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Nationalspielerin Babett Peter : Abschied ohne Aufschrei

Ende im Nationalteam: Babett Peter hat ihren Abschied verkündet. Bild: dpa

Eine Fußballerin, die alles gewonnen hat, beendet ihre Nationalmannschaftskarriere. Babett Peter zieht die Konsequenz aus jüngsten Nicht-Nominierungen durch Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg.

          Was war das für ein Aufschrei, als Bundestrainer Joachim Löw vor zwei Monaten Jerome Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller bei einem Besuch in München mitteilte, dass sie fortan nicht mehr eingeplant seien in der Fußball-Nationalmannschaft. Im Frauenfußball geht das dann doch deutlich leiser: Babett Peter wurde nach FAZ.NET-Informationen nicht durch einen Besuch der Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg beim deutschen Meister und Pokalsieger VfL Wolfsburg, sondern schlicht durch Nicht-Nominierungen zu den Lehrgängen im neuen Jahr signalisiert, dass ihre Zeit abgelaufen sei. Nach 118 Länderspielen wurde ihr somit klar, dass eine vierte WM-Teilnahme bei dem am 7. Juni in Frankreich beginnenden Turnier ausgeschlossen ist. 

          Die 30 Jahre alte Spielerin zog nun ohne großen Aufschrei die Konsequenzen und beendete offiziell ihre Nationalmannschaftslaufbahn. Das passt zur Art, in der Babett Peter zu einer der erfolgreichsten Fußballerinnen in der Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wurde. Sie war stets eine der Leisen, aber sie war immer als Linksverteidigerin dabei, wenn der deutsche Frauenfußball in den vergangenen zwölf Länderspieljahren Erfolge feierte. Und so ist Babett Peter neben Anja Mittag die einzige im deutschen Frauenfußball, die wirklich alles gewonnen hat, was möglich ist: 2007 wurde sie als jüngste Spielerin im Kader Weltmeisterin, 2009 trug sie zum Gewinn des Europameistertitels bei, und sie war auch dabei, als Deutschland erstmals Olympiagold gewann 2016 in Rio. Mit Turbine Potsdam hat sie die Champions League gewonnen, mit Potsdam sowie ihrem aktuellen Verein VfL Wolfsburg sieben deutsche Meistertitel und sechs DFB-Pokalsiege, je einen weiteren Erfolg kann sie in den kommenden Wochen erringen, falls der VfL seiner Favoritenrolle im Pokalfinale am kommenden Mittwoch gegen Freiburg und im Saisonendspurt der Bundesliga gerecht wird.

          „Nach zwei olympischen Medaillen und dem Gewinn des Weltmeister- sowie des Europameistertitels habe ich mich dazu entschieden, meine Laufbahn im DFB-Trikot zu beenden. Ich sehe aktuell keine sportliche Perspektive, um meine Werte und fußballerischen Qualitäten in der Frauen- Nationalmannschaft einzubringen“, wurde die 30 Jahre alte Abwehrspielerin am Freitag in einer DFB-Mitteilung zitiert. Dieser Entschluss sei ihr nicht leicht gefallen, er sei jedoch schon einige Zeit in ihr gereift, sagte die Wolfsburger Spielerin. „Ich bin sehr stolz, eine der wenigen Spielerinnen zu sein, die alle nationalen und internationalen Titel im Frauenfußball gewinnen konnten. Ich wünsche meiner Mannschaft bei der WM alles erdenklich Gute und werde natürlich die Daumen drücken."

          Ende ohne letzte Nominierung

          Die Nichtberücksichtigungen durch Voss-Tecklenburg schon bei ersten Leistungstests und auch für das Trainingslager in Marbella mit über 30 Spielerinnen und das nun besiegelte Ende im Nationalteam überraschen etwas, weil Peter während der Interimszeit von Horst Hrubesch noch zum Kader gehörte und im Oktober beim 3:1-Sieg gegen Österreich zum Einsatz kam. Ihre Routine hätte bei der WM von Wert sein können. Zudem ist Peter Stammspielerin beim Spitzenverein VfL Wolfsburg, während manche im Nationalteam derzeit gesetzte Akteurin im Ligaalltag oftmals nur auf der Ersatzbank Platz nehmen darf. Dass sie auf höchstem Niveau mithalten kann, bewies sie nicht zuletzt im Champions-League-Halbfinale gegen Olympique Lyon, auch wenn der VfL dem Titelverteidiger unterlag.

          Noch im Januar hatte sie in hatte Peter in einem Interview auf der Wolfsburger Homepage während des Wintertrainingslagers ihre Enttäuschung über die Nichtberücksichtigung beim ersten Lehrgang unter Voss-Tecklenburg zum Ausdruck gebracht. „Es hatte nichts darauf hingedeutet, dass ich nicht nominiert werde“, sagte sie damals und gab an, selbst die Initiative ergriffen und die Bundestrainerin angerufen zu haben für ein klärendes Gespräch. Damals betonte sie, dass sie nach dem Telefonat zuversichtlich und selbstbewusst genug sei, sich im Nationalteam-Kader zu sehen.

          Setzt nicht mehr auf Babett Peter: National-Trainerin Martina Voss-Tecklenburg

          Freilich kann Voss-Tecklenburg auch zurecht darauf verweisen, dass sie derzeit einige Alternativen für Peters Position in der Defensive besitzt und der Verzicht aus ihrer Sicht sportlich auch begründbar ist, zumal Peters etwas an Geschwindigkeit zu verloren haben scheint in den vergangenen Jahren. Zudem sollte aufgrund der Mitarbeit von Assistentin Britta Carlson, die vor dem Wechsel zum DFB im vergangenen Jahr mehr als ein Jahrzehnt lang als Spielerin und Assistentin in Wolfsburg tätig war, dem Trainerstab bekannt sein, inwiefern Peters als Charakter geeignet ist für einen Platz im WM-Kader, auch wenn sie dann womöglich vornehmlich als Ersatzspielerin eingeplant worden wäre.

          Spielplan, Ergebnisse, Termine der Frauenfußball-WM 2019

          So anständig sich Peter verabschiedet, so muss aber wenigstens ein Satz als kleiner Seitenhieb auf die Bundestrainerin verstanden werden. „Respekt, Kommunikation und das Einbringen meiner Persönlichkeit sind und waren mir in meiner sportlichen Karriere zudem sehr wichtig“, wird sie vom DFB zitiert. Wenigstens ein Abschiedsbesuch wie jener von Löw bei den Bayern-Nationalspielern hätte es dann wohl sein dürfen.

          Stattdessen bleibt es bei freundlichen Worten zum Abschied. „Als ehemalige Spielerin kann ich gut nachvollziehen, wie schwer einem dieser Entschluss fällt und wie wohl überlegt er sein muss. Babett gilt deshalb mein Respekt für ihre Entscheidung. Sie hat in ihrer Karriere Herausragendes geleistet und eine beeindruckende Zahl von Titeln geholt“, sagt Martina Voss-Tecklenburg gemäß der DFB-Mitteilung. Und die Gelegenheit zum persönlichen Gespräch ergibt sich alsbald. Am kommenden Mittwoch beim DFB-Pokalendspiel laufen sich Peter und Voss-Tecklenburg zwangsläufig über den Weg.

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