https://www.faz.net/-gtl-8v5t9

Leverkusen-Kommentar : Und trotzdem: Weiter so!

  • -Aktualisiert am

Leverkusens Spieler lassen nach der Niederlage die Köpfe hängen Bild: Reuters

Vorwiegend auf junge, entwicklungsfähige Profis zu setzen ist mutig und aufregend. Das sollte trotz des Scheiterns in der Champions League auch weiter der Leverkusener Weg sein.

          2 Min.

          Bayer Leverkusen ist aus der Königsklasse ausgeschieden. Da muss man sich nichts vormachen. Sportdirektor Rudi Völler betont zwar, dass im Fußball alles möglich sei, und auch Trainer Roger Schmidt erklärte nach dem 2:4 am Dienstag gegen Atlético noch nicht die Kapitulation vor dem Achtelfinal-Rückspiel in Madrid – aber was blieb ihnen anderes übrig? Realitätssinn wäre in diesem Fall geschäfts- oder zumindest rufschädigend.

          Die Werkself hat von Atlético ihre Grenzen aufgezeigt bekommen, ist in dieser Champions-League-Kampagne gescheitert. Diese Tatsache sollte aber nicht zu irgendwelchen Konsequenzen führen. Im 2:4 liegen einige Argumente für ein beherztes „Weiter so“. Wie sich das Team gegen die drohende Niederlage wehrte, wie es die als Verteidigungsspezialisten bekannten Spanier phasenweise in Bedrängnis brachte, das offenbarte großen Willen und ganz große Möglichkeiten. Bayer Leverkusen hat durch den Konzern gute finanzielle Bedingungen im Fußballgeschäft, aber nicht die wirtschaftliche Potenz eines FC Bayern oder von Borussia Dortmund.

          Das Konzept, vorwiegend auf junge, entwicklungsfähige Profis zu setzen und dabei einige der besten europäischen Nachwuchsspieler zu entdecken und zu fördern, ist mutig und aufregend. Damit geht aber auch das Risiko einher, von einer gewissen Sprunghaftigkeit, Naivität und störendem Übereifer der Jugend zurückgeworfen zu werden. Ob mehr Erfahrung nicht besser wäre, wurde Trainer Roger Schmidt nach der Niederlage gegen Atlético gefragt. Er verneinte dies. Ein Team, das gegen Monaco und Tottenham den Gruppensieg in der Champions League geschafft habe, könne nicht zu unerfahren sein.

          Champions League : Leverkusen kassiert bittere Heimniederlage

          Atlético ist aber ein anderes Kaliber, was sich anhand der Statistik leicht nachweisen lässt. Zweimal stand die Mannschaft von Trainer Simeone in den vergangenen drei Jahren im Königsklassen-Finale, im Herbst ließ Atlético in der Gruppenphase die Bayern hinter sich. An so einem Gegner kann man schon mal scheitern. Auffällig auch, dass die erfahrenen Dragovic (54 Länderspiele für Österreich) und Aranguiz (53 Länderspiele für Chile) noch größere Schwierigkeiten offenbarten als die Jungen. Brandt, Henrichs, Havertz, Bailey, Tah und Jedvaj bilden die neue Generation und können es wie Calhanoglu, Bellarabi, Lars Bender, Toprak, Leno und Wendell schaffen, auf Jahre die Gesichter der Werkself zu werden.

          Mit seiner Jugendförderung hat Bayer Leverkusen zudem große Werte geschaffen, die den Spielbetrieb wesentlich mitfinanzieren und Verpflichtungen gestandener Profis wie Chicharito, Volland und Kampl möglich machen. Großen Anteil am Erfolg des Konzeptes hat Trainer Schmidt, der den Talenten zu Einsatzzeiten verhilft, sobald es ihm irgendwie vertretbar erscheint. Ihm vorzuwerfen, die Mannschaft nicht immer im Griff zu haben, wie es nach der quälend langen Serie von Misserfolgen (nach Leverkusener Maßstäben) in der Bundesliga geschehen ist, wird in diesen Wochen ad absurdum geführt: durch die Siege über Frankfurt und Augsburg, aber auch durch die Niederlage gegen Atlético. Sieben Punkte beträgt der Rückstand auf einen Champions-League-Platz für die nächste Saison, vier Punkte auf Rang sechs, der zur Teilnahme an der Europa League berechtigte. Es ist also noch alles möglich. Aber selbst wenn das Minimalziel Europa League verfehlt würde, wäre das kein Grund, die Leverkusener Grundsätze über Bord zu werfen.

          Weitere Themen

          Flicks Experimente

          Bayern München : Flicks Experimente

          Ein Champions-League-Spiel als Versuchsmöglichkeit: Der Bayern-Trainer stellt zwei 17-Jährige in die Startelf, testet Flügelstürmer Leroy Sané als Außenverteidiger – und sammelt dabei „einige Erkenntnisse“.

          Topmeldungen

          Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident Charles Michel im Anschluss an einen EU-Gipfel im Juli dieses Jahres.

          EU-Aufbaufonds : Ungarn und Polen drohen leer auszugehen

          Die EU-Kommission bereitet nach F.A.Z.-Informationen in Absprache mit den anderen Ländern vor, den Aufbaufonds ohne Polen und Ungarn in Kraft zu setzen. Sie hat mehrere Möglichkeiten.
          Das „erste Mal“ findet später statt, als noch vor 10 oder 15 Jahren.

          Befragung : Jugendliche immer später sexuell aktiv

          Junge Menschen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren haben heute später erste sexuelle Erfahrungen als noch vor zehn oder 15 Jahren. Mädchen wie Jungen geben überwiegend zwei Gründe für die sexuelle Zurückhaltung an.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.