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Aus für U 21 : Auftrag erfüllt, Qualifikation verspielt

  • Aktualisiert am

Techniktraining statt Olympiaqualifikation: „Aufsteiger” Trochowski Bild: REUTERS

Als die EM- und Olympia-Teilnahme verspielt war, brach bei der U 21 der geballte Ärger über den „Fall Trochowski“ aus. Trainer Dieter Eilts grummelte: „Wenn ein Spieler den Sprung in das A-Team schafft, hat man den Auftrag erfüllt.“

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          Als die EM- und Olympia-Teilnahme verspielt war und eine ganze Generation deutscher Fußball-Junioren den Rückzug antreten mußte, brach der geballte Ärger über den Fall Trochowski aus. „Piotrs Ausfall tat weh. Er hat uns an allen Ecken und Kanten gefehlt. Der Zeitpunkt, ihn nach oben zu ziehen, war unglücklich“, schimpfte Torhüter Michael Rensing nach dem 0:2 (0:0) der U 21 im Rückspiel der EM-Playoffs gegen England.

          „Das wird alle Spieler dieser Mannschaft sicher ganz stark ärgern. Er war ein Führungsspieler, und die EM-Teilnahme oder die Qualifikation für Olympia hätte allen sehr gut getan“, räumte auch Matthias Sammer, Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), ein. Dennoch sei der Aufstieg eines Leistungsträgers auch vor solch wichtigen Spielen nachvollziehbar. „Eines ist nicht diskutabel: Wenn ein Spieler die Möglichkeit hat, für die A-Elf zu spielen, muß das völlig selbstverständlich sein“, erklärte Sammer.

          Auftrag erfüllt, Qualifikation verspielt

          An den Gesichtern der Spieler war die Enttäuschung abzulesen. Trainer Dieter Eilts grummelte unterdessen mißmutig in sein Mikrofon. „Es gibt zwei Aufträge: Die individuelle Förderung und die Förderung der Mannschaft. Wenn ein Spieler den Sprung in das A-Team schafft, hat man den Auftrag erfüllt“, meinte Eilts, gestand aber: „Ob es in mir nicht anders aussieht, ist eine andere Frage. Für die Spieler ist es unglaublich schade.“

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          Mit dem ersten Sieg gegen den Erzrivalen seit 1987 hätte sein Team die Diskussion verstummen lassen können. Denn selbst nach den Nackenschlägen durch die Rote Karte von Markus Brzenska (13., Eilts: „Ich dachte an ein Wort mit Sch...“) und einen von Gonzalo Castro verschossenen Foulelfmeter (23.) hatten sich die deutschen Junioren nicht beirren lassen und aufopferungsvoll gekämpft. „Schade, schade, schade. Die Mannschaft hat alles gegeben. Man kann wirklich nur unsere Chancenverwertung kritisieren“, sagte ein enttäuschter DFB-Präsident Theo Zwanziger.

          Letztes Spiel für zwei ganze Jahrgänge

          Englands Supertalent Theo Walcott sorgte mit einem Doppelschlag (84./90.+2) für die endgültige Entscheidung zugunsten der „Three Lions“. Nach dem Aus stehen der U21 nun zwei Jahre ohne Turnier und damit ein radikaler Umbruch bevor. „Es hat keinen Sinn, jetzt noch auf Spieler der Jahrgänge 1984 und 1985 zu setzen. Für sie alle war es heute das letzte Spiel“, erklärte Eilts.

          Damit stehen nur noch zwölf Spieler des 21-köpfigen Kaders zur Verfügung, unter anderem scheiden beide Torhüter, Kapitän Stefan Kießling, der komplette Sturm und die etatmäßige Viererkette aus. Auch deshalb herrschte im deutschen Lager nach dem Abpfiff Fassungslosigkeit. Kießling starrte im Mittelkreis regungslos in den Leverkusener Nachthimmel, Eugen Polanski geisterte noch Minuten nach Spielende alleine über den Rasen, und Castro war kaum zu beruhigen.

          Engländer erheben Rassismus-Vorwürfe

          Eilts war als Trostspender gefragt: „Ich habe heute eine exzellente Leistung der Mannschaft gesehen. Sie hat mit Herz, Leidenschaft und geradezu unglaublichem Engagement gespielt.“ In der Stunde der Niederlage wahrte Eilts Haltung und gratulierte seinem Gegenüber Peter Taylor. Der Ex-Nationalspieler schaffte in seinem letzten Auftritt als Coach der U21 den Sprung zur EM-Endrunde. Fortan konzentriert er sich auf seinen Job als Trainer des Zweitligisten Crystal Palace.

          Offenbar war es mit der Harmonie auf dem Feld aber nicht weit her. Die dunkelhäutigen englischen Verteidiger Micah Richards und Anton Ferdinand erhoben schwere Vorwürfe gegen die deutsche Auswahl. „Zwei Spieler haben berichtet, daß sie Opfer rassistischer Schmähungen deutscher Spieler geworden seien“, hieß es in einer Stellungnahme des englischen Verbandes FA.

          Der DFB kündigte an, die Vorwürfe genau zu prüfen. „Wir nehmen die Vorwürfe genauso ernst wie bei anderen Vorkommnissen dieser Art und prüfen sie deshalb auf ihren Wahrheitsgehalt“, erklärte Mediendirektor Harald Stenger. Kapitän Kießling habe nach Befragen durch den DFB-Delegationsleiter Wolfgang Holzhäuser nach dem Spiel erklärt, derartige Vorfälle nicht bemerkt zu haben. Laut Stenger wurde Trainer Dieter Eilts beauftragt, die Spieler zu den Vorwürfen zu befragen.

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