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Bayern München : Das Projekt Weltmarke

Jeder Schritt wird medial begleitet: Sportdirektor Matthias Sammer im Gespräch mit dem vereinseigenen Videoportal Bild: dpa

Wie wichtig ist die Klub-WM? Für den FC Bayern bietet das Finale gegen Casablanca an diesem Samstag (20.30 Uhr) mehr als nur eine Titelchance: Die Münchner wollen Nummer eins unter den Global Playern werden.

          An diesem Thema führt einfach kein Weg vorbei. Bilder von jubelnden Menschen in Grün und Weiß sind am Freitag auf den Titelseiten aller großen marokkanischen Zeitungen zu sehen. Und es ist schwer zu sagen, welche von ihnen die größere Freude ausdrücken: die von den Spielern von Raja Casablanca, die im Stadion von Marrakesch den Einzug ins Finale der Klub-Weltmeisterschaft bejubeln, oder die von den feiernden Massen in den Straßen der Städte. Das alles hatte sich am Mittwochabend abgespielt, nachdem Raja, der beliebteste Fußballklub des Landes, überraschend Atlético Mineiro aus Brasilien besiegt hatte. Am Freitag nun melden die Blätter, dass die Begeisterung auf das allerhöchste, auf royales Niveau gestiegen ist. Der marokkanische König persönlich, Mohammed VI., hat zum Hörer gegriffen, um dem Team von Raja zu gratulieren.

          Was dessen Trainer, Faouzi Benzarti, glücklich, aber auch ein bisschen sprachlos zurückließ. Das sei die größte Ehre in seiner gesamten Laufbahn, sagte Benzarti, er könne seine Freude gar nicht recht in Worte fassen. „Gott schütze den König.“ Aus dieser Perspektive wirkt es doch recht profan, mit welcher Mischung aus Pflichtschuldigkeit und auch ein wenig Spott dieser Wettbewerb in Deutschland betrachtet wird. Natürlich bemühen sich die Profis des FC Bayern zu versichern, wie viel ihnen der fünfte Titel dieses Jahres bedeuten würde, den sie an diesem Samstag (20.30 Uhr/ ARD) im Stadion von Marrakesch erringen können. „Dann sind wir die Mannschaft des Jahres auf der Welt“, sagte Torhüter Manuel Neuer zum Beispiel. Aber bei aller Rhetorik wird man das Gefühl nicht los, dass es aus sportlicher Sicht eher darum geht, die Sammlung dieses Fußballjahres auf Rekordniveau auszubauen, als um den Titel des Klub-Weltmeisters als solchen. Und was die öffentliche Wahrnehmung betrifft, scheint manchen der Einsatz des Markierungssprays, mit dessen Hilfe die Schiedsrichter für korrekten Abstand bei Freistößen sorgen, mehr zu bewegen als die Frage, wer die Trophäe mit nach Hause nimmt. Der Weltpokal ist und bleibt in Europa ein Stiefkind. Worüber Joseph Blatter, der Präsident des Internationalen Fußballverbands (Fifa), sich in Marokko ein wenig enttäuscht zeigte. „Das Interesse in Europa könnte etwas größer sein“, sagte er in seiner Turnierbilanz.

          Jubelnde Casablanca-Fans: Dieses Bild beherrscht die marokkanischen Titelseiten

          Dass aus Sicht des FC Bayern dennoch einige Phantasie in diesem Turnier steckt, hat andererseits genau mit dieser Diskrepanz zu tun. Auf den anderen großen Märkten der Fußballwelt nämlich ist die Klub-WM ein Event, das die Massen bewegt – auch jenseits von Afrika, das sich am zweiten Final-Einzug eines Teams vom Kontinent berauscht. Aus Südamerika etwa brachte Atlético Mineiro gleich einige tausend Fans mit nach Marokko, die dann kaum glauben konnten, was sie sahen. Besonderen Stellenwert genießt der Wettbewerb aber auch in Fernost, auf dem riesigen asiatischen Markt. Und wird damit zu einer höchst interessanten Plattform für die Bayern. „Ich glaube, wir müssen alle ein bisschen umdenken“, sagte Präsident Uli Hoeneß dieser Tage. „Die Welt ist global geworden. Deshalb ist auch so ein Titel ganz wichtig, weil du die Popularität deines Vereins in die ganze Welt hinaustragen kannst.“

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