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Bastian Schweinsteiger : Reif für die vorletzte Prüfung

„Herz und Motor der Mannschaft”: Bastian Schweinsteiger Bild: AFP

Der hartnäckige Aufstieg des Bastian Schweinsteiger: Wie sich der 25 Jahre alte Münchner bis zum WM-Halbfinale gegen Spanien (20.30 Uhr) zu einem der wertvollsten Spieler der Welt entwickelt hat.

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          Wer möchte, kann das Selbstverständnis von Bastian Schweinsteiger in zwei Sätze fassen. Bastian Schweinsteiger - über den so viel gesagt und geschrieben wird bei dieser Weltmeisterschaft, dass einem schwindelig werden kann vor lauter Komplimenten - möchte das. „Wenn ich ganz ehrlich bin, interessiert es mich nicht so, was geschrieben wird. Von großer Bedeutung ist die Mannschaft und wie wir Spanien bezwingen können“, sagt er vor dem Duell um den Einzug ins Endspiel an diesem Mittwoch in Durban. Es sind die beiden ersten Sätze, die Bastian Schweinsteiger in der Pressekonferenz vor dem Halbfinale gegen den Europameister von sich gibt.

          Michael Horeni
          Fußballkorrespondent Europa in Berlin.

          Aber was war eigentlich die Frage? Ach, ja: Wie er mit dem Lob umgeht. Kostproben dazu: „Er ist der emotionale Leader“ (Löw kurz vor der WM). „Er ist Herz und Motor der Mannschaft“ (Löw während der Vorrunde). „Er ist herausragend in jeder Beziehung“ (Löw nach dem 4:0 gegen Argentinien). Zusammenfassend bedeutet das: „Wenn man alle fünf Partien betrachtet, ist er für mich der beste Spieler des Turniers“, sagt Franz Beckenbauer. Das war die Frage.

          Rückblende: Herbst 2009, der FC Bayern ist noch nicht die Mannschaft, vor der sich am Saisonende die Bundesliga verneigen wird, und Bastian Schweinsteiger ist noch nicht der Spieler, über den die Fußballwelt in Südafrika staunen wird. Er hat gerade damit begonnen, sich auf der neuen Position im defensiven Mittelfeld einzurichten. Es klappt ganz gut, aber die Erfolge der Mannschaft fehlen noch. Die Tage von Trainer Louis van Gaal scheinen gezählt.

          Keine Zweifel: Schweinsteiger will mit dem WM-Pokal nach Deutschland zurückkehren
          Keine Zweifel: Schweinsteiger will mit dem WM-Pokal nach Deutschland zurückkehren : Bild: Getty Images

          Am Vormittag absolviert der Bayern-Trainer eine Einheit, in der beim abschließenden Trainingsspiel kaum Fußball gespielt wird. Denn van Gaal unterbricht die Partie immer wieder mit der Trillerpfeife, nahezu jede Minute. Er instruiert die Spieler, erklärt, wie sie laufen sollen, stehen sollen, sich verhalten sollen. Es scheint so, als würden die Bayern und van Gaal verschiedene Sprachen sprechen und keine gemeinsame finden. Aber es gibt auch an diesem Tag einen Moment, in dem ist Louis van Gaal froh. Wenn Bastian Schweinsteiger sich anbietet, den Ball bekommt und ihn verteilt. Dann ruft van Gaal: „Bravo, Schweini.“ Einmal. Zweimal. Dreimal. Zwischendrin pfeift er immer wieder mit seiner Trillerpfeife und erklärt. Ein anderes Lob ist an diesem Tag nicht zu hören. Nur: „Bravo, Schweini.“

          Bastian Schweinsteiger wird vor dem Halbfinale gefragt, ob er van Gaal dankbar sei, dass er ihm die „Sechser“-Position zuteilte, die nun zur Rolle seines Lebens geworden ist. Schweinsteiger wird das immer wieder während der WM gefragt. Aber noch nie ist ihm die Frage gestellt worden, ob van Gaal nicht eigentlich ihm dankbar sein müsste, dass er die Position ausfüllt. Auch das wäre eine berechtigte Frage. So aber sagt Schweinsteiger, dass er natürlich froh darüber sei, und dass es „die größte Veränderung bei mir war, dass ich endlich mal auf meiner Lieblingsposition spielen durfte.“

          „Ich konnte vor der Klasse nicht mal meinen Namen sagen“

          Das Wort Dankbarkeit benutzt er nicht, und er benutzte es auch nicht, als er im Herbst die ersten Schritte auf dieser Position machte, die ihn nun zu einem der wertvollsten Spieler der Welt werden ließ. Er sagte, dass man die Chance auch nutzen müsse, wenn man sie bekomme, und dies zu schaffen, sei keine Selbstverständlichkeit. Er erzählte von den vielen Stars, die er beim FC Bayern kommen und gehen sah, die ihre Chancen bekamen, aber nicht nutzten. Chancen, die oft viel größer waren als seine eigenen, weil er schon als Jugendlicher dem FC Bayern angehörte, und junge Spieler in ihren ersten Profijahren noch nicht so viel zählten wie heute. Man kann Schweinsteiger gar nicht anders verstehen, als dass er sich lange unter Wert behandelt fühlte. Aber er sagt das nicht so.

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