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Auslosung in Bukarest : „Hammer-Gruppe“ für Deutschland bei EM 2020

  • Aktualisiert am

Am 16. Juni startet die EM auch für Deutschland und Bundestrainer Joachim Löw. Bild: Reuters

Das Fußball-Nationalteam kennt zwei der drei Gegner in der Vorrunde der EM 2020. Die Elf von Bundestrainer Löw erhält eine sehr schwere Gruppe und trifft in München auf Weltmeister Frankreich und Europameister Portugal.

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          Joachim Löw lächelte ein wenig gequält, als die Hammer-Gruppe bei der EM besiegelt war. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bekommt es im kommenden Sommer gleich in der Gruppenphase mit Weltmeister Frankreich und Titelverteidiger Portugal zu tun. Die Équipe tricolore und das Team von Superstar Cristiano Ronaldo wurden dem Team von Bundestrainer Joachim Löw am Samstag als Kontrahenten in die Gruppe F zugelost. Der dritte deutsche EM-Gegner wird erst am 31. März nach Ende der Playoff-Partien feststehen. Sieben Optionen gibt es noch. Das Eröffnungsspiel bestreiten Italien und die Türkei am 12. Juni (21.00 Uhr) in der Gruppe A im Olympiastadion von Rom.

          „Mit diesen Spielen können wir gleich Fußball Fieber in Deutschland entfachen. Das ist ein Hammer-Los“, sagte DFB-Präsident Fritz Keller und DFB-Direktor Oliver Bierhoff fügte hinzu: „Wir gehen sicherlich nicht als Favorit in die Gruppe. Wir haben es am schwierigsten angetroffen. Das wird für unsere junge Truppe eine große Herausforderung. Ich hoffe, dass durch unseren Heimvorteil ein Schub entsteht.“ Auch der Bundestrainer äußerte sich: „Das ist eine Hammer-Gruppe, klar. Jeder muss in der Gruppe ans Limit gehen, um eine Chance zu haben, in die K.o.-Runde zu kommen. Ich freue mich“, sagte Löw.

          „Bei der Klasse unserer Gegner müssen wir direkt Leistung bringen“, sagte Frankreichs Weltmeister-Trainer Didier Deschamps. „Es ist die schwerste aller sechs Gruppen, wir kennen die Qualität der Gegner, wir haben schon oft genug gegen Deutschland und Portugal gespielt. Sie werden aber auch nicht besonders glücklich sein, Frankreich in ihrer Gruppe zu haben.“ Lucas Hernandez, Franzose vom FC Bayern äußerte sich ähnlich: „Gegen Deutschland in München zu starten, ist großartig. Das wird nicht leicht, aber um weit zu kommen, musst du die Besten schlagen. Sie sollten die sein, die Angst haben: Wir sind Frankreich, wir sind die Weltmeister. Wir haben Respekt, aber wir haben nie Angst auf dem Platz.“

          Für Manuel Neuer und Co. beginnt das Turnier mit dem ersten von drei Heimspielen am 16. Juni (21.00 Uhr) in der Allianz Arena gleich mit dem Kracher gegen die Franzosen. In der Nations League hatte es zuletzt ebenfalls in München ein 0:0 und in Paris ein 1:2 gegen das Starensemble um Kylian Mbappé und Antoine Griezmann gegeben. Bei der letzten EM 2016 besiegelten die Franzosen 2016 in Marseille das deutsche Turnier-Aus im Halbfinale (0:2). Vier Tage später geht es am 20. Juni (18.00 Uhr) gegen Portugal. Für dieses Los hatte ausgerechnet Löws Weltmeister-Kapitän Philipp Lahm gesorgt. An den Titelverteidiger hat Löw aber gute Turnier-Erinnerungen. Bei der EM 2012 (1:0) und auf dem Weg zum WM-Titel 2014 (4:0) gab es Vorrundensiege.

          Unklar ist weiterhin, gegen wen Deutschland sein drittes Gruppenspiel am 24. Juni (21.00 Uhr) bestreitet. Sieben Optionen gibt es noch. Gewinnt Island, Bulgarien oder Ko-Gastgeber Ungarn den Playoff-Pfad A, ist dieses Team in der deutschen Gruppe. Setzt sich dort aber Rumänien durch, wird definitiv ein EM-Neuling zum Löw-Kontrahenten. Da Rumänien als Ko-Gastgeber in die Holland-Gruppe muss, würde der Sieger des Pfades D in die DFB-Gruppe kommen: Georgien, Nordmazedonien, Kosovo oder Weißrussland sind dann die Kandidaten.

          Auch ohne Kenntnis über alle Kontrahenten kann Löw nun in die weiteren konkreten EM-Planungen einsteigen, wie er schon vor der Auslosung angekündigt hatte. Für den Rekord-Bundestrainer ist es bereits die vierte EM-Endrunde. Auf diese Marke kommt keiner seiner Vorgänger. 2008 führte er Michael Ballack und Co. ins Endspiel gegen Spanien (0:1). 2012 und 2016 setzte es unnötige Niederlagen in den Halbfinals gegen Italien (1:2) und Frankreich (0:2). Der EM-Titel gelang noch nicht.

          Die Erwartungen hält Löw nach dem WM-Desaster 2018 und dem folgenden Umbruchjahr trotz der souveränen EM-Qualifikation als Gruppensieger vor Holland bewusst gering. „Ich würde es vielleicht mal ein bisschen vergleichen mit der jungen Mannschaft 2010, die auch kurz vor dem Turnier zusammengefunden hat. Ich denke jetzt nicht, dass wir zu den absoluten Topfavoriten gehören“, sagte er vor der Auslosung.

          Auf dem Weg zum Titel hält der Turniermodus viele Routen quer durch Europa bereit. Als Gruppensieger würde Löw im Achtelfinale nach Bukarest zurückkehren und dann via St. Petersburg Richtung Halbfinals und Endspiel am 12. Juli in London weiterziehen wollen. Als Gruppenzweiter könnte es zu einem emotionalen Achtelfinale in Dublin gegen die stark eingeschätzten Engländer kommen. Nächste Station wäre dann Rom vor der erhofften London-Reise. Auch als Gruppendritter ist das Weiterkommen möglich, wenn mindestens zwei andere Drittplatzierte schlechter sind. Dann wären Bilbao/München oder Budapest/Baku die Spielorte für die ersten beiden K.o.-Runden.

          Von Ende Mai an wird Löw seinen Kader in Seefeld in Tirol auf das Turnier vorbereiten. Fix ist nun ein Test in Basel gegen die Schweiz während des Trainingslagers. Ein weiterer Kontrahent für die EM-Generalprobe soll in Kürze bekanntgegeben werden. Bereits vereinbart ist ein Gastspiel im März in Madrids Estadio Santiago Bernabeu gegen Spanien, das wie Deutschland mit je drei Turniererfolgen EM-Rekordsieger ist. Da Portugal in die deutsche Gruppe F gelost wurde, fällt der Europameister als weiterer Gegner weg. „An Portugal waren wir dran. Deswegen müssen wir uns jetzt anders orientieren. Wir haben noch ein paar Optionen", sagte Löw nach der Auslosung. Als Gegner ist nun der WM-Dritte Belgien im Gespräch.

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