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Bayer Leverkusen : Nur für einen endet die Leidenszeit

  • -Aktualisiert am

Darf auf seinen Einsatz hoffen: Stefan Kießling Bild: dpa

Kießling kehrt gegen Atlético Madrid in den Kader von Bayer Leverkusen zurück - Ballack muss dagegen weiter warten. Trainer Heynckes will ihn erst nach der Winterpause wieder einsetzen - und dann Borussia Dortmund attackieren.

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          Jupp Heynckes ist nicht immer zu durchschauen. Der Trainer von Bayer Leverkusen zaubert regelmäßig überraschende Aufstellungen aus dem Hut. Die Spiele in der Europa League, wie an diesem Donnerstag gegen Atlético Madrid (19.05 Uhr, FAZ.NET-Europa-League-Liveticker), nutzt der 65 Jahre alte Coach regelmäßig, um Talenten aus der zweiten Reihe oder zuvor länger verletzten Profis Spielpraxis zu vermitteln. Vor dem Duell gegen den Titelverteidiger stimmte Heynckes dem Wunsch von Torwart René Adler zu, sich aus dem Vereinsbetrieb zu verabschieden, um seine chronischen Probleme an den Patellasehnen in den Griff zu bekommen. Einen anderen Nationalspieler muss Heynckes indes bremsen: Michael Ballack brennt vor Ehrgeiz, wieder in das Team zurückzukehren.

          Am Sonntag stieg der Mittelfeldspieler, inzwischen 34 Jahre alt geworden, nach drei Monaten Pause wieder in das Mannschaftstraining ein. Doch Heynckes plant Ballack, der die Werkself als Sprungbrett zu einem Comeback in der Nationalmannschaft nutzen will, erst nach der Winterpause ein. Gegen Madrid und im Bundesligaspiel am Sonntag gegen den SC Freiburg darf Stefan Kießling wieder auf einen Einsatz hoffen, nicht aber Ballack.

          Ballack beeindruckte mit täglichem Fleiß sein Umfeld

          „Es gibt nichts Schlimmeres, als zur Untätigkeit verdammt zu sein und warten zu müssen“, sagte Ballack, der auf siebeneinhalb Monate zurückblickt, die zur schwersten Phase seiner Karriere wurden. Zwar wurde der Sachse mit dem FC Chelsea Meister und Pokalsieger, aber in seinem letzten Spiel für die Londoner begann die Leidenszeit. Ein Foul von Kevin-Prince Boateng im Cupfinale gegen Sunderland führte zu einem Riss des Innenbandes und einem Teilriss des vorderen Syndesmosebandes im oberen Sprunggelenk. Dies kostete ihn die Teilnahme an der Weltmeisterschaft, die vom Münchner Philipp Lahm vorgetragenen Ansprüche auf die Kapitänsrolle in der Nationalmannschaft nervten Ballack zusätzlich.

          Qualen und Fleiß, aber noch kein Platz im Kader: Michael Ballack
          Qualen und Fleiß, aber noch kein Platz im Kader: Michael Ballack : Bild: dpa

          Als Ballack sich nach seiner Rückkehr nach Leverkusen auf den Fußballplatz zurückgekämpft hatte, folgte der nächste Schlag. Wieder warf ihn ein Foul, dieses Mal des Hannoveraners Sergio Pinto am dritten Spieltag, aus der Bahn. Wegen eines Außenbandrisses und einem Bruch des Schienbeinköpfchens ging Ballack drei Wochen an Krücken. Erst Anfang Oktober konnte er das Reha-Training aufnehmen. Ballack sprach von Qualen, die er sich abverlangen müsse, beeindruckte mit täglichem Fleiß aber sein Umfeld. „Er arbeitet vorbildlich in der Folterkammer. Sein Ehrgeiz ist enorm“, sagte Heynckes. Simon Rolfes, der lange ein Leidensgefährte war, kehrte inzwischen ins Team zurück. Auch Kießling, der Mitte September einen Syndesmosebandriss erlitt, könnte gegen Madrid oder Freiburg zu ersten Kurzeinsätzen kommen.

          Die Meisterschaft hat Heynckes nicht abgeschrieben

          32 Punkte aus 16 Spielen und mit 33 Toren den zweitbesten Angriff weisen die Rheinländer in der Bundesliga auf, die auswärts ungeschlagen blieben. Den Tabellenzweiten stuft nicht nur Bundestrainer Joachim Löw als einzige Mannschaft ein, die dem Spitzenreiter aus Dortmund noch den Meistertitel streitig machen könnte. Ihre einzige Niederlage bezogen die Westfalen gegen Leverkusen, das am ersten Spieltag mit Ballack beim BVB 2:0 gewann. Beim Rückrundenauftakt könnte die Werkself im direkten Duell den Abstand auf den Favoriten verkürzen. „Wenn wir gegen Freiburg drei Punkte holen, haben wir eine sehr gute Hinrunde bestritten“, sagt Heynckes. Die Meisterschaft hat er nicht abgeschrieben, Dortmund würde früher oder später noch Schwächen zeigen - hofft er.

          Für seine Leverkusener spricht, dass Heynckes die Nationalspieler Kießling und Ballack noch in der Hinterhand hat. Andere Rekonvaleszenten hat er behutsam wieder ins Team integriert - Rolfes, Gonzalo Castro und Renato Augusto. Gegen Madrid wird Heynckes viele junge Kräfte wie den 20 Jahre alten Torwart Fabian Giefer spielen lassen, da der Gruppensieg schon feststeht und es lediglich um die vom Europäischen Fußball-Verband ausgelobte Siegprämie und Punkte für die deutschen Vereine im Kampf um Rückeroberung eines vierten Startplatzes in der Champions League geht. Ballack darf erst ab Mitte Januar wieder auf das Spielfeld zurück. Die zuletzt von Löw ausgesendeten Signale für eine Rückkehr in die Nationalelf fielen wesentlich freundlicher aus als noch vor Monaten. Und für ein gelungenes Comeback 2011 lässt er sich sogar gern von Heynckes bremsen.

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