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Bayern München in Teheran : Ein Fußballspiel wird zum Politikum

  • Aktualisiert am

Verteidigt die Partie im Iran: Manager Uli Hoeneß Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Mitten im eskalierenden Konflikt um das iranische Atomprogramm unternimmt Bayern München eine heikle Reise zu einem Testspiel nach Teheran. Kritik am Verein wurde nicht nur wegen des „sehr guten Honorars“ laut.

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          Mitten im eskalierenden Konflikt um das iranische Atomprogramm unternimmt der FC Bayern München eine heikle Reise nach Teheran. Der Fußball-Rekordmeister unterbricht für knapp zwölf Stunden sein Trainingslager in Dubai, um am Freitag (12.30 Uhr MEZ) vor vermutlich 100.000 Zuschauern im Asadi-Stadion ein Testspiel gegen Persepolis Teheran zu bestreiten, den ehemaligen Klub von Bayerns Mittelfeldspieler Ali Karimi.

          Allerdings war die Austragung der Partie am Donnerstag durch anhaltenden Schneefall in der iranischen Hauptstadt gefährdet. Spätestens der Atom-Konflikt hat das Bayern-Gastspiel unweigerlich zu einem Politikum gemacht. Wegen der antisemitischen Äußerungen des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad war bereits zuvor Kritik an der Partie laut geworden, für die der Bundesliga-Spitzenreiter laut Hoeneß ein „sehr gutes Honorar“ erhält.

          „Das eine oder andere Kopfschütteln wird es geben“

          Dem Vernehmen nach soll es sich um rund 250.000 Euro handeln. Auch Hoeneß rechnet mit einigen kritischen Stimmen. „Das eine oder andere Kopfschütteln wird es geben“, meinte der Manager am Donnerstag in Dubai. „Aber wir spielen für das iranische Volk, nicht für das Regime“, betonte der Manager. Die Bayern verweisen auf eine strenge Trennung von Politik und Sport. Diese wird jedoch von den Gastgebern keineswegs geteilt. „Die politischen Aspekte des Spiels sind für uns genauso wichtig wie die finanziellen“, sagte Mohammad-Hassan Ansarifard, der Vorstandschef von Persepolis dem iranischen Nachrichtensender Chabar.

          Wiedersehen mit dem alten Klub: Bayerns Iraner Ali Karimi

          Die Reise der Bayern zeige, „daß es keine politischen Bedenken gegen Iran gibt“. Hoeneß wendet sich entschieden gegen Vorwürfe, der führende deutsche Club lasse sich politisch instrumentalisieren. „Ich habe mich in meinem Leben noch nicht mißbrauchen lassen“, sagte er. Im Gegenteil: „Wir befördern die Kommunikation durch so eine Aktion eher, als daß wir sie behindern. Kommunikation ist wichtig, nicht Konfrontation.“ Mit Verhandlungen statt Sanktionen sei der Konflikt mit dem Iran politisch lösbar: „Nicht heute, aber über Jahre.“

          Honorar aus „Propaganda-Budget“ der Regierung

          Das Spiel findet auf Einladung von Persepolis statt. Organisiert wird es von Reza Fazeli, dem Berater der iranischen Bundesliga-Profis Karimi, Vahid Hashemian (Hannover 96) und Mehdi Mahdavikia (Hamburger SV). Von Fazeli, der in ähnlicher Funktion auch beim 2:0-Sieg der Nationalmannschaft gegen Iran im Oktober 2004 in Teheran tätig war, haben die Bayern nach eigenen Angaben auch ihre Gage erhalten. In Iran wird dagegen spekuliert, daß wegen der politischen Aspekte das Geld aus dem „Propaganda-Budget“ der Regierung bezahlt worden ist.

          Grund für die Vermutungen ist, daß Persepolis seit Monaten seine Spieler-Gehälter nicht bezahlt, nun aber so viel Geld ausgibt, damit „der Neunte der iranischen Liga gegen die drittbeste Mannschaft der Welt spielt“, wie die Zeitung „Chabar“ schrieb. Umstritten ist die Reise auch wegen der Verbindungen des gastgebenden Vereins zum iranischen Regime. Offenbar wird Persepolis von der Pahlewi-Stiftung finanziell unterstützt, die von der radikalen Jugend- und Massenorganisation Bassidsch geführt wird. Diese Gruppierung wird dem extremen Flügel im System zugerechnet und mobilisiert den fanatischen Teil der Anhänger von Präsident Ahmadinedschad.

          „Ich spiele lieber vor 100.000 Zuschauern“

          Karimi bezeichnete die Dienstreise in sein Heimatland als eine große Ehre. „Das ganze iranische Volk freut sich auf dieses Spiel“, sagte Irans derzeit größter Fußballstar. Seine Bayern-Teamkollegen hielten sich mit politischen Kommentaren zurück, äußerten dafür sportliche Vorfreude. Nationalspieler Sebastian Deisler erinnerte an die „tolle Atmosphäre“ beim Spiel mit der Nationalmannschaft. „Ich spiele lieber vor 100.000 Zuschauern ein Freundschaftsspiel als vor 2000“, meinte Nationaltorhüter Oliver Kahn.

          Und Philipp Lahm, der vor 15 Monaten beim Länderspiel ebenso wie Deisler dabei war, bemerkte trotz der aktuellen politischen Krise: „Mir ist nicht mulmig.“ Warm anziehen müssen sich die Bayern-Profis dennoch. Während sie in Dubai am Donnerstag bei fast 30 Grad trainierten, schneite es in Teheran. Abgesehen von der Kälte dürfte der Platz im Asadi-Stadion wegen einer fehlenden Rasenheizung in einem schlechten Zustand sein.

          Ein Airbus der iranischen Charterflug-Gesellschaft Mhahn-Air wird den Bayern-Troß am Freitagmorgen zu seinem zweiten Iran-Besuch nach 1972 nach Teheran bringen. Schon 90 Minuten nach Spielende soll der zweistündige Rückflug nach Dubai erfolgen. Nur 12 Stunden soll der Ausflug über den Persischen Golf insgesamt dauern, ein Rahmenprogramm ist nicht vorgesehen. „Wir sind ein Fußballverein, der den Leuten Spaß machen will. Das ist unsere Aufgabe, mehr nicht“, sagte Hoeneß.

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