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Bayern München gewinnt Supercup : Es geht einfach nicht ohne Drama

Nur ein Elfmeter ging nicht rein - Manuel Neuer hielt ihn Bild: AFP

Nun also doch gewonnen: Bayern muss gegen Chelsea zwar wieder ins Elfmeterschießen. Aber dieses Mal treffen alle Münchner. Dabei fehlten den Londoner nur vier Sekunden, um mit zehn Mann das Spiel zu gewinnen.

          3 Min.

          Es hat 15 Monate und dann noch einmal 120 Minuten plus Elfmeterschießen gedauert, aber am Ende ist sie doch gelungen, die Revanche für die schmerzlichste Niederlage des Jahrzehnts, das „Finale dahoam“ vom Mai 2012. Wieder erwies sich der FC Chelsea als höchst unangenehmer Gegner für den FC Bayern und hätte Trainer Pep Guardiola nach dem verlorenen deutschen Supercup gegen Borussia Dortmund beinahe auch die zweite Titelchance seiner noch jungen Debütsaison bei den Münchnern zunichte gemacht. Doch nach zweimaligem Rückstand drehte der Champions-League-Sieger in Prag das Spiel um den europäischen Supercup und gewann im siebten Anlauf als erstes deutsches Team diesen schon seit 1972 ausgetragenen Wettbewerb.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Fernando Torres hatte Chelsea in der dramatischen Partie nach acht Minuten in Führung gebracht, Franck Ribéry erzielte 24 Stunden nach seiner Auszeichnung zu „Europas Fußballer der Saison 2012/13“ den Ausgleich (47.). Nach der Verlängerung, in der Bayern trotz Überzahl nach einer Gelb-Roten Karte für Ramires (86.) durch Eden Hazard in Rückstand gerieten (94.), dann aber in der Nachspielzeit der 120. Minute noch zum 2:2 durch Javier Martinez ausgleichen konnten, entschied Torwart Manuel Neuer das Elfmeterschießen, als er gegen Lukaku parierte.

          Martinez traf vier Sekunden vor Schluss Bilderstrecke
          Martinez traf vier Sekunden vor Schluss :

          Es ist die einzige nationale oder internationale Klub-Trophäe, die bisher noch nie in der Vitrine an der Säbener Straße gestanden hat. Kapitän Philipp Lahm hatte tags zuvor verkündet, es sei „unsere Aufgabe, den jetzt endlich mal nach München zu holen“. Guardiola hatte diesen Titel dagegen schon gewonnen, sogar zweimal mit dem FC Barcelona. Doch wie ernst er die Aufgabe gegen Chelsea und gegen seinen alten Trainerrivalen José Mourinho nahm, hatte seine Aufstellung vom vorgezogenen Bundesligaspiel in Freiburg gezeigt, wo er sieben seiner Top-Akteure für den Supercup schonte und nur ein 1:1 erzielte. Dafür musste er allerdings am Freitag auf einen verzichten, der sich in Freiburg leicht verletzt hatte - Bastian Schweinsteiger, der an einer Knöchelstauchung laboriert. Toni Kroos rückte zurück in die Schweinsteiger-Rolle, und Außenverteidiger Philipp Lahm durfte sich in der ungewohnten Rolle im offensiven Mittelfeld versuchen.

          Nun bewährte sich, dass Guardiola in den Testspielen vor Saisonauftakt allerlei Positionsvarianten durchprobiert hatte, darunter auch Lahm in zentraler Rolle. Positionell blieb das auf Ballkontrolle angelegte Spiel der Bayern sicher, man verlagerte den Großteil der Partie von Beginn an in die gegnerische Hälfte, tat sich aber zunächst schwer, gegen die gut stehende Chelsea-Abwehr zu klaren Chancen zu kommen. Anders die Engländer, deren Angriffe seltener, aber schneller und deshalb gefährlicher waren. Nach acht Minuten stach Eden Hazard leichtfüßig durchs Münchner Mittelfeld, spielte André Schürrle rechts frei, und dessen halbhohe Hereingabe hämmerte Torres aus zehn Metern ins Netz.

          Ein wenig uninspiriert und hinten anfällig

          Mourinho sei „ein Meister des Konterspiels“, hatte Guardiola am Tag zuvor noch anerkannt - und sah sich früh bestätigt. Die Bayern mühten sich gegen die tief und dennoch stabil stehende Abwehr von Chelsea um den Ausgleich, zunächst noch ohne Effekt. Franck Ribéry versuchte sich gleich dreimal aus halbrechter Position, nur einmal traf er den Ball präzise, doch nicht hart genug für Torwart Petr Cech, der den Ball um den Pfosten lenkte (22.). Dann beinahe, wieder nach einem Konter, das 0:2, als Schürrle abermals Torres bediente, der Spanier diesmal aber über die Latte schoss (31.). Die beste Bayern-Chance vor der Pause leitete Arjen Robben mit einem schönen Durchspiel auf Thomas Müller ein, dessen Drehschuss von Verteidiger Gary Cahill ans Außennetz gelenkt wurde (38.). Die Bayern wirkten vorn noch ein wenig uninspiriert und hinten anfällig, was den Abwehrleuten nach einem weiteren gefährlichen Konter einen Rüffel von Torwart Manuel Neuer einbrachte.

          Doch die Bayern kehrten mit Feuer aus der Pause zurück, erst recht, nachdem Ribéry bei seinem vierten Schussversuch diesmal nicht die lange, sondern die kurze Ecke wählte und Cech damit zum 1:1 überraschte. Zwei Minuten später versuchte er es auch noch mit einem spektakulären Volley, den er jedoch nicht richtig traf. Auf der Gegenseite schenkte Dante mit einem haarsträubenden Fehlpass am eigenen Strafraum Chelsea beinahe das zweite Tor, doch Neuer parierte gegen den frei vor ihm auftauchenden Oscar (64.). Eine Viertelstunde später wäre der Bayern-Torwart machtlos gewesen, doch der Kopfball von Branislav Ivanovic nach einer Ecke knallte an die Latte. Ein abgefälschter Schuss von Kroos flog knapp über das Tor (82.), Neuer parierte stark einen Kopfball von David Luiz (85.), und trotz der bayrischen Überzahl nach der Hinausstellung von Ramires waren es die Engländer, die durch eine herrliche Einzelleistung von Hazard, der Lahm und Boateng wie Anfänger stehen ließ, in Führung gingen.

          Nach einer dramatischen Schlussphase, in der Cech dreimal glänzend parierte, wurden die Bayern in letzter Sekunde durch den Ausgleich belohnt. Und diesmal auch durch das Elfmeterschießen. Die ersten vier Schützen beider Mannschaften ließen den Torhütern keine Chance. Der Versuch von Shaqiri rutschte Cech durch die Hände, Neuer hielt danach gegen Liukaku. Bayern gegen Chelsea, es geht einfach nicht ohne Drama.

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