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Bastian Schweinsteiger : Mister überall

Eine absolute Führungsfigur im deutschen Team: Bastian Schweinsteiger Bild: AP

Bastian Schweinsteiger blockiert die Versorgungswege, bereitet Tore vor, besticht als Solist und Ruhepol - mit einem Wort: Weltklasse. Gegen Argentinien liefert er auf seiner Wunschposition im defensiven Mittelfeld sein bestes Spiel.

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          Bastian Schweinsteiger geht sehr dosiert um mit Worten in der Öffentlichkeit. Seit der Vizekapitän in Südafrika mitverantwortlich ist für die WM-Mission, lässt er lieber die Kollegen das Leistungsphänomen dieses Teams erklären. Die Außenminister der Nationalelf sind andere – Kapitän Philipp Lahm, Arne Friedrich oder Per Mertesacker aus dem Mannschaftsrat.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Und so blieb es auch am Samstag nach dem brillanten 4:0-Sieg im Viertelfinale gegen Argentinien bei einem knappen Kommentar, obwohl Schweinsteiger im Dienste Deutschlands das wohl beste Fußballspiel seiner Karriere abgeliefert hatte. „Ich habe richtig Gänsehaut. Wenn ich sagen würde, ich wollte nicht ins Finale, würde das nicht stimmen. Wir haben zwei starke Mannschaften geschlagen und sind schon weit gekommen“, sagte der Mittelfeldspieler. Den nächsten Gegner im Halbfinale aus Spanien hält er für die stärkste Mannschaft der Welt. „Aber wir glauben an uns und haben genug Selbstvertrauen.“

          Schweinsteiger weiß inzwischen mit bald 26 Jahren, wie wichtig es ist, sich auf die wesentlichen Aufgaben zu fokussieren. In weichen und harten Fakten ausgedrückt, war seine Leistung gegen die Argentinier Weltklasse. Kein anderer Spieler auf dem Platz spielte mehr erfolgreiche Pässe (84), kein anderer legte mit rund 11,3 Kilometern über zwei Halbzeiten ein solches Pensum zurück. Schweinsteiger hier, Schweinsteiger da, Schweinsteiger überall.

          Den ersten und den dritten Treffer (hier für Arne Friedrich) bereitete er vor

          Die Parameter weisen allerdings nur zum Teil darauf hin, auf welche besondere Weise er am deutschen Erfolg gegen die hoch eingeschätzte Maradona-Mannschaft beteiligt war. Vom defensiven Mittelfeld aus lenkte Schweinsteiger die deutsche Offensive, war sichere Verteilerstation auf dem Weg nach vorne und mit seinem inzwischen kongenialen Partner Sami Khedira, der sich in der Partie eine Muskelverhärtung im Oberschenkel zuzog, vor allem in der ersten Halbzeit hauptsächlich daran beteiligt, dass die Blockade der Versorgungswege im argentinischen Kreativspiel funktionierte. Der kleine Superstar Lionel Messi fiel vor der Pause nur durch zwei schwach getretene Freistöße auf.

          Löw: „Es war ein grandioses Länderspiel von ihm“

          Was Schweinsteigers Leistung noch mehr hervorhebt an diesem deutschen Fußballfeiertag, war seine direkte Beteiligung am Zustandekommen zweier Treffer. Bei Thomas Müllers Blitztor nach drei Minuten zirkelte er den Freistoß links vor dem Strafraum gefühlvoll mit dem Innenspann auf den Kopf des heranstürmenden Bayern-Kollegen. Fünfzehn Minuten vor Schluss umkurvte er auf der linken Seite einige konsternierte argentinische Gegenspieler und legte den Ball in die Mitte perfekt auf für den mitgelaufenen Innenverteidiger Arne Friedrich. Dem gelang das erste Tor in seinem 77. Länderspiel.

          Ein Tag der Sensationen und überraschenden Momente. Der Bundestrainer geriet später ins Schwärmen, als er nach seiner Meinung zur Leistung des aufblühenden Vizekapitäns gefragt wurde. „Es war ein grandioses Länderspiel von ihm. Was er gearbeitet hat, was er gelaufen ist im Mittelfeld, wie er die Mannschaft in der Organisation geführt hat, wie er bei fast jedem Angriff mit nach vorne gegangen ist und wie er das Tor von Arne Friedrich vorbereitet hat – besser kann man das nicht machen. Er war herausragend in jeder Beziehung“, sagte Joachim Löw.

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