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Fußball-Kommentar : Das Phantom der Superliga ist nützlich

  • -Aktualisiert am

Wie lange spielen die Bayern noch in der Bundesliga und in der Champions League? Bild: Reuters

Die Idee einer Superliga im Fußball ist nicht neu und logisch. Die Abspaltung der Topklubs würde die Bundesliga hart treffen. Sie muss das Schreckgespenst nun nutzen, um sich zu ändern.

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          Es ist nachvollziehbar, weshalb kommerziell betriebene Fußballklubs versuchen, jede Möglichkeit zur Expansion zu nutzen. Ihre Bedeutung auf dem Sportmarkt, ihr Wert und die geschäftliche Zukunft im Wettbewerb mit den Konkurrenten stehen in direktem Zusammenhang mit ihrem Wachstum. Die stärksten, am erfolgreichsten geführten und umsatzkräftigsten Vereine Europas sind dabei ihren nationalen Ligen meist entwachsen.

          Bundesliga

          Das gilt für Real Madrid und den FC Barcelona in Spanien, Juventus Turin in Italien, Paris Saint-Germain in Frankreich und den FC Bayern München in der Bundesliga. Mit einigen Klubs aus der potenten englischen Premier League haben sie inzwischen den Nimbus von Weltmarken, die ihr Geschäft rund um den Globus vorantreiben. Nur logisch wäre deshalb als nächster Schritt, dass die Besten der Besten zusammengehen, den Verband als mitverdienenden Zwischenhändler ausschalten und nach dem Vorbild der nordamerikanischen Profiligen im Football oder Basketball selbst die Hand auf ihrem Produkt haben wollen. So geht Business.

          Seit Jahren suchen Klubbosse und Vermarkter hinter den Kulissen nach einem Weg zur eigenständigen Superliga. Immer wieder gibt es Vorstöße – so auch jetzt offenbar. In Spanien und Italien drängt die Abspaltung mehr, weil die hochgezüchteten Topklubs sich vor allem auf dem Auslandsmarkt von der wirtschaftlich erfolgreichen Premier League gebremst fühlen. Der FC Bayern liegt strategisch zwischendrin, will zwar die Entwicklung nicht verpassen, aber steht vorerst hinter dem bestehenden System. Der europäische Fußballverband (Uefa) befindet sich gegen die weltweit agierenden Großklubs in der Defensive und musste zuletzt für die Reform der Champions League auf Macht verzichten. Ohne die Stimmen der Vereine geht nichts mehr.

          Es stellt sich die Frage, weshalb nicht das Veranstaltungsmonopol von Verbänden wie der Uefa oder des Weltfußball-Verbandes Fifa ganz aufgebrochen werden sollte. Mit welchem Recht behindern diese Sportkartelle den Wettbewerb? Die Fifa steht für Mauscheleien, Vetternwirtschaft und Korruption. Es kann nicht gut sein, solche Systeme zu schützen. Sicher gibt es unter dem Dach des Verbandes den Aspekt der Solidarität. So schüttet die Champions League einen Teil ihrer Einnahmen an die Klubs der kleineren Europa League aus. Das Argument ist, dass eine Superliga-Abspaltung die nationalen Ligen und den kleineren Fußball zum Teil hart treffen würde, was auch stimmen könnte. Die besten Ideen und die findigsten Fußballmanager werden durch großflächige Finanzausgleiche aber bestimmt nicht gefördert.

          Für Fußball-Deutschland gilt: Will die Bundesliga dem aus ihrer Sicht gefährlichen Trend etwas entgegensetzen, müssten die Vereine in der Vermarktung attraktiver werden, offen sein für mehr Wettbewerb. Der überwiegende Teil des Publikums erwartet doch nichts anderes als Spitzenleistungen und gute Unterhaltung. Dafür sollten die Klubs ihr wirtschaftliches Wachstum forcieren. Biedere Rückwärtsgewandtheit, das Tolerieren von dumpfen Fanexzessen und eine Abschottungsstrategie gegen Investoren werde zwangsläufig zum Abstieg führen. Das Phantom der Superliga ist deshalb auch ein nützliches Schreckgespenst. Es bringt die Branche auf Trab.


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