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Bayern München : Am finalen Nullpunkt

Viel Redebedarf: Bayern-Trainer Heynckes (im Foto links) und Robben Bild: dpa

Stumme Vorwürfe, unweigerliche Verwerfungen - der FC Bayern München trägt nach dem Albtraum-Endspiel einen schweren Ballast: Unverkennbare interne Probleme, die der deutsche Rekordmeister mit in den Sommer nimmt.

          Es war ein tristes Gemälde, das sich abzeichnete auf der grellgrünen Leinwand der Münchner Arena; kurz vor Mitternacht an einem Abend, den man im deutschen Fußball nicht vergessen wird. Flutlicht und Fernsehkameras erlaubten kein Entkommen, sie zeigten ein Standbild der Auflösung einer Mannschaft in einzelne, erstarrte Gestalten. 120 Minuten lang war der FC Bayern ein gefühlter Gewinner - und deshalb danach ein so erschütterter Verlierer wie 13 Jahre zuvor in Barcelona. Und wieder gegen ein englisches Team: damals in der Nachspielzeit gegen Manchester United, diesmal im Elfmeterschießen gegen Chelsea.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Der erfolgreichste Fußballklub Deutschlands hat binnen nur sieben Tagen die beiden schmerzhaften Extreme darin erlebt, wie man sich im Fußball als Verlierer fühlt. Beim Pokal-Debakel gegen Dortmund war es ein Gefühl der Unterlegenheit, das sich mit selektiver Wahrnehmung wenigstens schön reden ließ. Beim Champions-League-Drama gegen Chelsea war es viel schlimmer, das Gefühl der Überlegenheit, des verschenkten Sieges - eines, gegen das keine Worte mehr halfen.

          Alleine in der Niederlage

          Und jeder war, wie immer in solchen Momenten, in der Niederlage allein. So wie es Arjen Robben schon in dem Moment war, in dem er den Sieg wegwarf. Die Stille vor dem Schuss, sie war eine fast gespenstische, ja ängstliche Stille: vor jenem Elfmeter, den Robben in der Verlängerung vergab. Sie wich der Leere nach der Niederlage. Einsam, wie ein vergessenes Möbelstück bei einer Haushaltsauflösung, stand Robben auf dem Rasen.

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          Am finalen Nullpunkt einer abermals titellosen Saison zeigten die Bayern-Akteure alle verschiedenen Facetten der Niedergeschlagenheit, die eine Niederlage auslösen kann. „Was soll in mir vorgehen? Da is’ nix“, sagte Thomas Müller, der es noch am lockersten nahm. Er hatte wie der große Gewinner ausgesehen, als er nach seinem 1:0 in der 83. Minute ausgewechselt wurde. Auf der Bank sah er, wie die Kollegen den verdienten Vorsprung verspielten. Aber auch in der bittersten Niederlage verlor er den Humor nicht völlig. Wie die Gemütslage sei? „Eher medium.“ Es hätte der Tag des Torschützen werden können und wurde es nicht.

          Wider Willen zum Elfmeterpunkt

          Oder der des Torwarts, der von Manuel Neuer, der im finalen Showdown einen Elfmeter hielt und einen verwandelte und doch am Ende nur „totale Leere“ in sich fand und ein „ganz komisches, sehr bitteres Gefühl“. Oder der Tag der Ersatzspieler. Der von Anatoli Timoschtschuk und Diego Contento, die als Notlösungen in der Abwehr ihre Sache gut machten. Oder von Ivica Olic, der in seinem Abschiedsspiel für die Bayern spät eingewechselt wurde und in der Verlängerung die Siegchance vergab. Am Ende musste er wider Willen zum Elfmeterpunkt - und verschoss.

          Und auf die schlimmste, die schuldlose Art musste sich Franck Ribéry als Verlierer fühlen. Der beste Bayern-Spieler der Saison holte in der Verlängerung den Elfmeter heraus. Verletzt hinaushumpelnd, musste er zusehen, wie Robben, nicht sein Lieblingskollege, kläglich vergab.

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