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Bayern gewinnt 5:0 : Weißbier ist besser als Pilsener

Klare Kräfteverhältnisse: Franck Ribery hat hundert Prozent Ballbesitz Bild: dpa

Bayern München gewinnt erwartet souverän gegen Viktoria Pilsen. Der wiedergenesene Franck Ribery glänzt mit Spielfreude. Die Achtelfinal-Qualifikation ist für den Titelverteidiger schon fast sicher.

          2 Min.

          Es war eine Pflichtaufgabe, aber eine, die der FC Bayern zu einer ansehnlichen Kür gemacht hat. Der tschechische Meister Viktoria Pilsen konnte nach eineinhalb Stunden Münchner Champagner-Fußballs am Dienstag heilfroh sein, dass ihm nicht noch kräftiger eingeschenkt worden war. Das Ergebnis von 5:0 drückte nicht annähernd die totale Überlegenheit der Bayern aus, die in zwei Wochen mit einem weiteren Sieg in Pilsen bereits am vierten von sechs Vorrundenspieltagen das Erreichen des Achtelfinals der Champions League besiegeln könnten. Die Tore erzielten Franck Ribéry per Elfmeter nach Foul an Arjen Robben (25. Minute), David Alaba (37.), abermals Ribéry (61.), Bastian Schweinsteiger (64.) und schließlich Mario Götze (90.).

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Pep Guardiola hat damit Wort gehalten, er wollte endlich auch den Heimfans einmal eine solche Gala bieten, wie sie die Münchner etwa bei den Auswärtsspielen in Schalke, Leverkusen oder Manchester zelebriert hatten. In den Heimspielen der Bundesliga dagegen hatten sich zumindest die ersten Halbzeiten zuletzt zu zähen Angelegenheiten entwickelt. Weder gegen Nürnberg, Hannover, Wolfsburg und Mainz war den Bayern vor der Pause ein Tor gelungen.

          Gegen die völlig harmlosen, fast verängstigt wirkenden Pilsener war es dagegen schon in der ersten Halbzeit nur eine Frage der Zeit, wann sie erstmals von der Extraklasse der Bayern überfordert sein würden. Der Titelverteidiger kam bis zur Pause auf 78 Prozent Ballbesitz und, der höchste Wert in einer ersten Halbzeit in der Champions League seit 1999, auf 21 Torschüsse.

          Dem Patienten war nicht zu helfen

          Die Pilsener kamen von Beginn an fast gar nicht aus ihrer eigenen Hälfte heraus. Torwart Matusz Kozarcik schickte schon in den ersten Minuten mit zwei Unsicherheiten eine Einladung zum Toreschießen, die zunächst noch ausgeschlagen wurde. Der von zehn weiß gekleideten Tschechen und Slowaken bevölkerte Strafraum vor ihm musste aus seiner Sicht wie eine Sammelstelle für einen Sanitäterkongress aussehen, doch dem Patienten war nicht zu helfen. Nach 24 Minuten spielte Robben zwei Verteidiger aus und wurde vom dritten, dem früheren Hertha-BSC-Profi Roman Hubnik, gefoult.

          Zaubertor: Franck Ribery trennt sich doch mal vom Ball
          Zaubertor: Franck Ribery trennt sich doch mal vom Ball : Bild: AP

          Obwohl Ribéry ihm den Ball zur Ausführung des fälligen Elfmeters überreichen wollte und Trainer Guardiola von außen „Arjen, Arjen“ hinein rief, verzichtete Robben, ein wenig beleidigte Diva, auf die Ausführung - weil auf Intervention Guardiolas nicht er, sondern Thomas Müller am Samstag gegen Mainz 05 den Elfmeter zum 4:1 hatte schießen dürfen. Weil Müller am Mittwoch zum ersten Mal seit über einem Jahr zu Beginn eines Champions-League-Spiels auf der Bank saß, hätte Robben schießen können, doch er wollte nicht. So übernahm der nach leichter Fußgelenksverletzung ins Team zurückgekehrte Ribéry - und hatte etwas Glück, dass sein Elfmeter unter der Hand von Kozasik durchflog.

          Lust am Positions- und Rollenwechsel

          In den folgenden Minuten aber brachte der Pilsener Torwart immer wieder eine Hand an den Ball, erst gegen Mario Mandzukic aus kurzer Entfernung, dann bei einem wuchtigen Kopfball Daniel van Buytens und einem Weitschuss von Bastian Schweinsteiger. Erst der 17. Torschuss der Bayern brachte dann das erste Tor aus dem Spiel heraus. Von Schweinsteigers Fuß per Chip auf Mandzukics Kopf, von dort weiter auf Alabas Brust, Knie und Fuß, so lautete der Fahrplan des hübsch kombinierten 2:0.

          Auch Alaba darf mal: Der Linksverteidiger hat das 2:0 erzielt
          Auch Alaba darf mal: Der Linksverteidiger hat das 2:0 erzielt : Bild: dpa

          Guardiola hatte in seiner mittlerweile bekannten Lust am Positions- und Rollenwechsel in der Startaufstellung den Ersatz-Außenverteidiger Diego Contento als Innenverteidiger aufgeboten, weil er neben Daniel van Buyten unbedingt einen Linksfuß im Abwehrzentrum haben wollte. Doch war es letztlich völlig egal, wer den verletzten Dante und den gesperrten Jerome Boateng vertrat. Abwehrarbeit gab es lediglich im anderen Strafraum - und davon viel zu viel für die Pilsener.

          Ribéry schlug einen Haken um den 38-jährigen, deutlich übergewichtigen Pavel Horvath und lupfte den Ball über Kozasik ins Tor. Schweinsteiger nahm ein Zuspiel des kurz zuvor eingewechselten Mario Götze auf, der allerdings unbemerkt abseits gestanden hatte, und verwertete es mit Annahme und Drehung per Linksschuss in der Manier eines Torjägers zum 4:0 – ehe Götze noch das 5:0 gelang. Vielleicht setzt ihn Guardiola ja demnächst einmal als Mittelstürmer ein? Die Bayern können sich derzeit fast jeden Positionswechsel leisten.

          Bayern München - Viktoria Pilsen 5:0 (2:0)

          Bayern München: Neuer - Rafinha, van Buyten, Contento, Alaba - Lahm (63. Götze) - Robben, Kroos, Schweinsteiger, Ribéry (67. Müller) - Mandzukic (71. Pizarro)
          Viktoria Pilsen: Kozacik - Reznik, Cisovsky, Hubnik, Limbersky (75. Kovarik) - Prochazka, Horvath (63. Duris) - Rajtoral, Horava, Petrzela (86. Tecl) - Kolar
          Schiedsrichter: Kelly (Irland)
          Zuschauer: 68 000 (ausverkauft)
          Tore: 1:0 Ribéry (25./Foulelfmeter), 2:0 Alaba (37.), 3:0 Ribéry
          (61.), 4:0 Schweinsteiger (64.), 5:0 Götze (90.+1)
          Gelbe Karten: - / Hubnik, Kozacik, Limbersky

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