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Bastian Schweinsteiger : Taktgeber mit Rhythmusstörungen

  • -Aktualisiert am

Nebenmann gesucht: Bastian Schweinsteiger braucht Unterstützung Bild: dapd

Bastian Schweinsteiger wirkt als alleiniger Chef im Bayern-Mittelfeld überfordert. Der richtige Partner ist noch nicht in Sicht. Vor dem Halbfinale im DFB-Pokal an diesem Mittwoch (20.45 Uhr) gegen Schalke 04 bleibt er auf Tauchstation.

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          Erst einmal ist es gar nicht aufgefallen, dass Bastian Schweinsteiger kaum mehr redet. Es gab ja genügend andere Themen bei Bayern München in den vergangenen Wochen. Und ein paar Mal tauchte Schweinsteiger dann doch auf. Bei der Pressekonferenz vor dem Champions-League-Spiel in Mailand zum Beispiel, die für ihn als zweiten Kapitän so etwas wie ein Pflichttermin war. Oder in einem Interview im "Kicker" zusammen mit der Nationalspielerin Anja Mittag ein paar Wochen zuvor. Aber dabei ging es nur am Rande um ihn. Über sich, über den FC Bayern redet Schweinsteiger im Moment nicht gerne. Nicht, wenn es gut läuft für ihn, nicht, wenn es schlecht läuft, wie am Samstag beim 1:3 gegen Borussia Dortmund. Auf der einen Seite ist es verständlich, dass er die Kapuze über den Kopf zog und erst einmal das Weite suchte. Führungsspieler aber zeichnen sich auf der anderen Seite auch dadurch aus, dass sie sich der Kritik stellen. Schweinsteiger blieb jedoch vor dem Halbfinale im DFB-Pokal an diesem Mittwoch (20:45 Uhr / ZDF) gegen den FC Schalke 04 auf Tauchstation.

          Es wäre übertrieben zu behaupten, Schweinsteiger stecke in einer Dauerkrise. Ein paar Tage zuvor in Mailand war er noch gelobt worden, weil er zusammen mit Luiz Gustavo das Herzstück des Inter-Spiels ausgeschaltet hat. Und in Mainz verdiente er sich allein wegen seines Kopfballtores gute Noten. Aber Schweinsteigers Spiel hat sich verändert in dieser Saison. Schon allein deshalb, weil er zwischendurch seine Lieblingsposition verlassen musste. Anfang November, in der Phase höchster Personalnot, hatte ihn Trainer Louis van Gaal ins offensive Mittelfeld beordert. Diese Aufgabe erledigte er ordentlich - vor allem Mario Gomez profitierte von seinen Pässen und der Spielübersicht -, aber nicht herausragend.

          Schweinsteiger scheint überfordert

          Vor vier Wochen war der Aushilfsjob beendet, er durfte wieder nach hinten rücken. Aber da war kein Mark van Bommel mehr, sein kongenialer Partner vom Jahr zuvor. Die beiden waren ein eingespieltes Team, sie haben sich perfekt ergänzt. Schweinsteiger hatte durch seine Ballsicherheit überzeugt, seinen Bewegungsradius. Er konnte "das Spiel mittaktieren", wie er es selbst nannte, musste allerdings nicht den Takt vorgeben. Das hat van Bommel übernommen, bis zu seinem Wechsel zum AC Mailand Ende Januar der verbale Anführer des FC Bayern auch auf dem Platz. Der Holländer hat zwar fußballerisch den Zenit leicht überschritten, verstand es aber immer noch, technische und läuferische Mängel mit seinem strategischen Verständnis wettzumachen.

          „Mitkapitän” Schweinsteiger versucht mit ruppigen Aktionen Akzente zu setzen

          Nun ist Schweinsteiger nicht nur aufgestiegen zum "Mitkapitän", wie Philipp Lahm seinen Vertreter nennt, sondern er fühlt sich verantwortlich, die Rolle van Bommels auf dem Platz mitzutragen. Er weiß, dass das alle von ihm erwarten. Es sei wichtig, sagte Lahm nach van Bommels Abschied, "dass im zentralen Mittelfeld ein Spieler Kommandos gibt". Schweinsteiger scheint mit der Doppelbelastung aber überfordert. Er versuchte nicht erst gegen Dortmund, wie einst van Bommel mit ein paar ruppigen Aktionen Akzente zu setzen. Am Samstag in Hannover muss er nun wegen der fünften Gelben Karte pausieren.

          Ein ebenbührtiger Mitstreiter fehlt

          Schweinsteiger fehlt derzeit beim FC Bayern ein fast ebenbürtiger Mitstreiter wie Sami Khedira bei der Nationalmannschaft. In München muss er sich wohl noch bis Saisonende auf wechselnde Partner einstellen. Am häufigsten stand ihm bisher Danijel Pranjic zur Seite. Der Kroate ist eine Notlösung, er fühlt sich besser auf der linken Seite aufgehoben. Dort spielt meist aber Luiz Gustavo, der wiederum lieber neben Schweinsteiger agieren würde. Der Trainer, so heißt es, präferiert Toni Kroos. Der befindet sich nach längerer Verletzungspause in der bei van Gaal üblichen Integrationsphase. Wie in Mainz wurde Kroos auch gegen Borussia Dortmund erst spät eingewechselt. Und selbst wenn ihn van Gaal in ein paar Wochen wieder von Anfang an aufstellt, ist damit der Anpassungsprozess von Kroos und Schweinsteiger aber noch nicht beendet.

          Wenn van Gaal nicht seine ganz eigenen und manchmal schwer nachvollziehbaren Ideen hätte, wäre wohl im Pokal wieder eine Rotation fällig. Dass Gustavo im Zentrum mindestens so gut aufgehoben ist wie links und viel besser als Pranjic hat er in Mailand gezeigt. In der Champions League bot der Brasilianer an der Seite Schweinsteigers eine gute Leistung, wenngleich der Bayern-Trainer Defizite bei Ballbesitz ausmachte. Allerdings unterliefen dem Mittelfeldduo am Mittwoch zusammen weniger Fehler - und vor allem nicht so eklatante - als Schweinsteiger drei Tage später.

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