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Bayer Leverkusen : Bernd Lenos Raketenstart

  • -Aktualisiert am

Eines der großen Talente: Leverkusens Torhüter Bernd Leno Bild: dpa

Der Leverkusener Teenager Bernd Leno ist die Torwartüberraschung der Saison: Vom Regionalliga-Schlussmann wurde er über Nacht zum Champions-League-Keeper, der gegen Chelsea halten darf.

          3 Min.

          Bernd Leno ist von der Natur reichlich beschenkt worden. Nicht nur mit seinen sportlichen Fähigkeiten, die ihm dazu verholfen haben, im Alter von nur 19 Jahren die erste Torwartstelle des Champions-League-Klubs Bayer Leverkusen zu erobern. Ungewöhnlicher noch ist seine Ausgeglichenheit, mit der er all die Herausforderungen meistert, die sich einem Neuling im Fußballprofigeschäft stellen. "Ich hab einen guten Kopf", sagt der Schwabe von sich, und so, wie er es sagt, schwingt kein Hauch jugendlicher Selbstüberschätzung mit, sondern nur unschuldige, selbstgewisse Überzeugung.

          F.A.Z.-Torvideo : Friedrich der Große

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Am 1. August dieses Jahres war Leno noch dritter Torwart des VfB Stuttgart, zurückblickend auf die Erfahrung von 14 Jugend-Länderspielen sowie 57 Einsätzen in der Reserve des VfB, die in der dritten Liga spielt. Und in dieser Klasse würde er auch heute noch seine Samstagnachmittage verbringen, wenn sich in Leverkusen nicht Nationaltorwart Adler schwer verletzt und seine Vertreter Yelldell und Giefer schwere Fehler bei ihren ersten Arbeitsproben begangen hätten. Bayer verpflichtete leihweise den Nachwuchsmann - am 10. August hatte der 1,90 Meter lange Leno seinen ersten Trainingstag in Leverkusen. Am 14. August bestritt er sein erstes Bundesligaspiel.

          Am 13. September folgte der erste Auftritt in der Königsklasse, gleich beim FC Chelsea an der Stamford Bridge. Der Raketenstart in eine Torwartkarriere hätte andere aus dem Gleichgewicht gebracht. Leno wirkt, als hätte ihn diese außergewöhnliche Beschleunigung nur an den Ort gebracht, der ihm zusteht. Im Tor einer Spitzenmannschaft. An diesem Mittwoch (20.45 Uhr/ F.A.Z.-Liveticker) empfängt Leverkusen den FC Chelsea - ein Sieg, und der Einzug ins Achtelfinale ist vollzogen. Und wie selbstverständlich steht der Teenager zwischen den Pfosten.

          Torhüter der Königsklasse: Bernd Leno spielt am Mittwoch mit Leverkusen gegen Chelsea
          Torhüter der Königsklasse: Bernd Leno spielt am Mittwoch mit Leverkusen gegen Chelsea : Bild: dapd

          Leno hat durch Leistung überzeugt und durch seine Ausstrahlung. Er wirkt beruhigend wie ein Alter auf seine Hintermannschaft. Flatterhaftigkeit oder Aufgeregtheit, die der Jugend nachgesagt werden? Nicht bei Leno. Schwächen aus Unerfahrenheit? Nicht bei Leno: Reflexe, Strafraumbeherrschung, Mitspielen, alles passt.

          Generation beidfüßig

          Leno ist Lob unangenehm: "Ich hatte eben eine perfekte Ausbildung. Aber ich kann schon überall noch etwas zulegen." Seit der C-Jugend trainierte er beim VfB Stuttgart unter professionellen Bedingungen, vor allem bei dem ehemaligen Bundesligatorwart Eberhard Trautner. "Dank einer Schulkooperation konnte ich häufig auch schon vormittags trainieren", erinnert sich der Torwart, der Ehrgeiz seine hervorstechende Eigenschaft nennt. Oft übte er noch abends mit seinem Vater. Dass er bei Rückpässen mit dem linken und rechten Fuß den Ball sicher wegschlagen kann, hält er für eine Selbstverständlichkeit. "Oliver Kahn kam noch nur mit dem rechten aus, aber unsere Generation bekam das schon von klein auf beigebracht", sagt der Schwabe.

          Bernd Leno: Vom Regionalligaschlussmann zu Leverkusens Champions-League-Torwart
          Bernd Leno: Vom Regionalligaschlussmann zu Leverkusens Champions-League-Torwart : Bild: dpa

          Seine Generation: Dazu gehören Zieler aus Hannover, Baumann aus Freiburg, Trapp aus Kaiserslautern und Ter Stegen aus Mönchengladbach. Sie alle haben früh Karriere gemacht, und sie alle sind gestrickt wie Leno, das behauptet jedenfalls der Leverkusener: "Ich glaube, die Zeiten sind vorbei, dass die Torhüter die Verrückten in einer Mannschaft waren. Das sind alles chillige Typen wie ich. Und auch Neuer gehört nicht gerade zu den Psychopathen." Leno lacht, als er das sagt.

          Ausgeprägter Realitätssinn

          Der Teenager gibt zu, dass sein Start ins Profileben auch von Glück begünstigt war. "Die Leverkusener haben mich zwar sensationell aufgenommen. Aber vielleicht wäre es etwas schwieriger geworden, wenn wir nicht die ersten drei Spiele mit mir im Tor zu null gespielt hätten." Nervös sei er gewesen, die letzten fünf Minuten in der Kabine hätte er kaum ausgehalten. "Aber das legte sich schnell. Ich musste nur tun, was ich auch früher tun musste."

          Leno zeichnet ein ausgeprägter Realitätssinn aus. Im Umgang mit dem Erfolg und dem Misserfolg. Im Champions-League-Spiel gegen Valencia leitete er die 1:3-Niederlage mit einem Fehler ein. Nach neun Spielsekunden schoss er den Ball bei einem Befreiungsschlag einem Gegner in die Füße, eine Sekunde später stand es 0:1. "Im Flieger konnte ich schon wieder darüber lachen", sagt Leno und fügt an: "Es ist ganz wichtig für einen Torwart, mit Fehlern fertig zu werden. "Im nächsten Bundesligaspiel gegen Hamburg war mir mulmig beim ersten Rückpass. Aber dann war alles wieder in Ordnung."

          „Er ist ein Kronjuwel“

          Ihm sei es bewusst, dass auch unangenehmere Zeiten für ihn anbrechen könnten. "Dann werde ich mich auf die einfachen Dinge konzentrieren und nicht verrückt machen lassen." Aber im Moment ist er hochbegehrt. Leverkusen möchte seinen Leihtorwart unbedingt vom VfB verpflichten. Die Schwaben verlangen zehn Millionen Euro Ablöse - für einen Torwart mit zwölf Bundesligaspielen auf dem Buckel. "Er ist ein Kronjuwel", sagte VfB-Präsident Mäuser. Der Edelstein hält sich mit Aussagen zurück, dass er aber gerne seinen Leverkusener Traum fortsetzen würde, dürfte klar sein. "Leverkusen hatte mich das ganze letzte Jahr schon beobachtet. Aber dass sie mir so viel Vertrauen schenken würden, um die Nummer eins zu werden, das hat mich sehr überrascht."

          Kleiner Tiefpunkt: Leno bei der Niederlage in Valencia, die er mit einem Fehler einleitete
          Kleiner Tiefpunkt: Leno bei der Niederlage in Valencia, die er mit einem Fehler einleitete : Bild: dpa

          Doch auch bei einer Rückkehr zum VfB, der ihn schon mit 17 zum Reservetorwart machte, aber ihn nur selten bei den Profis mittrainieren ließ, wäre er nicht unglücklich. Leno liebt es einfach, Torwart zu sein. "Weil in der F-Jugend der Torwart nicht zum Hallenturnier kam, wurde ich einfach mal ins Tor gestellt. Seitdem wollte ich nicht mehr raus", sagt er. Und was ist das Schöne daran? "Man muss nicht so viel laufen."

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