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Bayer Leverkusen : Liebling Son

  • -Aktualisiert am

Herzliche Grüße aus Leverkusen: Heung-Min Son Bild: AP

Schnell, schussstark und manchmal ungestüm: Ein junger Südkoreaner verzaubert Bayer Leverkusen. Und lächelt vor dem Champions-League-Spiel in San Sebastian (20.45 Uhr) wieder wie zu seinen schönsten Zeiten.

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          Sein Lächeln öffnet Türen und Herzen. Aber selbst wenn Heung-Min Son nicht lächelt, bessert sich die Laune des Gegenübers. Der Südkoreaner ist mit einer positiven Ausstrahlung gesegnet - und einem freundlichen Gesicht, das sich oft zu einem verschmitzten, verdutzten oder fröhlichen Grinsen verzieht.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Das Leben hat es gut mit ihm gemeint. Mit 21 verdient er als Fußballprofi schon Millionen. Und wohin er kam, wurde er auf Anhieb Publikumsliebling. Beim Hamburger SV, wo seine Berufsspielerkarriere begann, in der südkoreanischen Nationalmannschaft und jetzt bei Bayer Leverkusen. Die Leute mögen ihn, weil er gut Fußball spielt, aber seine Beliebtheit übertrifft seine Fähigkeiten mit dem Ball - noch.

          Son ist dabei, so gut zu werden, wie ihn viele schon einschätzen. In den letzten vier Bundesligaspielen für Bayer Leverkusen erzielte der Offensivspieler sechs Tore. Und so zählt er vor dem Endspiel um den Einzug ins Achtelfinale der Champions League an diesem Dienstag (20.45 Uhr / Champions-League-Ticker bei FAZ.NET) in San Sebastián zu den ganz großen Hoffnungsträgern in der Werkself.

          Die anderen, auf die die Leverkusener setzen, sind die Kollegen von Manchester United. Wenn sich die Engländer nämlich hängen ließen und ihr Heimspiel gegen Schachtjor Donezk verlören, dann hülfe Bayer auch ein Sieg in Spanien nicht weiter. Manchester indes wäre auch bei einer Niederlage im Achtelfinale.

          Das Ungebändigte ist auch die Stärke

          In den beiden Gruppenspielen gegen Manchester United war von Heung-Min Son nichts zu sehen gewesen, jedenfalls nichts Gutes. Aber darüber gehen die meisten Beobachter hinweg. Weil sie ihm seine Jugend von 21 Jahren zugute halten, weil sie es übersehen, oder weil sie es ihm wegen seiner freundlichen Erscheinung verzeihen.

          Während das Leverkusener Publikum schnell murrt und dann auch pfeift, wenn dem 19 Jahre alten Emre Can im Mittelfeld von Bayer drei, vier Fehler unterlaufen, erntet Son schlimmstenfalls Schweigen, wenn nicht sogar noch Aufmunterung.

          Das Tor zum 1:0-Sieg in Dortmund schoss der Südkoreaner

          Man kann ihm nur schwer böse sein, wenn er voller Optimismus mit dem Ball am Fuß in drei Gegner hineinstürmt und hängenbleibt, wenn er sich den Ball zu weit vorlegt oder mit ihm über die Seitenlinie ins Aus rennt, wenn er einen komplizierten Pass versucht, wenn ein Schuss möglich wäre, oder wenn er den Abschluss sucht, obwohl ein Mitspieler viel günstiger positioniert ist als er. Der Koreaner wirkt dann wie ein Fohlen, ungestüm und wild.

          Aber dieses Ungebändigte ist auch die Stärke von Heung-Min Son. Der Offensivspieler, der auf beiden Flügeln, aber auch hinter der Spitze eingesetzt werden kann, zählt zu den schnellsten und schussstärksten Spielern in der Bundesliga.

          „Du musst in jedem Spiel top sein“

          Und er trifft mit rechts und links. In 85 Bundesligaspielen 27 Mal, zuletzt beim 1:0-Sieg in Dortmund am Samstag. Das ist nicht schlecht für einen Nachwuchsspieler. Rechtfertigt das jedoch die Ablösesumme von zehn Millionen Euro, die Leverkusen im Sommer an den Hamburger SV überwies?

          Son war in seiner letzten Saison so etwas wie das Gesicht des HSV geworden. Er warb für das Heim-Trikot, er warb für die Klub-Kampagne: „Nur die Ruhe, nur der Sturm, nur der HSV!“ Seinetwegen wurden die Spiele der Hamburger in Südkorea live übertragen, seinetwegen schloss der HSV Sponsorverträge auf dem südostasiatischen Markt ab, Son bekam einen exklusiven Vertrag mit einem Sportartikelhersteller.

          Zum Bundesliga-Spieler wurde der Stürmer beim Hamburger SV

          Und das alles wegen nicht Mal zwei Dutzend - teils spektakulärer - Toren, seiner herzerfrischenden Art und seines lustigen Gesichts. Aber für die Experten war das Potential des Asiaten offensichtlich, nicht nur marketingtechnisch, auch auf dem Spielfeld.

          Seine extremen Stärken wie Schnelligkeit, Schussgewalt und Ballgefühl lassen sich kaum erlernen oder entscheidend entwickeln. Aber all seine Schwächen wie Übersicht und Spielverständnis sind durch stetes Üben und durch den Erwerb von Spielerfahrung abzumildern oder gar abzustellen.

          „Ich sagte ihm, es ist alles in Ordnung“

          Stetes Üben - genau das tut Son. „Aus meiner Sicht ist er ein Spieler von großer Qualität. Und er ist wirklich bereit, zu lernen. Man merkt, wie sehr er sich verbessern will“, lobte ihn Trainer Sami Hyypiä schon zu einem Zeitpunkt in der Saison, als es für den Koreaner alles andere als gut lief. Sein Vater steht hinter Sons Eifer.

          Wong Ju war selbst Profi und südkoreanischer Nationalspieler. Er brachte Heung-Min zum Fußball und trainierte ihn. „Wenn ich auf dem Platz Fehler mache, ist mein Papa sehr sauer“, erklärt Son. „Er sagt: Du musst in jedem Spiel top sein, nicht nur ab und zu. Er ist wirklich sehr hart zu mir.“

          So hart, dass dem Bundesligaprofi zwischendurch der Spaß abhandenkam. „Ich musste mit ihm sprechen, weil er sich zu großen Druck machte“, berichtete Trainer Hyypiä vor dem Spiel gegen Sons alten Klub, den HSV, Anfang November.

          „Ich sagte ihm, es ist alles in Ordnung, ich vertraue dir, habe einfach Freude am Fußball.“ Son tat wie geheißen und schoss drei Tore gegen den HSV. Seitdem lächelt Heung-Min Son wieder wie zu seinen schönsten Hamburger Zeiten.

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