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Niederlage im Clásico : Wütende Fans attackieren Barça-Coach Koeman

  • -Aktualisiert am

Barcelonas Trainer Ronald Koeman erlebt schwere Zeiten. Bild: Reuters

Der FC Barcelona erlebt schwere Zeiten. Mit finanziellen Sorgen und ohne Lionel Messi verliert er den Clásico gegen Real Madrid. Danach lassen einige Fans ihren Frust an Trainer Ronald Koeman aus.

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          Aus großen Hoffnungen wird im Fußball oft tiefe Enttäuschung – und manchmal auch offene Abneigung. So war es am Wochenende beim FC Barcelona. Vor jedem Clásico sind die Erwartungen besonders groß – dass sich die Enttäuschung bei manchen Fans des FC Barcelona über die 1:2-Niederlage gegen Real Madrid im eigenen Stadion derart virulent entladen würde, überrascht hingegen.

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          Als Trainer Ronald Koeman gemeinsam mit seiner Frau im Auto das Stadiongelände verlassen wollte, stellten sich ihm Fans in den Weg, schlugen und traten gegen den Wagen, bespuckten ihn, schrien „Hau endlich ab“. Koeman kam zunächst im Schritttempo voran, beschleunigte am Ende. Auf diese Weise dürfe man eine alte Legende des Klubs nicht behandeln, protestierten daraufhin ältere Fans in den sozialen Netzwerken. Und der Verein will Sicherheitsmaßnahmen ergreifen.

          Er verurteilte das Geschehen. Immerhin war Koeman eine der Säulen des noch heute verehrten „Dream Teams“, das unter Trainer Johan Cruyff 1992 im Wembley-Stadion gegen Sampdoria Genua den Europapokal der Landesmeister gewann. Den entscheidenden Freistoß zum 1:0-Endstand verwandelte Koeman. Mit seiner Rückkehr in der letzten Saison, hatten sich Barças Fans wohl erhofft, käme vielleicht auch ein wenig vom damaligen Glanz zurück.

          Kroos twittert:„Alaboooooom“

          Doch das kann nur schwer gelingen. Koeman schickte im ersten Clásico ohne Messi und Ramos sieben Spieler aufs Feld, die im eigenen Verein groß geworden sind, darunter neben den erfahrenen Piqué, Busquets und Alba auch die Nachwuchshoffnungen Eric García in der Abwehrreihe, Mittelfeldspieler Gavi und Stürmer Ansu Fati. Keiner von ihnen ist über 20 Jahre alt. Doch ihr Auftreten bestätigte die Skepsis ihres Trainers, dass aus den jungen Spielern im Team wirklich schnell Stützen werden könnten. Ansu Fati konnte sich eigentlich nie durchsetzen, Gavi blieb gegen Toni Kroos farblos, und in der Abwehrreihe ließ sich Außenverteidiger Mingueza von Reals Dribbelkönig Vinícius mehrmals vorführen.

          An Vinícius zeigt sich, wie sehr sich Geduld in der sportlichen Leitung bei einem Ausnahmetalent auszahlt: In der 22. Minute versetzte er mit Mingueza und Dest gleich zwei Nachwuchsspieler Barças, drang in den Strafraum und spielte dort Innenverteidiger Eric García aus. Mit ein bisschen mehr Reife hätte er dann vielleicht vor Schlussmann Marc-André ter Stegen auch den Abschluss gesucht, statt sich fallen zu lassen. Die enge Ballführung und die schnellen Richtungswechsel sind schon lange das Erkennungsmerkmal des Brasilianers.

          Am Sonntag gegen Barça bewies er aber auch immer wieder Übersicht, leitete mit einem weiten, öffnenden Pass aus der eigenen Hälfte diagonal über das Spielfeld Reals Führung ein. Alaba rückte mit auf und schloss mit einem vehementen Schuss einen der schönsten Spielzüge der Begegnung ab. „Alaboooooom“, twitterte Toni Kroos. Trotzdem ist für die spanische Presse Vinícius zu Recht der Prot­agonist des Clásicos.

          Lange war an ihm gezweifelt worden, doch mit sieben Toren und fünf Vorlagen in 12 Einsätzen scheint dies nun seine Saison zu werden. Eine solche Entwicklung war nicht unbedingt zu erwarten: Als er am 12. Juli 2018, seinem 18. Geburtstag, bei Real unterschrieb, fragten sich viele, was der Klub mit einem Brasilianer möchte, der in seiner Heimat mit vier Treffern in einer Saison nicht gerade als Stürmer mit Torgarantie galt.

          „Ich habe den Druck gespürt“

          Die Zweifel häuften sich bei jedem seiner Einsätze. Seine besser positionierten Mitspieler sah er selten, gleichzeitig vergab er nach großartigen Dribblings die besten Möglichkeiten. Reals früherer Trainer Zinedine Zidane dosierte seine Einsätze. „Ich habe den Druck der 45-Millionen-Ablöse gespürt“, sagte Vinícius kürzlich. Jetzt scheint er den Belgier Eden Hazard erst mal aus der Stammelf verdrängt zu haben.

          Auch Barças Coach Koeman weiß, dass er Barças Nachwuchshoffnungen mit zu hohen Erwartungen „verheizen“ kann, er hat selbst mehrmals davor gewarnt. Doch seinem Kader fehlt die Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern. Piqué, Busquets und Alba allein können das Team nicht führen. Und Koeman erhöht den Druck auf seine jungen Spieler auch noch. Nach der Niederlage im Clásico erwähnte er gleich dreimal eine Chance, die Dest in der 24. Minute vergab.

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          Zehn Meter stand der Rechtsaußen vor dem gegnerischen Tor, als ein Querpass zu ihm kam. Seine Gegenspieler waren weit weg. Und trotzdem landete sein Torschuss auf dem zweiten Rang der Tribüne. Hätte er ins Tor getroffen, wäre es ein anderes Spiel geworden, wiederholte Koeman nach dem Spiel immer wieder und merkte scheinbar gar nicht, wie er dem erst 20-jährigen amerikanischen Nationalspieler mit jedem Satz mehr Schuld an der Niederlage zuschob.

          So völlig aus der Verantwortung wollen die spanischen Medien auch Koeman nicht entlassen. Barça habe nun auch die vierte große Begegnung der Saison verloren, wie zuvor schon gegen die Bayern, Benfica und in der Liga gegen Atlético Madrid. Das Team werde besser, 52 Prozent Ballbesitz dokumentierten dies, befand Koeman trotzig. Die Fans wollen ihm dabei offensichtlich nicht mehr folgen.

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