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Bastian Schweinsteiger 2013 : Willkommen in der Perfektion

Bisher hat Schweinsteiger alles gewonnen, was kam: 20 Spiele, 20 Siege Bild: AFP

Bastian Schweinsteiger kommt für das Jahr 2013 in Bundesliga, Champions-League, Pokal und WM-Qualifikation auf die phantastische persönliche Rekordbilanz von zwanzig Siegen in zwanzig Spielen. Ende offen.

          2 Min.

          Einer der eindrucksvollsten Rekorde des FC Bayern im Rekordjahr 2013 sind die 14 Siege in den ersten 14 Rückrundenspielen - die längste Siegesserie, die je innerhalb einer Bundesligasaison erzielt wurde. Die von Bastian Schweinsteiger aber ist noch länger, jedenfalls wenn man nicht nur die Liga zählt. Denn in den bisher einzigen beiden Partien, die der FC Bayern seit Jahresbeginn nicht gewann, stand Schweinsteiger nicht auf dem Platz. Mit anderen Worten: Er hat bis heute jedes Spiel 2013 gewonnen.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Bei der Rückspielniederlage gegen den FC Arsenal im Champions-League-Achtelfinale saß Schweinsteiger eine Gelbsperre ab. Und beim 1:1 in Dortmund vor zwei Wochen, das die Siegesserie beendete, war er von Trainer Jupp Heynckes geschont worden. So kommt der Spielmacher für das Jahr 2013 in elf Spielen in der Bundesliga, fünf in der Champions League, zwei im Pokal und einem in der WM-Qualifikation, auf die phantastische persönliche Rekordbilanz von zwanzig Siegen in zwanzig Spielen. Ende offen.

          Schweinsteiger ist mindestens der Mann der Rückrunde, aber in vielerlei Hinsicht ist er auch der Mann der Saison. Nicht so flink wie Franck Ribéry, nicht so frech wie Thomas Müller oder so fehlerlos wie Philipp Lahm - aber im Gesamtpaket der Spieler, der das ganze Team verkörpert und verbindet wie kein anderer. „Unser Hirn“ nannte ihn Trainer Jupp Heynckes in der vergangenen Woche. Schweinsteiger sei es, „der den Rhythmus unseres Spiels bestimmt“. Und pries ihn als „den derzeit besten Mittelfeldspieler der Welt“.

          Schweinsteigers Klasse wird nur selten so spektakulär sichtbar wie bei seinem Hackentreffer in Frankfurt, seinem siebten Saisontor, das schon am 28. Spieltag die früheste Meisterschaft der Bundesligageschichte besiegelte. Weil sein Antritt nie wie der eines Sprinters wirkt, unterliegen viele Mäkler dem Irrtum, Schweinsteiger sei langsam. Das Gegenteil ist richtig - seine Denk- und Handlungsschnelligkeit sorgen dafür, dass er so gut wie nie in ein Laufduell muss. Fast ständig ist er auch abseits des Balles in Bewegung, instinktsicher auf dem Weg dorthin, wo er anspielbar wird, und hat dann, wenn er den Ball bekommt, die für einen Regisseur nötige Ballsicherheit. Dazu kommt jenes innere Radar, das nur wenigen Spielern gegeben ist und von außen so wirkt, als habe Schweinsteiger ein 360-Grad-Blickfeld.

          „Ich bin relativ gesund durchgekommen“

          Die anspruchsvolle Aufgabe im Zentrum, wo man ständig Teil des Spiels ist und keine kleinen Auszeiten durch Spielverlagerungen bekommt wie in seiner früheren Position am Flügel, bekam Schweinsteiger erst 2009 von Trainer Louis van Gaal zugeteilt. Dort konnte er auf Anhieb seine Stärken ausspielen, weil es im übervölkerten Mittelfeld mehr auf Positionsgefühl, Ballsicherheit und Überblick ankommt als auf Spurtkraft. Doch oft wirkte Schweinsteiger seitdem gegen Saisonende zunehmend müde, erschöpft von zu vielen Spielen, mürbe von vielen Verletzungen. Die Frische im Saisonfinale fehlte etwa 2010, bei den Niederlagen im Champions-League-Finale gegen Inter Mailand und im WM-Halbfinale gegen Spanien. Und 2012, beim 2:5 im Pokalfinale gegen Dortmund und dem verlorenen „Finale dahoam“ gegen Chelsea. Doch 2013 geht ein anderer Schweinsteiger auf die Zielgerade - einer, der von der Präsenz seines neuen Nebenmannes Javi Martinez profitiert und davon, dass Heynckes ihn im Frühjahr häufig pausieren lassen konnte, was ihn mental und muskulär frisch hielt.

          „Mein Vorteil in dieser Saison ist, dass ich nicht verletzt bin und war“, sagt Schweinsteiger. „Ich bin relativ gesund durchgekommen, das ist für mich das Wichtigste.“ Sein Körper wirkt nun drahtig und straff wie der eines Mittelgewichtsboxers, sein Kopf klar und unbelastet. Vor einem Jahr, nach dem finalen Fehlschuss gegen Chelsea, stellten sich viele die Frage, ob er sich davon erhole. Die Antwort: Und ob er sich davon erholt hat! Elfmeter? Die Frage schien ihn nun im Hinblick auf das Finale in Wembley zu überraschen, ja zu amüsieren. „Wenn der Trainer das will“, sagte er beiläufig, „dann schieße ich einen.“

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