https://www.faz.net/-gtl-86i7w

Manchester United : Schweinsteigers neues Fußball-Leben

Applaus, Applaus: Bastian Schweinsteiger gewinnt mit ManUnited beim Debüt Bild: AP

Lange muss Bastian Schweinsteiger auf sein Debüt bei Manchester United warten. Der Weltmeister wird eingewechselt – und braucht nicht lange bis zur ersten Gelben Karte. Für den Auftaktsieg braucht United die Hilfe des Gegners.

          3 Min.

          Der englische Sommer hatte das schönste Strahlen aufgelegt für den 64. Geburtstag von Louis van Gaal – und für Bastian Schweinsteigers ersten Spieltag im Leben nach dem FC Bayern. Das war es dann aber auch schon an Glanz und Gloria im Auftaktspiel der neuen Saison der Premier League, in dem weder Manchester United noch Tottenham Hotspur, weder der Vierte noch der Fünfte der vergangenen Spielzeit, so etwas wie Esprit an den Tag legten.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Kein Team hatte den Sieg oder auch nur ein Tor verdient, so sprach es Bände, dass die Partie am Samstag durch ein Eigentor zugunsten von United entschieden wurde – das erste Mal seit der Gründung der Premier League, dass das erste Saisontor ein Eigentor war.

          Nachdem Tottenham-Verteidiger Nabil Bentaleb den Ball vor dem eigenen Strafraum hergeschenkt hatte, bekam United-Kapitän Wayne Rooney ihn am verwaisten Fünfmeterraum, in zentraler Position vor dem Tor, perfekt in den Fuß gespielt.

          Der United-Kapitän, in der ungeliebten Mittelstürmer-Rolle, brachte ihn jedoch, allein vor dem Torwart, fahrig nicht unter Kontrolle, so dass Gegenspieler Kyle Walker von hinten an den Ball kam – doch dessen Versuch, die Kugel weg zu befördern, landete im eigenen Tor. Das Resultat der beidseitigen Stümperei war der 1:0-Siegtreffer, für den Rooney sich, peinlich berührt von seiner belohnten Fehlleistung, nicht feiern lassen wollte.

          Den Saisonstart bei Manchester United verbrachte Bastian Schweinsteiger zunächst auf der Bank Bilderstrecke
          Den Saisonstart bei Manchester United verbrachte Bastian Schweinsteiger zunächst auf der Bank :

          Schweinsteiger erlebte die kuriose Szene in der 22. Minute auf der Ersatzbank. Er hatte das Stadionmagazin des Spieltags geziert, doch als er Old Trafford zur für ihn noch ungewohnten Mittags-Anstoßzeit um viertel vor eins betrat, trug er als einziger der fünf Neuzugänge nicht nur das rote United-Trikot, sondern auch ein grünes Leibchen darüber.

          Die Rolle als Ersatzmann war keine Überraschung mehr nach den dürftigen Leistungen des abgängigen Bayern-Stars in der Vorbereitung mit United und nach dem Hinweis von Trainer van Gaal am Freitag, Schweinsteiger sei „nicht fit genug“.

          Vorfreudiger Beifall für Bastian Schweinsteiger

          Überraschend jedoch war, dass van Gaal alle anderen Neuzugänge in der Startelf aufbot: Mittelfeldspieler Morgan Schneiderlin, Stürmer Memphis Depay, Rechtsverteidiger Matteo Darmian und sogar den erst vor wenigen Tagen verpflichteten Ersatztorwart Sergio Romero. Dagegen saß Stamm-Keeper David de Gea, der gegen van Gaals Willen zu Real Madrid will, in Schlips und Kragen auf der Tribüne.

          Doch dann war über weite Strecken trotz der Sommer-Ausgaben von mehr als 100 Millionen Euro (nach 195 Millionen in der Vorsaison) nichts zu erkennen, was den Rekordmeister nach zwei enttäuschenden Spielzeiten (Platz sieben und vier) nun wieder, wie von Fans und Vereinsführung gefordert, zu den Titelkandidaten zählen lassen könnte. Ob das gelingt, ist eine Frage, an der sich die Zukunft von van Gaal und vielleicht auch die von Schweinsteiger entscheiden wird.

          Der frühere Abwehrchef Rio Ferdinand, sechs Mal Meister mit United unter Alex Ferguson, findet, van Gaal werde „keine Ausreden“ mehr haben, sollte er auch in seinem zweiten Jahr, nach all den Verstärkungen, die er bekam, nicht ernsthaft mit Chelsea, Arsenal und Manchester City konkurrieren können. „Er steht unter dem Druck, den Titel zu gewinnen, oder mindestens Platz zwei zu erreichen.“

          Als Schweinsteiger nach einer Stunde unter vorfreudigem Beifall als erster Deutscher im Trikot von ManUnited den Rasen von Old Trafford betrat, eingewechselt für Michael Carrick, hatte das Heimteam trotz der Führung noch keinen einzigen Ball aufs Tor gebracht. Beinahe gelang das vier Minuten später dann Schweinsteiger, der eine Flanke von Darmian knapp verfehlte.

          Schweinsteiger mit gefährlichem Ballverlust

          Ansonsten fiel der Nationalmannschafts-Kapitän dadurch auf, dass er im Spielaufbau viele Bälle bekam, viele Sicherheitspässe spielte und dem jeweils angespielten Kollegen neben dem Ball zugleich, wie er das schon bei den Bayern dirigierend pflegte, auch den Fingerzeig mitlieferte, wohin er ihn gleich weiterspielen solle. Einmal unterlief ihm ein gefährlicher Ballverlust vor dem eigenen Strafraum, aber ohne Bestrafung durch die harmlosen Spurs.

          Vor allem bei gegnerischen Ballbesitz setzte Schweinsteiger das Premier-League-Tempo, obwohl gedämpft durch die Hitze des Tages, noch sichtlich zu. So dauerte es bis zu seiner ersten Gelben Karte in England, nach einem Foul an Nacer Chadli, nur zehn Minuten. Das waren immerhin drei mehr, als sein Nachfolger Arturo Vidal für die erste im Bayern-Trikot gebraucht hatte.

          Chelsea mit Fehlstart in Premier League

          Der FC Chelsea hat einen Fehlstart in die Premier League hingelegt. Der englische Meister musste sich am Samstag an der Stamford Bridge gegen Swansea City mit einem 2:2 (2:1) begnügen. Einen Tag nach der Vertragsverlängerung von Trainer José Mourinho bis 2019 erzielten Oscar (23.) und Federico Fernandez (30.) per Eigentor die Treffer für Chelsea. André Ayew (29.) und Bafetimbi Gomis (55./Foulelfmeter) glichen für die Gäste zweimal aus. Chelsea-Torwart Thibaut Courtois sah wegen einer Notbremse vor dem Strafstoß die Rote Karte. (dpa)

          Weitere Themen

          „Das Spiel war eine Geisterbahnfahrt“ Video-Seite öffnen

          Blick zurück mit Zorn : „Das Spiel war eine Geisterbahnfahrt“

          Kurz vor Schluss sichert sich die DFB-Elf das Ticket fürs Achtelfinale. Vor allem die Defensive bereitet Sorgen. Dafür rückt ein eingewechseltes Duo näher an die Startelf, meint F.A.Z.-Experte Roland Zorn.

          Topmeldungen

          Die HMS Defender bei ihrer Ankunft im Hafen von Odessa am 18. Juni

          Vorfall im Schwarzen Meer : Wollte die Royal Navy Russland provozieren?

          In Großbritannien verstärkt sich der Eindruck, dass die Royal Navy im Schwarzen Meer ein Zeichen setzen wollte. Moskau droht für Wiederholungen mit Bombenangriffen „nicht einfach in den Kurs, sondern auf das Ziel“.
          Der neue Bosch-Chef Stefan Hartung

          Generationswechsel : Bosch baut seine Führung komplett um

          Dass Stefan Hartung an die Spitze des Technologiekonzerns aufrückt, war schon länger klar. Doch wie groß der Umbau ausfällt, überrascht. Vor allem die neue Position des bisherigen Chefs erregt Aufmerksamkeit.

          Probleme des DFB-Teams : Höggschde Fahrigkeit

          Der Unterschied zur WM 2018, als Deutschland krachend vom hohen Ross fiel, besteht in erster Linie darin, dass sich „die Mannschaft“ nun wehrte. Das Grundproblem aber hat sich nicht verändert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.