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6:0 in Paderborn : Bayern München duldet im Pokal keine eigenen Gesetze

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Applaus: Arjen Robben und der FC Bayern stehen im Viertelfinale des DFB-Pokals Bild: AFP

Paderborn fehlt die Steinschleuder: Das Spiel zwischen David und Goliath in Paderborn nimmt nicht den Lauf wie in der Bibel. Bayern München ist der erste Halbfinalteilnehmer im DFB-Pokal.

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          Respekt! Jupp Heynckes, der Grandseigneur unter den Bundesliga-Trainern, war voller Hochachtung, als er vor dem Pokalviertelfinalspiel des FC Bayern München beim SC Paderborn über den Tabellenersten der Dritten Liga sprach: „Sie spielen Angriffsfußball und haben St. Pauli, Bochum und Ingolstadt ausgeschaltet. Das ist ein Gegner, den wir sehr ernst nehmen, das wird ein richtiger Pokalfight.“ Darauf ließen auch die Äußerungen von Steffen Baumgart, dem furchtlosen Fußballlehrer der Ostwestfalen schließen. „Wir wollen ins Halbfinale, das ist unser erklärtes Ziel“, hob der 46 Jahre alte Mecklenburger vor dem Duell Klein gegen Groß am Dienstagabend hervor.

          Doch wie die Paderborner dieses Ziel erreichen wollten gegen den in neunzehn von zwanzig Pflichtspielen unter Heynckes siegreichen Meister und Tabellenführer der Bundesliga, erschien trotz Baumgarts mutiger Kampfansagen rätselhaft. Und blieb es auch, da dieser ungleiche „Pokalfight“ schon nach der ersten Halbzeit entschieden war, als der Favorit durch die Treffer von Coman (19. Minute), Lewandowski (25.) und Kimmich (42.) 3:0 führte und dabei nicht einmal gezwungen war, alles abzurufen, was in dieser deutschen Über-Mannschaft steckt. Danach erhöhten Tolisso (53.) und Robben (86./88.) auf 6:0.

          Am Ende hatten die Bayern ihre Pflicht in der mit 15.000 Zuschauern ausverkauften Arena zur Zufriedenheit von Heynckes erfüllt und auf den Klassenunterschied zwischen dem mit 18 Punkten Vorsprung die erste Liga anführenden Bundesliga-Primus und dem Drittliga-Spitzenteam hingewiesen.

          „Wir haben ein sehr gutes Ergebnis erzielt und wunderschöne Tore“, sagte der Bayern-Trainer Jupp Heynckes. „Vor allem haben wir die Bodenverhältnisse angenommen und auch auf dem schweren Geläuf gut kombiniert.“

          DFB-Pokal
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          Nur in den ersten fünfzehn Minuten vor und nach der Pause konnte der SCP zeigen, welche Power in diesem früheren Bundesligaklub steckt, der nach seinem Abstieg erster Klasse 2015 ein Jahr später auch der Zweiten Bundesliga adieu sagen musste und im vergangenen Sommer um ein Haar in der Regionalliga gelandet wäre, hätte er nicht vom Lizenzentzug des TSV München 1860 profitiert. Die unter Baumgart zurückgewonnene Stärke der Paderborner zeigte sich am Dienstag immer dann, wenn der SCP mutig und unbeschwert attackierte. Schonlau erzielte sogar ein Tor, das aber wegen einer sehr knappen Abseitsposition des Schützen nicht anerkannt wurde (8.). Zolinski hatte zudem Pech bei einem Pfostenschuss (56.).

          Mit Comans Führungstreffer, von Robben und Müller präzise eingeleitet, wurde die Partie früh einseitig. Die Münchner Präzisionskünstler spielten bei ihren gelegentlichen Tempoangriffen ihre individuelle und kollektive Klasse aus und wurden bei ihren weiteren Toren auch kaum noch bedrängt. Lewandowski, in Szene gesetzt vom exzellenten Coman, hatte beim 2:0 ebenso freie Schussbahn wie Kimmich bei seinem Tor zum 3:0 und Tolisso bei seinem Kopfballtreffer zum 4:0.

          Erwarteter Jubel: Die Bayern stehen im Halbfinale Bilderstrecke

          Die Ostwestfalen, die am Freitag vor eigenem Publikum gegen den Drittligaletzten Rot-Weiß Erfurt gefordert sind, ihre Favoritenrolle aufs Neue auszuspielen, ließen sich am Dienstag zumindest nie hängen und kämpften wacker gegen das Unvermeidliche an. „Das war unser Abenteuer DFB-Pokal“, sagte Paderborns Christian Strohdiek. „Wir haben immer  erwähnt, dass die Liga für uns Priorität hat. Da geht es am Freitag weiter.“

          Die Bayern dagegen verlängerten ihre Siegesserie auf zwanzig volle Erfolge en suite. Als nächstes darf der FC Schalke 04 in der Bundesliga am Samstag in München versuchen, dieser Endlosserie ein Ende zu bereiten. Daran zu glauben, fällt indes schwer.

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