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Bayer Leverkusen : Ohne Erfolg, ohne Trainer, ohne Nowotny

  • Aktualisiert am

Keine Zukunft bei Bayer: Jens Nowotny Bild: dpa

Bayer Leverkusen taumelt von Krise zu Krise. Sportlich geht es bergab, ein Nachfolger für den wohl voreilig entlassenen Klaus Augenthaler ist nicht in Sicht und nun eskalierte der Dauerstreit mit dem früheren Kapitän Nowotny.

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          Knapp drei Wochen nach der Trennung von Trainer Klaus Augenthaler hat die Ausgrenzung des früheren Kapitäns Jens Nowotny beim Fußball-Bundesligaklub Bayer Leverkusen für neuen Konfliktstoff gesorgt.

          Nach einem Gespräch zwischen Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser und dem ehemaligen Nationalspieler Nowotny hat der Club am Dienstag abend entschieden, daß der zuletzt an einem Kreuzbandriß laborierende Profi wegen juristischer Auseinandersetzungen mit dem Verein nicht mehr für Bayer 04 spielen wird. „Damit ist eine weitere Zusammenarbeit nicht möglich“, erklärte Holzhäuser. Darüber hinaus läuft beim Tabellen-Achten die Suche nach einem neuen Trainer auf Hochtouren, um die sportliche Talfahrt zu stoppen.

          „Immer wieder Gespräche geführt“

          Bayers Geschäftsführer Holzhäuser, dessen Rücktritt die Fans im letzten Heimspiel massiv forderten, hatte am Dienstag abermals das Gespräch mit Nowotny gesucht, um im Streit über die geforderte Lohnfortzahlung im Krankheitsfall eine Lösung zu finden. Nowotny, der gerade die Folgen seines vierten Kreuzbandrisses überwunden hat, beruft sich weiterhin auf eine angebliche mündliche Zusage des früheren Managers Reiner Calmund, daß der Club auch nach Ablauf der Sechs-Wochen-Frist die Gehaltszahlung übernimmt. Diese Klage war vor zwei Wochen vom Arbeitsgericht Solingen abgewiesen worden.

          „Holzhäuser sieht keine Basis mehr für eine weitere Zusammenarbeit und das Vertrauensverhältnis ist gestört“, sagte der Sportbeauftragte der Bayer AG, Meinolf Sprink. „Wir haben unglaublich viel versucht und trotz verschiedener Auffassungen immer wieder Gespräche geführt“, sagte Sprink. Er betonte, daß Nowotny weiterhin am Trainingsbetrieb teilnehmen könne, jede medizinische Versorgung und seine Bezüge erhalte. Nur spielen werde der 45malige DFB-Auswahlakteur nicht mehr. Der Vertrag Nowotnys läuft noch bis 2008.

          „Sorgfältige Trainersuche“ geht weiter

          Wie sich der seit 1996 bei Bayer beschäftigte Profi nun verhalte, müsse er selbst entscheiden, meinte Sprink. Rechtlich hat sich der Klub gegenüber Nowotny möglicherweise korrekt verhalten. „Grundsätzlich hat ein Spieler ein Anrecht auf die Teilnahme am Spiel- und Trainingsbetrieb. In den unrechtmäßigen Bereich geht es dann, wenn ein Spieler komplett isoliert wird“, sagte der Geschäftsführer der Spielergewerkschaft der Vertragsfußballspieler (VdV), Ulf Baranowsky. Nowotny, der als Bundesligavertreter sogar im Spielerrat der VdV sitzt, hat die Hilfe der Gewerkschaft bislang nicht in Anspruch genommen.

          Von einem Imageschaden für den Klub nach den Negativschlagzeilen der letzten Wochen wollte Sprink nichts wissen. „Was ist denn passiert? Wir sind viel zu früh im Europapokal ausgeschieden und suchen einen neuen Trainer“, befand er. Bei der „sorgfältigen Suche“ nach einem Coach sei man auf einem guten Weg. Man wolle keinen Schnellschuß. „Rudi Völler hat mir noch einmal bestätigt, daß ihm immer klar war, daß er sich solange als Trainer zur Verfügung stellt, bis man einen neuen findet“, so der Bayer-Sportbeauftragte. Sprink hofft, daß der Verein bis zum Spiel beim FSV Mainz 05 am übernächsten Wochenende einen neuen Coach präsentieren kann.

          Olsen dementiert Kontakte zu Bayer

          Im Spielerkreis ist die Trennung von Klaus Augenthaler allerdings kritisiert worden. „Augenthaler hat sehr gute Arbeit geleistet. Da frage ich mich, ob man sich so schnell trennen muß und von Vereinsseite sagen kann: Der Wechsel war überfällig, Augenthaler war nicht mehr der Richtige“, sagte Torhüter Jörg Butt in einem Interview mit dem „Kölner Stadtanzeiger“.

          Ob der neue Cheftrainer unter dem Bayer-Kreuz der dänische Nationaltrainer Morten Olsen wird, bleibt fraglich. Olsen bereitet sich derzeit mit Dänemark auf das WM-Qualifikationsspiel gegen Griechenland vor und dementierte Kontakte zu Bayer. „Wer glaubt, daß ich in dieser Phase Verhandlungen mit einem Verein führe, kennt mich nicht. Ich bin voll auf die WM-Qualifikation konzentriert“, sagte Olsen am Mittwoch in Kopenhagen. Der dänische Verband hat seinem Nationalcoach eine Frist bis 1. November zur Verlängerung seines Vertrages gesetzt. Nationalmannschaftskapitän Thomas Helveg von Borussia Mönchengladbach sagte, daß die Spieler Olsen nicht unter Druck setzen wollten, ihn aber dazu bewegen möchten, weiterhin als Nationalcoach zu arbeiten.

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