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Ballon d’Or 2014 : Ronaldo, Messi oder doch Neuer?

Die Nominierten im Überblick: Sechs Fußballer in gespannter Erwartung Bild: dpa

Wer wird Weltfußballer des Jahres 2014? Wenn es ein Schlussmann schaffen kann, dann der deutsche Weltmeister Manuel Neuer. Doch selbst unter Torwart-Kollegen hat Neuer nicht nur Fürsprecher.

          Fast im Tagesrhythmus hat der Internationale Fußball-Verband (Fifa) zuletzt Interviews mit prominenten Sportlern und Trainern in Umlauf gebracht. Immer ging es um die eine Frage. Die, obwohl das Ergebnis schon feststeht, erst an diesem Montagabend (18.30 Uhr / Live bei Eurosport und ServusTV) im Rampenlicht des Züricher Kongresshauses aufgelöst wird. Wer darf sich in diesem Jahr mit dem wertvollsten Einzeltitel im größten Spiel des Planeten schmücken? Ronaldo? Messi? Oder doch Manuel Neuer?

          Den Anfang durfte vor ein paar Wochen ein Torwart machen, Gianluigi Buffon. Was der Kapitän der Squadra Azzurra und einer der besten seines Fachs zu sagen hatte, war allerdings nicht unbedingt das, was man in Deutschland gerne gehört haben wird. Eine ganze Weile räsonierte Buffon über die Aussichten seiner Zunft und grub dafür sogar tief in der Vergangenheit. Einmal, vor mehr als einem halben Jahrhundert, war schließlich ein Torhüter mit dem „Ballon d’Or“ ausgezeichnet worden, Lew Jaschin aus der Sowjetunion.

          Das allerdings schien Buffon weniger als Ehre für seine Berufsgruppe aufzufassen, sondern eher als historischen Irrtum. „Jaschin“, sagte er, „war auf jeden Fall ein Ausnahmespieler, eine grandiose Gestalt, aber ich glaube, es war auch hilfreich, dass er aus einem Land kam, aus dem man wenig wusste.“ Was Buffon meinte: Anno 1963 ging es viel um Hörensagen und weniger um eigene Anschauung, um Aura statt um Empirie.

          Heute weiß man im Fußball alles, es gibt keine Geheimnisse und Mythen mehr. Damit aber ein Torhüter den großen Preis gewinne, sagte Buffon, müsse „schon etwas ganz Außergewöhnliches geschehen“. Außergewöhnlicher offenbar als das, was Neuer im vergangenen Jahr geleistet hat. Dessen Namen erwähnte Buffon nicht einmal, als er über seine Favoriten sprach, über Ronaldo und Messi und den kleinen Unterschied.

          Wie soll so einer Weltfußballer sein?

          Wenn nicht einmal ein Torwart einen Torwart wählen würde - welche Hoffnungen darf sich Neuer überhaupt machen, von den Nationaltrainern, ihren Kapitänen sowie ausgewählten Journalisten mit den meisten Stimmen bedacht worden zu sein? Die Antwort ist, dass es keine einfache Antwort gibt. Es ist, wie man am Chor der Meinungen, die in den letzten Wochen zu vernehmen waren, erkennen konnte, zunächst eine Frage der Philosophie und der Kriterien.

          Und die sind nun einmal ganz unterschiedlich. Ein Torwart, sagen die einen, ist wie jeder Feldspieler Bestandteil einer Elf, also könne er selbstverständlich gewählt werden. Die anderen sagen: Der Mann zwischen den Pfosten tut etwas völlig anderes als seine Kollegen, und das auch noch mehr mit der Hand als mit den Füßen - wie soll so einer Weltfußballer sein? Die Antwort führt in diesem Jahr aber vielleicht doch: zu Neuer.

          Der schönste Moment: An der wichtigsten Trophäe hat Manuel Neuer schon seine Hand gehabt Bilderstrecke

          Kaum eine Woche verging zuletzt, in der die Nummer eins im deutschen Fußballtor nicht mit einem Preis dekoriert oder in irgendeine Auswahl der Besten aufgenommen worden wäre. Da war auch allerhand Tand dabei, Titel, die die Welt nicht braucht. Das eine oder andere ließ aber doch aufhorchen. So wählte das französische Sportblatt „L’Équipe“, eine Institution, nicht nur in Frankreich, Neuer in seiner Rangliste der Weltsportler des Jahres auf Platz zwei, übertroffen nur, so viel Patriotismus muss sein, vom französischen Stabhochspringer Lavillenie. Auch das mag eine Einzelmeinung sein. In Spanien geht man in diesen Tagen wie selbstverständlich von der Wahl eines Spielers aus der Primera División zum Weltfußballer aus. In England brachte eine Umfrage des „Guardian“ Ronaldo als Sieger hervor.

          Aber die „L’Équipe“ brachte nicht nur aus neutraler Position das Argument auf den Punkt, warum Neuer auch diesen Preis verdient hätte: weil er „RévolutionNEUER“ ist, wie das Blatt titelte, einer, der das Spiel und dessen Wahrnehmung verändert hat: Mit einem Torwart wie Neuer kann man anders Fußball spielen, und er hat das Glück, mit Trainern zu arbeiten, die das als Chance begreifen. Die Bewunderung der „Équipe“ stand aber auch stellvertretend für die internationale Aufmerksamkeit, man kann schon sagen: das Aufsehen, das der 28 Jahre alte Neuer im vergangenen Jahr erregte. Wobei man sich ein bisschen fragen darf, warum diese Revolution erst so spät als solche erkannt worden ist.

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