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0:1 in Liverpool : Augsburg schlägt sich an der Anfield Road tapfer

Starker Kampf: Augsburgs Tobias Werner im Zweikampf mit Liverpools deutschem Nationalspieler Emre Can Bild: AP

Der FC Augsburg ist aus der Europa League ausgeschieden – hat sich bei der Abenteuerreise an die Liverpooler Anfield Road aber viel Respekt erspielt. Mit etwas Glück hätte der FCA den frühen Rückstand egalisiert und Jürgen Klopp große Probleme beschert.

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          Versucht haben sie am Ende alles, aber es hat nicht ganz gereicht. Im „wichtigsten Spiel der Vereinsgeschichte“ hat der FC Augsburg 0:1 beim FC Liverpool verloren und ist damit nach dem 0:0 aus dem Hinspiel aus der Europa League ausgeschieden. Das Tor des Tages war beinahe beiläufig gefallen – Milner nutzte nach fünf Minuten einen Handelfmeter, nachdem dem Augsburger Kohr der Ball an den Arm geprallt war.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Danach hatten sich die Engländer eine Fülle an Torchancen erspielt, aber weil sie davon keine einzige nutzen konnten, musste der große FC Liverpool gegen den kleinen FC Augsburg bis zum Abpfiff um das Weiterkommen bangen. „Der Elfmeter war unglücklich, aber es in diesem Stadion bis zur letzten Sekunden spannend zu halten, ist eine große Leistung. Wir können alles stolz auf diese Saison in der Europa League sein“, sagte der Augsburger Trainer Markus Weinzierl, der wie die gesamte Mannschaft nach dem Abpfiff trotz des Ausscheidens von den mitgereisten Fans frenetisch gefeiert worden war.

          Klopp fürchtete Konzentrationsverlust

          Zwei Sorgen hatten den Liverpooler Trainer Jürgen Klopp vor dieser Partie beschäftigt, und beide hatten mit dem Ligapokal-Finale am Sonntag gegen Manchester City zu tun. Schließlich ist ganz Liverpool davon beseelt, dass die „Reds“ mal wieder eine Trophäe gewinnen können, und weil dieses englische Finale so im Fokus steht, schien die Europa League an Bedeutung zu verlieren. Da drohte Konzentrationsverlust, und natürlich bestand darüber hinaus auch die Gefahr, dass es an diesem Abend mal wieder zu Überstunden kommen könnte.

          Ein Bild fürs Augsburger Geschichtsbuch: Die Teams vor dem Anpfiff an der Anfield Road Bilderstrecke
          Ein Bild fürs Augsburger Geschichtsbuch: Die Teams vor dem Anpfiff an der Anfield Road :

          Der FC Liverpool hatte in dem an Wettbewerben und Partien nicht armen englischen Fußball zum Leidwesen seines Trainers zuletzt jede Chance zu Verlängerungen oder Wiederholungsspielen genutzt. Zumindest diese Möglichkeit war jedoch nach dem 0:0 im Hinspiel schon nach fünf Minuten dahin – dem Augsburger Dominik Kohr war im Anschluss an eine Ecke der Ball an den Arm gesprungen. Schiedsrichter Turpin entschied auf Elfmeter, und Milner ließ sich diese Gelegenheit nicht entgehen.

          Nervosität in Anfield

          War es die Nervosität, hatten sie vielleicht zuvor ein paar Mal zu oft davon geredet, dass ein Augsburger Spiel in Liverpool ungefähr so etwas wäre wie „Weihnachten und Ostern an einem Tag“? Zumindest waren die Schwaben im Anschluss an diesen Rückstand in der Abwehr von einer Verlegenheit in die andere gefallen. Coutinho, Firmino und Sturridge spielten immer wieder gute Möglichkeiten heraus, um den beruhigenden zweiten Treffer zu erzielen, und im Wege stand in der Regel immer Marvin Hitz.

          Der Schweizer Torhüter war mit an die Anfield Road gereist, obwohl seine Frau in diesen Tagen ein Kind erwartet, und da er schon so viel persönlichen Einsatz gezeigt hatte, schien er auch auf dem Platz zu besonderen Leistungen motiviert. „Man braucht Glück und einen guten Torwart, und beides hatten wir“, sagte Weinzierl.

          Liverpool aber bot trotz aller Gefahr, die von der gefälligen Offensive ausging, durchaus ein diffuses Bild, denn die Abwehr der Engländer erfüllte wie schon im Hinspiel keineswegs hohe Ansprüche. Obwohl sich der FCA zu selten und meistens zu zaghaft nach vorne bewegte, reichte auch das schon, um die Liverpooler Defensive zuweilen in Schwierigkeiten zu bringen.

          Stafylidis probierte es mit einem gefährlichen Distanzschuss, doch Wegbereiter der größten Augsburger Chance war der Liverpooler Rechtsverteidiger Lucas. Dessen schludriges Rückspiel auf Mignolet erahnte Caiuby zwar, wurde dann aber vom Liverpooler Torhüter zu weit nach außen abgetrieben – der Brasilianer traf nur das Außennetz.

          Das Geschehen änderte sich auch nach dem Wechsel lange Zeit nicht. Liverpool versuchte, Augsburg weit entfernt vom eigenen Tor zu halten, und die Schwaben bemühten sich weiterhin vergeblich um einen besseren Spielaufbau. „Wir hätten die Partie in den ersten siebzig Minuten angesichts der Chancen entscheiden müssen, aber so ist der Fußball manchmal“, sagte Klopp. Je länger es nur 1:0 stand, desto spürbarer war die Gefahr, die für Liverpool von diesem Ergebnis ausging. An Hitz war nämlich weiterhin kein Vorbeikommen, und deswegen war die Chance vorhanden, dass die Augsburger mit dem Ausgleichstreffer für die Überraschung sorgen könnten und den großen FC Liverpool aus dem Wettbewerb befördern würden.

          Torjäger Bobadilla, von seiner Oberschenkelverletzung aus dem Hinspiel in Rekordzeit genesen, kam unter dem Jubel der Augsburger Anhänger in der 70, Minute, später auch noch Moravek und Shawn Parker. Und auch die eine große Chance, die es in solchen Spielen dann immer noch gibt, kam natürlich noch. Kostas Strafylidis, der Grieche mit dem mächtigen Schuss, versetzte ganz Liverpool einen Schrecken, als sein Freistoß (87.) knapp am rechtn Pfosten vorbeiflog.

          „Am Ende haben wir die Kontrolle verloren über die Partie, aber da sind wir nicht die einzige Mannschaft, der so etwas passiert. Wir haben noch einen weiten Weg vor uns, aber für heute bin ich sehr zufrieden. Der Sieg war verdient, und es hat sich keiner verletzt, mehr geht nicht“, sagte Klopp. Und nun kann sich endgültig ganz Liverpool auf das Finale am Sonntag konzentrieren.

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