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Bayer 0:5 Leverkusen : Bitterer Abend gegen Manchester

  • -Aktualisiert am

Leverkusens Stefan Kießling kurz nach dem Spiel Bild: dpa

Der Leverkusener Breitwand-Fußball bringt den 5:0-Sieger United nicht in Gefahr. Nun braucht Bayer 04 die Hilfe der Engländer, um weiterzukommen.

          3 Min.

          Bayer Leverkusen kann nicht mehr aus eigener Kraft das Achtelfinale der Champions League erreichen. Nach der peinlichen 0:5-Heimniederlage gegen Manchester United muss die Mannschaft von Trainer Hyypiä hoffen, dass die Engländer dringend Geld aus den Punktprämien der Uefa brauchen. Denn Punkte benötigt ManUnited im letzten Gruppenspiel gegen Schachtjor Donezk nicht mehr, die Engländer stehen als Gruppensieger schon fest.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Unter der Voraussetzung, dass Leverkusen in San Sebastian gewinnt, muss Manchester zumindest Unentschieden gegen die Ukrainer spielen, um Bayer in die K.o.-Runde zu hieven. Gewinnt Manchester, reicht Bayer in San Sebastian auch ein Unentschieden. Donezk zog am Mittwoch durch ein 4:0 über San Sebastian in der Tabelle an den Deutschen vorbei, die gegen Manchester eine ihrer schwächsten Saisonvorstellungen boten. Sie mussten froh sein, nicht noch höher zu verlieren.

          Angst vor Manchester United hatte Bayer Leverkusen diesmal nicht. War die Werkself beim 2:4 im Hinspiel dem englischen Meister noch mit viel zu viel Respekt begegnet, um erfolgreich zu sein, so begann sie am Mittwoch im heimischen Stadion mit dem Selbstbewusstsein, das einem Tabellenzweiten der Bundesliga angemessen ist.

          Viel mehr Gutes ließ sich allerdings schon nicht mehr über die erste Halbzeit, die Bayer ablieferte, sagen. Denn über eine gesunde Einstellung hinaus war die Vorstellung der Leverkusener so schlecht, dass auch im Rückspiel ein Sieg schnell außer Reichweite geriet. Das Ärgerlichste daran: Manchester United spielte auch nicht gerade berauschend Fußball, solange es 0:0 stand. Aber die Spieler verfügen über so viel individuelle Klasse, dass sie Einladungen zum Toreschießen umstandslos annehmen, wenn sie sie denn erhalten.

          Schaurige Bilanz eines Spiels: die Anzeigetafel kurz vor dem Abpfiff Bilderstrecke

          In der 22. Minute versuchte Mittelfeldspieler Stefan Reinartz etwas gänzlich Untypisches für ihn. Der sonst so robuste und schnörkellose Profi verstieg sich zu der Idee, eine Situation elegant zu lösen – per Hackentrick. Die Aktion – tief in der gegnerischen Hälfte – misslang, Gegenspieler Kagawa schnappte sich den Ball und der Konter von Manchester lief auf Hochtouren. Erstens, weil der Japaner schnell mit dem Ball am Fuß rennen kann, zweitens, weil kein Leverkusener im miserabel gestaffelten Mittelfeld in der Nähe war, um ihn zu stoppen. Ein Pass auf den linken Flügel zu Rooney, ein gefühlvoller Lupfer über die Leverkusener Abwehr, eine Direktabnahme von Valencia aus zwei Metern Torentfernung und es stand 1:0 für Manchester.

          Zum Leverkusener Unglück verlängerte Innenverteidiger Spahic acht Minuten später nach einem Freistoß von Rooney die Flugbahn des Balles so, dass er ins eigene Tor flog. 0:2 und die Begegnung war nach einer halben Stunde Spielzeit entschieden. Denn Leverkusen hatte einen schwarzen Abend erwischt. Das Umschaltspiel funktionierte überhaupt nicht. Kaum einmal, dass ein Bayer-Profi mit Schwung auf die Abwehr von Manchester zugelaufen wäre. Und der Breitwand-Fußball Marke Leverkusen brachte auch nicht den Hauch von Gefahr, denn er endete nach wenigen Zügen mit dem nächsten Fehlpass.

          Manchesters „Alte Herren“ hatten es gemütlich

          Kaum Bewegung der gegnerischen Stürmer, gepaart mit unpräzisen Zuspielen - diese Werkself war ein Leckerbissen für die in Ehren ergrauten Defensivkräfte von Manchester. Ryan Giggs, der Abräumer vor der Abwehr feiert am Freitag seinen 40., Innenverteidiger Rio Ferdinand ist 35, Außenverteidiger Patrick Evra 32. Sie hatten es gemütlich, nur Ferdinand wurde einmal von Kießling überlaufen, dessen Schuss konnte aber Jones blocken.

          Die Szene, die die ganze Leverkusener Misere der ersten Halbzeit beschrieb, spielte sich etwa in der 35. Minute ab. Spahic brach einen Konter der Werkself ab, weil seinem Vorwärtsdrang fünf gegnerische Abwehrspieler im Weg standen, aber kein Mannschaftskollege mitgelaufen war. Also machte er auf dem Absatz kehrt und spielte einen Querpass Richtung Anstoßkreis, um den herum fünf Leverkusener und ein Profi von Manu standen. Und wer bekam den Ball? Richtig, der Engländer.

          Ein peinliches Resultat nach peinlicher Leistung

          Die zweite Halbzeit verlief genauso schlecht für Bayer. Dem redlichen Bemühen entsprang nicht nur nichts Zählbares, sondern noch nicht mal viel Aufregendes. Es dauerte bis zur 60. Minute ehe Spahic nach einem Eckball zweimal die konkrete Chance zum ersten Leverkusener Tor bekam, er scheiterte am Außenpfosten und Torwart de Gea. Bevor die Szene größere Hoffnungen auf eine Steigerung auslösen konnte, traf Evans in der 65. Minute zum dritten Mal für Manchester.

          Nicht, dass sich die Mannschaft von Trainer Moyes, im Moment Sechster in der Premier League, in einen Rausch spielte: Aber die wenigen Angriffe spielte sie konsequent zu Ende. So erhöhten Smalling in der 77. Minute auf 4:0 und Nani in der 89. Minute auf 5:0. Der Abend nahm für Leverkusen nicht nur von den Leistungen, sondern auch vom Ergebnis her peinliche Züge an.

          Bayer Leverkusen - Manchester United 0:5 (0:2)

          Bayer Leverkusen: Leno - Donati, Toprak, Spahic, Can - Bender (81. Kohr), Reinartz (70. Hegeler), Rolfes - Castro, Kießling, Son (70. Derdiyok)
          Manchester United: de Gea - Smalling, Ferdinand, Evans, Evra (70. Büttner) - Giggs, Jones - Valencia (79. Young), Kagawa - Nani, Rooney (80. Anderson)
          Schiedsrichter: Moen (Norwegen)
          Zuschauer: 29 412 (ausverkauft)
          Tore: 0:1 Valencia (22.), 0:2 Spahic (30./Eigentor), 0:3 Evans (66.), 0:4 Smalling (77.), 0:5 Nani (88.)
          Gelbe Karten: Kohr / -

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