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Bayern München gegen Manchester City : „Mia san mia“ auf englische Art

Defensiv in München? Roberto Mancini dirigiert im Training auch Edin Dzeko (r.) Bild: REUTERS

Der erste richtige Härtetest für die Bayern steht an: Manchester City kommt nach München. Der Gegner aus England greift dank der Geldströme aus Abu Dhabi die europäische Rangordnung an.

          Beim FC Bayern muss man sich meist nicht viele Gedanken darüber machen, ob beim nächsten Gegner ein Spieler ausfällt oder nicht. Doch vor der Champions-League-Partie gegen Manchester City an diesem Dienstag (20.45 Uhr/ live im FAZ.NET-Champions-League-Liveticker) gibt es eine Personalie, die bei manchem Bayern-Profi stille Erleichterung ausgelöst haben könnte. Nigel de Jong, der frühere Hamburger, der sich im vergangenen Jahr den Ruf als schmerzhaftester Spieler Europas erarbeitet hat, fällt aus - wegen einer Fußprellung. Eher ungewöhnlich, dass de Jong die Verletzung hat und nicht sein Gegenspieler. Im vergangenen Jahr brach er dem Amerikaner Stuart Holden und dem Franzosen Hatem Ben Arfa jeweils das Bein. Dazwischen schaffte der Niederländer im WM-Finale 2010 mit seinem Kung-Fu-Tritt in den Brustkorb des Spaniers Xabi Alonso eine zweifelhafte Bestleistung: das brutalste Foul des Jahres, das nicht mit Rot geahndet wurde.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Die Bayern werden de Jong nicht vermissen, die Engländer aber wohl auch nicht. Dank eines beispiellosen Zustroms an Transfermillionen aus dem Ölstaat Abu Dhabi, dessen Herrscherfamilie den Klub 2008 übernahm, ist ein Kader von enormer Stärke entstanden. Und mehr als das: nun auch eine richtige Mannschaft. Einen Kader kann man kaufen, eine Mannschaft muss man formen. Und das ist Trainer Roberto Mancini in der vergangenen Saison gelungen, was wegen der großen personellen Fluktuation nicht leicht war. Der Italiener ließ sein Team zunächst eher vorsichtig und defensiv agieren, dann jedoch immer mutiger. In diesem Jahr wurde vorwiegend in Stürmer investiert, im Januar 35 Millionen Euro in den früheren Wolfsburger Edin Dzeko, im Juli 45 Millionen in den Maradona-Schwiegersohn Sergio Aguero. Gemeinsam kommen der Bosnier und der Argentinier in den bisher sechs Partien der Premier League auf die beeindruckende Bilanz von 14 Toren.

          Falls sich Mancini angesichts der aktuellen Bayern-Stärke auf eine eher vorsichtige Auswärtstaktik verlegt, mit einem verstärkten Mittelfeld, dann dürfte Dzeko nur einen Platz auf der Bank bekommen und der agilere Aguero als einzige Spitze auflaufen. David Silva plädiert allerdings darauf, „die Bayern so zu attackieren, als würden wir zu Hause spielen. Wir müssen unseren Stil für keinen Gegner ändern.“

          Leichtfüßiger Spielmacher: Der Spanier David Silva (l., im Duell mit Evertons Rodwell) lenkt das Geschehen bei City

          Mit dem spanischen Weltmeister, für 29 Millionen Euro aus Valencia geholt, und zuletzt auch mit der Ergänzung durch den ähnlich teuren Franzosen Samir Nasri haben die „Citizens“ jene Art leichtfüßigen Spielmacher gefunden, der ihrem zuvor eher physischen, wuchtigen Spiel gefehlt hatte. Silva auszuschalten ist für City-Gegner mittlerweile so wichtig geworden, dass der FC Everton bei seiner 0:2-Niederlage am Samstag mit Jack Rodwell einen Manndecker ganz alter Schule aufbot. Wie Berti Vogts es im WM-Finale 1974 mit Johan Cruyff machte, so folgte Rodwell Silva auf Schritt und Tritt - sogar als der Spanier sich an der Außenlinie behandeln ließ.

          Man will nach ganz oben

          Derartig archaische taktische Mittel sind für einen FC Bayern kein Thema. So wird es eher darauf ankommen, welches von zwei Teams mit ähnlicher Anlage, mit Drang zur Dominanz und Zug zum Tor, seine Spielweise durchsetzen kann. Zum ersten Mal in dieser Saison treffen die Bayern auf einen Gegner, der auch seine Art von „Mia san mia“ hat - eine Ansammlung von Siegertypen wie dem im defensiven Mittelfeld überragenden Yaya Touré, 2009 Champions-League-Sieger mit Barcelona. „Fast alle haben wir schon Champions League gespielt“, sagt Mittelfeldkollege James Milner. „Die neue Erfahrung ist nur, es zusammen zu tun.“

          Für City war das 1:1 gegen den SSC Neapel vor zwei Wochen das Klub-Debüt in der europäischen Königsklasse. Das Resultat war bescheiden, der Anspruch ist unbescheiden: Man will nach ganz oben. Spätestens seit dem starken Endspurt der vergangenen Saison, der Pokalsieg und Platz drei der Premier League brachte, strotzen die „Blues“ vor Stärke. Nun scheinen sie, an der Spitze punktgleich mit dem Lokalrivalen United, erstmals auch so weit, um den Meistertitel mitzuspielen, den seit 1995 drei Klubs unter sich ausmachten: erst Manchester United und Arsenal, dann auch Chelsea dank der Milliarden von Roman Abramowitsch. City steht für den nächsten und noch finanzstärkeren Angriff auf die bestehende Rangordnung im englischen und im europäischen Fußball. Da ist der Auftritt in München wohl mehr als ein normales Auswärtsspiel. Er zeigt eine neue Ausprägung des ewigen Duells der Fußballmächte: der Angriff des neuen Geldes auf die Macht des alten.

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