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Barcelona und Neymar : Millionen für den Vater

  • -Aktualisiert am

Umstrittener Transfer: Der Wechsel von Neymar zum FC Barcelona zieht Probleme nach sich Bild: AFP

Schon zwei Jahre vor dem Wechsel von Neymar nach Barcelona ist viel Geld geflossen. Nun könnte der Transfer ein Fall für die Fifa werden. Auch Prozesse vor brasilianischen Gerichten könnten folgen.

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          Die Affäre um den Wechsel des brasilianischen Nationalspielers Neymar zum FC Barcelona vom Juni 2013 wird zum Fall für den Weltfußballverband Fifa. Der Vater des 21 Jahre alten Profis, der zugleich Manager seines Sohnes ist, gab am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Santos zu, dass er schon im November 2011 eine Geheimzahlung in Höhe von zehn Millionen Euro von dem katalanischen Klub erhalten hat. Zu diesem Zeitpunkt war Neymar erst 19 Jahre alt und noch bis Mitte 2014 vertraglich an seinen Verein FC Santos gebunden, dessen Jugendakademie er durchlaufen und bei dem er seine Profikarriere begonnen hatte.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Gemäß den Fifa-Bestimmungen muss ein Klub, der einen Spieler von einem anderen Verein unter Vertrag nehmen will, dessen Führung schriftlich informieren, ehe Verhandlungen in der Sache aufgenommen werden. Beim FC Santos wusste man bis Dienstag offenbar nichts von der frühzeitigen Übereinkunft Barcelonas mit Neymars Vater. Gemäß Fifa-Regeln kann ein Spieler einen Vertrag mit einem neuen Verein erst abschließen, wenn sein Vertrag mit seinem gegenwärtigen Arbeitgeber entweder schon abgelaufen ist oder in höchstens sechs Monaten ausläuft.

          Welche Klauseln gab es?

          Neymar da Silva Santos verteidigte sein Vorgehen mit dem Argument, das Geld sei im November 2011 von Barcelona nicht an seinen Sohn gezahlt worden, sondern an das von ihm geführte Unternehmen „N&N“. Es habe sich zudem nicht um einen Vorvertrag gehandelt, sondern um eine Art Kredit, mit dem sich Barcelona das exklusive Recht zur späteren Aufnahme von Transferverhandlungen gesichert habe. Neymars Vater bestätigte zudem, dass Barcelona weitere dreißig Millionen Euro an „N&N“ bezahlt habe, als sich der spanische Spitzenverein und der FC Santos im Juni 2013 auf einen vorzeitigen Wechsel Neymars nach Spanien geeinigt hätten. Wäre es nicht zu dem spektakulären Transfer gekommen, hätte „N&N“ vierzig Millionen Euro an Barcelona zahlen müssen, sagte Neymar Senior.

          Er behauptete außerdem, im Arbeitsvertrag seines Sohnes mit dem FC Santos habe es schon 2011 eine Klausel gegeben, wonach ihm lange vor dem Auslaufen des Vertrages Mitte 2014 Verhandlungen mit ausländischen Klubs über einen möglichen Wechsel seines Sohnes erlaubt gewesen seien. Der FC Santos hat die Existenz einer solchen Vertragsklausel bisher nicht bestätigt.

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          Nach Darstellung von Neymars Vater habe sich der FC Santos im Frühjahr 2013 zum vorzeitigen Verkauf seines Stars bereit gefunden, weil bei einem Wechsel erst im Jahre 2014 keine Ablösesumme an den Verein geflossen wäre. Während der FC Santos dann leer ausgegangen wäre, „hätten wir alleine 120 Millionen Euro bekommen können“, sagte Neymar Senior, ohne zu präzisieren, welcher europäische Klub diese astronomische Summe angeboten hat.

          Mit dem frühzeitigen Wechsel nach Barcelona habe er seinem Sohn „die Ruhe geben wollen, damit er die WM in diesem Jahr frei von Spekulationen spielen kann“. Er wolle nun „die ganze Vertragssituation klären“, weil er weder den brasilianischen noch den spanischen Steuerbehörden etwas schulde, sagte Neymar Senior. Der FC Santos sowie das brasilianische Unternehmen „Sonda“, das bis zum Wechsel Neymars vierzig Prozent an den Rechten zur Vermarktung des Profis gehalten hatte, fühlen sich von Neymar und dessen Vater übervorteilt, weil sie von den insgesamt 95 Millionen Euro aus Barcelona nur 17 Millionen erhalten haben. Wahrscheinlichen werden nun Prozesse vor brasilianischen Gerichten und eine Untersuchung des Transfers durch die Fifa folgen.

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