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Bastian Schweinsteiger : Unscheinbarer Regisseur

Dirigent und Lösungssucher: Bastian Schweinsteiger Bild: AFP

Die 360-Grad-Vision des Bastian Schweinsteiger: Bei den Bayern wird der Mittelfeldspieler zum Taktik-Solisten. Schweinsteiger ist rechtzeitig vor dem Start in die Champions League wieder fit.

          2 Min.

          Kein anderer deutscher Spieler hat in diesem Sommer solche Hymnen erhalten wie Bastian Schweinsteiger. „Das Hirn der Mannschaft“ und „den besten Mittelfeldspieler der Welt“ nannte ihn sein alter Trainer Jupp Heynckes. Die Sportjournalisten wählten ihn erstmals zum „Fußballer des Jahres“. Und der Bayern-Sportvorstand Matthias Sammer hob Schweinsteiger als Verantwortungsträger des Triple-Siegers hervor.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Beispielhaft dafür fand es Sammer, „wie Bastian im Champions-League-Finale nach 25 Minuten ohne Anweisung vom Trainer eine taktische Veränderung vornahm - wir waren im Aufbauspiel schlecht, sie pressten gut, also schuf er Überzahl im Aufbauspiel“. Schweinsteiger tut selten die spektakulären, aber oft die ebenso wichtigen, unscheinbaren Dinge. Er trifft jene taktischen Entscheidungen, die der Chef auf der Bank nicht treffen kann, nur der auf dem Feld.

          Seine Reaktion auf das Dortmunder Pressing, als er sich noch weiter nach hinten orientierte, brachte im Finale von London die Wende. „Wenn das Spiel verlorengegangen wäre, hätten alle gespottet: Schweinsteiger spielte Libero“, so Sammer. „Aber ich sagte zu ihm: Du hast dich aufgeopfert, um im Aufbauspiel unsere Innenverteidiger zu schützen.“

          Nur von Pep Guardiola ist noch nichts wirklich Schwärmerisches über Schweinsteiger zu hören gewesen. Der neue Trainer nannte ihn zwar einen „unglaublichen Spieler“. Das ist aus dem Munde des enthusiastischen Katalanen ein eher durchschnittliches Lob - während Guardiola etwa über Philipp Lahm sagte: „Der intelligenteste Spieler, den ich je gesehen habe.“

          Im Dialog: Schweinsteiger und sein neuer Trainer Pep Guardiola

          Doch natürlich weiß Guardiola, wie wichtig die Stabilität ist, die Schweinsteiger ins Bayern-Spiel bringt. Er ist jener Typ Regisseur, der auch auf zurückgezogener Position stets im Zentrum des Spiels bleibt; der nie abschaltet, sich ständig nach allen Seiten orientiert, die Abstände, die Lauf- und Passwege scannt, sich eine Art 360-Grad-Vision verschafft.

          Im Guardiola-System muss er die alte Sicherheit in dieser Rolle erst noch finden, denn sie hat sich geändert. Der Trainer löste die Doppelsechs, die mit Schweinsteiger und Javi Martínez das Fundament des Heynckes-Systems bildete, ab. Es ist nun eine Solorolle. Noch bleibt unklar, ob dafür Schweinsteiger die Bestbesetzung ist - oder ob er besser ins Vierer-Mittelfeld vorrückt.

          Sicher ist nur, dass Schweinsteiger spielen muss - weil er der Siegertyp der Bayern ist. Seinen unschätzbaren Anteil am Gewinn des Triple belegt eine famose Statistik. In den achteinhalb Monaten vom 14. Dezember 2012 bis zum 27. August 2013 gewann der FC Bayern alle seine Partien in Bundesliga, Pokal und Champions League, in denen Schweinsteiger auf dem Platz stand - 26 Spiele, 26 Siege.

          Selbst beim 1:1 in Freiburg vor zwei Wochen, das seine persönliche Siegesserie beendete, lag das Team noch in Führung, als er verletzt vom Platz musste. Nun ist er wieder fit, rechtzeitig für den Start der Champions League - und für die Fortsetzung der Beweisführung, dass Bayern mit Schweinsteiger nicht verlieren kann.

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