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Leverkusen-Star Kai Havertz : Das Beste von Ballack und Özil

  • -Aktualisiert am

Soll Leverkusen international voranbringen: Kai Havertz, hier 2019 Bild: dpa

Vor dem Duell mit dem italienischen Spitzenklub Inter Mailand in der Europa League spielt Leverkusens Geschäftsführer Rudi Völler mit Superlativen für den 100-Millionen-Mann Kai Havertz. Was steckt dahinter?

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          Schrille Töne und forsche Botschaften gehören wahrlich nicht zum Wesenskern des Fußballvereins Bayer Leverkusen, wo traditionell in aller Ruhe sehr konstant auf hohem Niveau gearbeitet wird. Insofern erstaunt es, dass die Verantwortlichen des Werksklubs in diesen Tagen immer neue Superlative formulieren, wenn es um Kai Havertz geht. „Für mich ist er der beste meiner Zeit in Leverkusen“, sagte Sportgeschäftsführer Rudi Völler vor dem Viertelfinale in der Europa League gegen Inter Mailand an diesem Montag in Düsseldorf (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Europa League sowie bei DAZN und RTL) der „Gazzetta dello Sport“ über den Nationalspieler und zog die ganz großen Vergleiche: „Wir hatten Emerson, Michael Ballack, Zé Roberto und Toni Kroos, aber er ist an der Spitze. Er ist ein Mix zwischen Ballack und Mesut Özil, und er hat ihre besten Seiten.“

          Europa League

          Wenige Tage zuvor hatte die Kommunikationsabteilung des Klubs eine unterhaltsame Dokumentation über die mittlerweile zehn Havertz-Jahre bei Bayer 04 veröffentlicht, auch hier reiht sich ein Superlativ an den nächsten: jüngster A-Nationalspieler von Bayer 04, jüngster Kapitän, erster Spieler, der als 19-Jähriger 17 Bundesligatore schoss, jüngster Spieler mit 100 Bundesligaeinsätzen und so weiter und so fort.

          Kritiker könnten nun fragen, ob derartige Schwärmereien noch gut sind für so einen 21 Jahre alten Kerl, der sowieso immer im Mittelpunkt steht, wenn Bayer Fußball spielt. Aber für die Leverkusener geht es in diesem August nicht nur um den Titel der Europa League, das Management des Klubs arbeitet am größten Geschäft der Vereinsgeschichte. Havertz möchte den Verein wechseln. Er will zu einem der Giganten des Weltfußballs, der FC Chelsea soll größtes Interesse und auch die nötigen Mittel haben. Real Madrid gilt als weitere Option.

          Völlers Überschwang und die mit Anekdoten und schönen Bildern aus der Zeit in der Klubakademie angereicherte Doku müssen daher als Werbemaßnahmen verstanden werden. Schließlich hätten sie gerne mindestens 100 Millionen Euro für ihr kostbares Eigengewächs. Der Poker läuft. Frank Lampard, der Trainer und Manager des FC Chelsea, wählte am Samstagabend eher vage Worte, als er nach der Niederlage beim FC Bayern auf Havertz angesprochen wurde: „Ich würde nichts erwarten. Aber es ist unsere Aufgabe, zu sehen, was passiert, und zu sehen, wie wir uns verstärken können.“

          Im Europa-League-Turnier wird es für Leverkusen nicht zuletzt darauf ankommen, wie Havertz mit der unklaren Situation und den immer neuen Spekulationen klarkommt. Aber Peter Bosz hat ein gutes Gefühl, was die mentale Verfassung seines Stars angeht: „Ich rede viel mit Kai und versuche zu spüren, was all das mit ihm macht. Zum Beispiel diese täglichen Wechselgerüchte. Und ich stelle immer wieder fest, dass Kai sehr gut mit alldem umgeht“, sagt der Trainer.

          Beim 1:0 gegen die Glasgow Rangers im Achtelfinale spielte Havertz ordentlich, vergab aber zwei große Chancen. Nun hat er gegen Inter und in den möglicherweise folgenden Partien die Möglichkeit, einen Beweis zu liefern, der noch aussteht: dass er große Spiele prägen und entscheiden kann. Havertz selbst schweigt zu alldem, aber es ist klar, dass er diese Europa League als persönlichen Karrierehöhepunkt begreift, das Viertelfinale eines internationalen Wettbewerbs ist Neuland für den Angreifer.

          Im Gegensatz zu Timo Werner, der darauf verzichtet, mit RB Leipzig im Finalturnier der Champions League anzutreten, hat Havertz nie einen Zweifel daran gelassen, dass er die Saison mit Bayer 04 zu Ende spielt. Wenn die Kameras und Mikrofone aus sind, artikulieren die Leverkusener recht offen ihr Erstaunen über den bereits nach Chelsea gewechselten Werner, der die seltene Chance auf Spiele unter den besten acht Teams eines Europapokals verpasst.

          Für Havertz könnte es aber auch schnell vorbei sein, jedes Spiel könnte nun zu seinem letzten Auftritt für den Klub werden, in dem er seit seinem elften Lebensjahr spielt. Und Inter Mailand ist für Trainer Bosz „einer der Turnierfavoriten“. Der Traditionsverein aus der Lombardei ist gut in Form, beendete die Saison in der Serie A auf dem zweiten Tabellenplatz hinter Juventus Turin und bestreitet das Europapokalturnier in NRW mit einigen großen Stars: Romelu Lukaku, Lautaro Martínez, der vom FC Barcelona umworben wird, Diego Godin oder Christian Eriksen. Aber auch beim Werksklub sehen sie gute Chancen auf einen denkwürdigen Sommer. Seit 2002 standen sie nicht mehr in einem Europapokal-Halbfinale, und ob sie in naher Zukunft noch einmal mit solch einem außergewöhnlichen Fußballer wie Kai Havertz spielen werden, ist höchst ungewiss.

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