https://www.faz.net/-gtl-aawjf

Aus für die Super League : Ein Sieg – keine Vision

Nach zwei turbulenten Tagen schon wieder Geschichte: Die europäische Superliga wird (vorerst) doch nicht gegründet. Bild: Reuters

Die Super League ist tot, es lebe die Champions League! So jubelt die Uefa. Aber nur sie. Denn der Fußball steckt auch ohne das spektakulär gescheiterte Projekt weiter in einer Sackgasse.

          2 Min.

          Die große Freude von Millionen Fans und des Fußball-Establishments, den Milliarden-Angriff vornehmlich aus Amerika auf das europäische Fußballsystem und seine Traditionen kraftvoll abgewehrt zu haben, ist verständlich.

          Ein Sturm der Entrüstung und große Entschlossenheit der englischen Politik und des europäischen Verbandes haben diesem armselig vorbereiteten Plan ein verdientes Ende gemacht. Ein Wettbewerb, der als weitgehend geschlossene Gesellschaft sämtliche Strukturen beschädigt hätte, die den Fußball mit seinen nationalen und internationalen Klubwettbewerben tragen und legitimieren, konnte keine Lösung für den größten Sport in Europa sein.

          Fußball in der Sackgasse

          Die Super League ist tot, es lebe die Champions League! So jubelt nun die Europäische Fußball-Union. Aber nur sie. Denn die gerade reformierte Champions League ist keine gute Lösung für den Fußball, im Gegenteil. Diese Reform ist nur die Fortsetzung einer Entwicklung, die seit mehr als einem Jahrzehnt den europäischen Profifußball in eine Sackgasse geführt hat.

          Wenigen Gewinnern – zu denen ausgerechnet diejenigen Klubs gehören, die dieses System gerade in Richtung Super League verlassen wollten – stehen viel zu viele Verlierer gegenüber: nationale Ligen, die seit vielen Jahren nur noch einen Meister kennen. Aufgeblähte internationale Wettbewerbe, die viele mittelmäßige Spiele sowie erschöpfte und verletzte Stars produzieren. Millionen Zuschauer, die Topfußball erst nach monatelangen, ermüdenden Qualifikationen zu sehen bekommen.

          Um es kurz zu machen: Das aktuelle europäische Fußballsystem funktioniert nicht. Es produziert nicht den Topfußball, den es produzieren könnte. Es produziert vor allem Geld für wenige. Die Europäische Fußball-Union hat weder mit der Reform der Champions League noch mit einer immer weiter aufgeblasenen Europameisterschaft ein Format entwickelt, das in die Zukunft weist.

          Bei ihrer Einführung in den frühen neunziger Jahren konnte die Champions League dies noch von sich behaupten. Doch den veränderten Wünschen und Ansprüchen in völlig veränderten Medienzeiten wird dieser Wettbewerb gerade für jüngere Zuschauer vor ihren Endgeräten (aber auch älteren auf dem Sofa) immer weniger gerecht. Wer heute einschaltet und dafür Geld ausgibt, wünscht sich das ganze Jahr über Fußball von höchster Qualität. Und nicht, dass sich ein Massenprodukt nur im Frühjahr mit dem Beginn der Viertelfinals in ein Topprodukt verwandelt.

          Das atemraubend dilettantisch organisierte und kommunizierte Projekt Super League hat mit seinem krachenden Scheitern auch allen Bestrebungen, die Qualität von Fußball-Wettbewerben zu erhöhen und ein Eliteprojekt im besten Sinne zu etablieren, enormen Schaden zugefügt. In den kommenden Jahren, so steht zu befürchten, wird niemand mehr die Kraft und den Mut haben, einen Spitzenwettbewerb zu gründen, der eine europäische Topliga im offenen Wettstreit ermöglicht. Der Sieg über die Super League, die zumindest dieses Problem erkannt hatte, ist auch ein Eigentor für die Zukunft des europäischen Klubfußballs.

          Michael Horeni
          Fußballkorrespondent Europa in Berlin.

          Weitere Themen

          Corona wechselt nach Sevilla

          Fußball-Transferticker : Corona wechselt nach Sevilla

          Mexikaner mit besonderem Namen verlässt Porto +++ Sampdoria wechselt den Trainer +++ Traoré geht nach Lotte +++ Schalke holt Nationalspieler +++ Pandemie belastet Transfermarkt +++ Alle Infos im Transferticker.

          Topmeldungen

          Foto von einer Zeremonie zum Start von Nord Stream 2 im Jahr 2010 in Russland

          Naftogaz-Chef zu Nord Stream 2 : „Ich glaube, dass Putin blufft“

          Der Chef des ukrainischen Energiekonzerns Naftogaz spricht über Deutschlands Abhängigkeit von russischem Gas und warnt vor der Pipeline Nord Stream 2. Zudem erklärt Yuriy Vitrenko, warum er in dieser Situation auf die Energiewende hofft.
          Elisabeth Winkelmeier-Becker im Bundestag

          Interview über Paragraph 219a : „Es gibt kein Informationsdefizit“

          Die Vorsitzende des Rechtsausschusses Elisabeth Winkelmeier-Becker kritisiert, dass die Ampel das Verbot der Werbung für Abtreibungen streichen will. Ein Gespräch über die Rechte von Müttern und den Schutz des ungeborenen Lebens.