Die Mitgliederversammlung des FC Bayern brachte dem Präsidenten nicht nur den erhofften Freispruch durch die Mitglieder. Sie brachte einen tränenreichen Treuebund mit dem Fußvolk des Fußballriesen. Anders als im Justizpalast war es ein Heimspiel für Hoeneß. Mit ihm als dem Herrn des Verfahrens.

Fährt der Bayern-Bus ohne ihn weiter? Sein langer Abgang ist vorbereitet

Niemand von der Basis stellte ihm jene heikle Frage, die einen Riss ins Bild vom großen Bayern-Patron hätte bringen können, der sich einst als der „unabhängigste Mensch im Fußball“ dargestellt hatte - „weil ich alles für den FC Bayern tue, aber nichts für mich“. Die ungestellte Frage ist die, warum ihm 2000 der frühere Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus jene 20 Millionen Mark, mit denen die große Steuerhinterziehung begann, davon 5 Millionen als Geschenk, einfach so zum Zocken zur Verfügung stellte - ihm, dem Bayern-Manager, ganz privat. Ein Jahr, bevor Adidas als Anteilseigner beim FC Bayern einstieg. Kein Vereinsmitglied stellte im November diese Frage im „Audi-Dome“, der Basketballhalle des FC Bayern. Und wohl auch im Münchner Justizpalast wird sie an den vier anberaumten Verhandlungstagen niemand stellen. Denn denkbare Interessenverwicklungen aus den Zeiten der Dreyfus-Zuwendungen, etwaige unscharfe Trennungen bei den Geldgeschäften des professionellen Bayern-Managers und des privaten Börsen-Zockers Hoeneß wären so oder so verjährt.

Der wahre Begründer des Bayern-Imperiums

Aber im Urteil der Fußballfans gibt es keine Verjährung. Deshalb ist es so wichtig für Hoeneß, dass es ihm gelungen ist, im Meinungsbild der Abermillionen Bayern-Fans nie in den Verdacht persönlicher finanzieller Vorteile zu Lasten des Vereins gekommen zu sein. Es sichert den Bestand seines Rufes als wahrer Begründer des Bayern-Imperiums, zumindest bei denen, die ihm am wichtigsten sind, den Bayern-Fans - auch über eine mögliche Verurteilung hinaus. Sie jedenfalls werden ihn nicht verurteilen.

Hoeneß hat den heutigen FC Bayern auf zwei Säulen gegründet: finanzielle Vernunft und familiäres Klima. Es ist von feiner Ironie, dass ausgerechnet seine private finanzielle Unvernunft der Demonstration des familiären Vereinsklimas zuletzt eine solch große Bühne bot. Der komplette Klub mit seinem alten Mitspieler Karl-Heinz Rummenigge an der Spitze stärkte Hoeneß bei jeder Gelegenheit den Rücken.

Weitere Themen

Hummels kehrt zu Borussia Dortmund zurück Video-Seite öffnen

Für 38 Millionen Euro? : Hummels kehrt zu Borussia Dortmund zurück

Mats Hummels steht vor einer Rückkehr zu Borussia Dortmund. Der FC Bayern und der BVB erzielten eine grundsätzliche Einigung über einen Wechsel des 30-jährigen Innenverteidigers zu seinem ehemaligen Verein. Über Modalitäten schweigen die beiden Vereine.

Topmeldungen

Amt des Kommissionspräsidenten : Wer folgt auf Juncker?

Das Gerangel um die Besetzung der EU-Spitzenposten geht an diesem Donnerstag in die entscheidende Runde. Am Ende müssen sich Berlin und Paris einigen. Doch Merkel und Macron verfolgen unterschiedliche Strategien.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.