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Ballon d’Or 2014 : Weltfußballer Ronaldo - Keßler beste Frau

Cristiano Ronaldo und Nadine Keßler sind die Weltfußballer des Jahres 2014 Bild: dpa

Cristiano Ronaldo ist wieder Weltfußballer des Jahres. Weltmeister Manuel Neuer landet noch hinter Lionel Messi auf Platz drei der Wahl. Bei den Frauen und Trainern gewinnen Deutsche.

          Am Ende klang es fast ein bisschen nach „Sieg!“, was da auf der Bühne des Züricher Kongresshaus zu hören war. Es war aber eben doch portugiesischer Jubel, kein deutscher, der sich Bahn brach zum Finale der Gala des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) am Montag. Kein Tagessieg also für den Weltmeister und auch keiner für einen Torwart. Manuel Neuer musste sich damit begnügen, zwar den ersten Preis des Abends überreicht zu bekommen, als Schlussmann der von den Mitgliedern der Spielervereinigung Fifpro gewählten Weltelf, aber eben nicht den Hauptgewinn.

          Der Goldene Ball ging an Cristiano Ronaldo und bleibt somit, zumindest in seiner Kernkategorie, eine Sache, die der Portugiese und Lionel Messi unter sich ausmachen. Seit 2008 spielen diese beiden globalen Superstars den „Ballon d‘Or“ praktisch gegenseitig zu. Ronaldo, der im vergangenen Jahr mit Real Madrid die Champions League und den spanischen Pokal gewann, ging zum dritten Mal nach 2008 und 2013 als Sieger hervor.

          Natürlich waren seine 17 Tore ein außergewöhnlicher Beitrag zu Reals „Decima“, dem zehnten Sieg in der Königsklasse. Dass der Angreifer dann ausgerechnet im Finale und auch bei der WM in Brasilien infolge einer Blessur unter seinen Möglichkeiten blieb, kostete ihn offenbar keine Sympathien. Mit 37,66 Prozent der Stimmen lag er deutlich vor Messi (15,76) und Neuer (15,72).

          Der Torwart des FC Bayern, der die 4500 Kilometer vom Trainingsquartier in Doha nach Zürich per Privatjet zurückgelegt hatte, wirkte aber nicht im Geringsten verärgert, als er den Festsaal verließ – er tat das, was man am besten aus so einer Situation macht: das Positive darin zu sehen. Er sprach davon, dass es eine Anerkennung für die Torhütergilde an sich sei, überhaupt unter die besten drei gewählt worden zu sein.



          Und er war ja, das hatte Neuer immer wieder gesagt, auch nicht davon ausgegangen, dass er zum Weltfußballer gekürt werden würde. „Für mich ist das ein toller Erfolg“, sagte er. „Ich war ganz entspannt. Cristiano Ronaldo und Lionel Messi sind Weltmarken, ich habe ein phantastisches Jahr 2014 erlebt.“ Er hatte, wie er hinzufügte, auch keine Rede für den Fall des Sieges vorbereitet.

          Das wiederum war bei Joachim Löw ganz anders. Der Bundestrainer durfte mit einiger Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass er Zürich als Welttrainer verlassen würde. Und als das Votum dann publik wurde, zeigte Löw sich bestens präpariert. Der Preis, sagte er, sei „das Sahnehäubchen auf den WM-Pokal“. Er betrachte ihn aber nicht als seinen eigenen, er nehme ihn nur stellvertretend an, erklärte Löw und hob zu einer breit angelegten Danksagung an.

          Auch für Ronaldo junior gab es einiges zu sehen in Zürich Bilderstrecke

          Zunächst an „alle deutschen Trainer“, denn auch er, der Bundestrainer, sei „nichts ohne gut ausgebildete Spieler“. Über Deutschen Fußball-Bund (DFB) und Liga kam er natürlich auch zur Mannschaft, den Weltmeistern von Rio. „Ihr seid einfach Weltklasse“, ließ er sie wissen, „für mich ist es ein Riesengeschenk, dass ich mit Euch arbeiten darf.“ Und schließlich vergaß Löw auch nicht, die Mitstreiter Flick, Siegenthaler, Bierhoff und auch Klinsmann namentlich mit einzubeziehen.

          Der Eindruck täuschte nicht der deutsche Fußball nahm ziemlich breiten Raum ein in Zürich. Zum kräftigen Erscheinungsbild gehörte auch die Bestückung der Fifpro-Weltelf, der neben Neuer auch Philipp Lahm und Toni Kroos angehören. Drei Spieler hat kein anderes Land in diese Auswahl der Besten gebracht. Und dann war da ja auch noch die Abteilung Frauenfußball, die sich erwartungsgemäß als deutsche Domäne erwies. Ralf Kellermann als Trainer des Jahres und Nadine Keßler als beste Spielerin: das war ein Sieg auf ganzer Linie nicht nur für den DFB, sondern auch für den VfL Wolfsburg, der 2014 Meisterschaft und Champions League gewann.



          Zugleich aber brachten die beiden auch stille, nachdenkliche Töne in die festliche Gala, die in 180 Länder übertragen wurde. Ihre Dankesreden hielten Kellermann und Nadine Keßler eher knapp und brachten darin ihre Trauer über das Drama zum Ausdruck, das sich nur zwei Tage vorher in der Heimat abgespielt hatte, der Unfalltod des Bundesligaprofis Junior Malanda vom VfL. Es waren nicht die einzigen nachdenklichen Momente des Abends. Schon in seiner Eröffnungsrede hatte Joseph Blatter betont, dass „wir heute Abend alle ein bisschen französisch sind“.

          Und auch später, bei der Ehrung des japanischen Journalisten Hiroshi Kagawa mit dem „Presidential Award“, nahm der Fifa-Präsident Bezug auf das Massaker bei der französischen Satirezeitung „Charlie Hebdo“. „Hier sind wir alle Charlie“, sagte er. Dazu war auf den Leinwänden auf der Bühne der seit Tagen in aller Welt präsente Schriftzug der Solidarität zu sehen. So viel Realitätssinn haben die Fifa und ihr Präsident im vergangenen Jahr nicht immer bewiesen.

          Das Wahlergebnis der Fifa-Gala im Überblick

          Wahl zum Weltfußballer des Jahres

          1. Cristiano Ronaldo (Portugal/Real Madrid) 37,66 Prozent
          2. Lionel Messi (Argentinien/FC Barcelona) 15,76
          3. Manuel Neuer (Deutschland/Bayern München) 15,72

          Wahl zur Weltfußballerin des Jahres

          1. Nadine Keßler (Deutschland/VfL Wolfsburg) 17,52
          2. Marta Brasilien (Tyresö FF/FC Rosengård) 14,16
          3. Abby Wambach (USA/Western New York Flash) 13,33

          Wahl zum Welttrainer des Jahres

          1. Joachim Löw (Deutschland) 36,23
          2. Carlo Ancelotti Italien (Real Madrid) 22,06
          3. Diego Simeone (Argentinien/Atlético Madrid) 19,02

          Wahl zum Welttrainer von Frauen-Teams

          1. Ralf Kellermann Deutschland (VfL Wolfsburg) 17,06
          2. Maren Meinert Deutschland (Deutschland U-19/U-20) 13,16
          3. Norio Sasaki Japan (Japan) 13,06

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