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Auflösung der Task Force : Die Anti-Rassismus-Show der Fifa ist zu Ende

Kevin-Prince Boateng mit der Kommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, im März 2013 vor den Vereinten Nationen in Genf Bild: AFP

Der Kampf des Weltfußballverbandes gegen Rassismus begann mit einer fulminanter Rede von Kevin Prince-Boateng – und ist nun sanft entschlafen. Nicht nur mit Blick auf die WM 2018 in Russland ist das ein falsches Signal.

          Aus der Gründung der Task Force, die im Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung im Internationalen Fußball-Verband (Fifa) vor drei Jahren ins Leben gerufen wurde, hatte Joseph Blatter eine echte Show gemacht. Am 21. März 2013, dem internationalen Tag gegen Rassismus, hatte Kevin-Prince Boateng vor den Vereinten Nationen in Genf eine vielbeachtete Rede gehalten – und zeitgleich präsentierte die Fifa in Zürich ihre Task Force.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Zwei Monate zuvor hatte der gebürtige Berliner bei einem Testspiel des AC Mailand nach rassistischen Beleidigungen den Platz verlassen und so den Abbruch des Spiels herbeigeführt, weil ihm seine Mannschaftskameraden in die Kabine gefolgt waren. Der Spielabbruch machte weltweit Schlagzeilen. Als Boateng dem Fifa-Präsidenten im März dann seine Aufwartung in der Verbandszentrale machte, hatte er für Blatter ein Trikot des AC Mailand dabei, und Blatter revanchierte sich mit einem Fifa-Präsidenten-Wimpel - und ernannte Boateng zum ersten Mitglied der Task Force gegen Rassismus und Diskriminierung.

          „Mandat wurde unserer Meinung nach erfüllt“

          Das Ende der Fifa-Renommiergruppe ist nun deutlich unspektakulärer über die Bühne gegangen. In den vergangenen Tagen haben die Mitglieder ein Schreiben der Fifa erhalten, in dem ihnen mitgeteilt wurde, dass die Gruppe ihre „temporäre Mission erfüllt“ habe. Und die Task Force hiermit aufgelöst sei. „Die Task Force hatte ein sehr spezielles Mandat, das unserer Meinung nach erfüllt wurde. Ihre Empfehlungen sind nun in ein starkes Programm eingeflossen“, sagte Fifa-Generalsekretärin Fatma Samoura in Manchester. Künftig würden diese Themen innerhalb der Fifa-Administration behandelt, kündigte die in diesem Jahr zur ersten weiblichen Führungskraft in der Fifa aufgestiegene ehemalige UN-Diplomatin an.

          Der frühere Fanforscher Gerd Dembowski, bei der Fifa mittlerweile zuständig als „Corporate Social Responsibility Programme Manager (for Equality and Anti-Discrimination)“ teilte mit, dass alle Empfehlungen der Task Force implementiert worden seien und alle daraus entstandenen Projekte weiterliefen.

          Die Zufriedenheit der Fifa, wie sie mit dem Rassismus-Problem umgeht und mit ihrer Task Force verfährt, stößt in der Fußballwelt allerdings nicht gerade auf ungeteilte Zustimmung. „Als ich den Brief der Fifa erhalten habe, war ich sehr enttäuscht“, teilt Yaya Touré, der 33 Jahre alte ivorische Profi von Manchester City und Gründungsmitglied der Task Force mit. „Der Brief führt die gute Arbeit auf, die aus den Vorschlägen und Empfehlungen der Task Force entstanden sei. Nachdem es über Dekaden nicht ausreichend gelungen war, mit dem Problem des Rassismus umzugehen, lautet meine Frage: Warum jetzt die Dinge stoppen, wenn gerade etwas anfängt zu funktionieren?“ Das ergebe keinen Sinn. „Ist die Fifa selbstgefällig vor der Weltmeisterschaft in Russland?“, fragt Touré, der 2013 in Russland bei einem Champions-League-Spiel mit Manchester durch Affenlaute von Moskauer Fans selbst beleidigt wurde. „Wenn wir uns bei der WM nicht sicher fühlen, kommen wir nicht nach Russland“, sagte er damals.

          In neun Monaten beginnt in Russland der Confederations Cup, das Vorläuferturnier zur Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer 2018. Rassismus ist im russischen Fußball ein großes, seit Jahren wachsendes Problem. Jüngste Untersuchungen haben gezeigt, dass rassistische Zwischenfälle mit russischen Anhängern zunehmen, aber kaum bestraft werden. In der Saison 2014/15 wurden demnach 92 Vorfälle in und um russische Stadien verzeichnet, in den beiden vorherigen Jahren zusammen waren es 83. „Diese Entscheidung fällt in eine Zeit, in der es offensichtlich ist, dass Diskriminierungen, Vorurteile und Hass in entwickelten Gesellschaften ansteigen, aber auch in anderen Gesellschaftsformen überall auf der Welt. Der Fußball sollte nach Wegen suchen, solche Entwicklungen zu bekämpfen“, kritisiert die britische Anti-Diskriminierungs-Kampagne „Kick It Out“ die Entscheidung der Fifa.

          Fifa-Generalsekretärin Fatma Samoura: „Die Task Force hatte ein sehr spezielles Mandat“

          Das frühere Task-Force-Mitglied Osasu Obayiuwana warnt den Weltverband davor, im Kampf gegen Diskriminierung nachzulassen. „Rassismus bleibt ein brennendes und zentrales Problem, das nach permanenter Aufmerksamkeit verlangt.“ Von einer intensiven Arbeit der Task Force habe laut Obayiuwana aber schon zuletzt keine Rede mehr sein können. Nachdem der erste Vorsitzende des Gremiums, Jeffrey Webb, im Mai 2015 in Zürich zusammen mit anderen Kollegen im Zuge des Fifa-Skandals verhaftet worden war, hatte Constant Omari die Führung der Task Force übernommen. „Wir hatten kein einziges Meeting unter seiner Leitung“, sagt Obayiuwana. „Ich habe ihm mehr als einmal geschrieben, aber ich habe nie eine Antwort erhalten.“ Die Fifa-Generalsekretärin machte die Tatenlosigkeit der Task Force unter Omari hingegen zu ihrem Argument. Wenn ein Gremium nicht mehr zusammenkomme, so Frau Samoura, dann könne man es auch schließen.

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