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Aufklärung im Fußball-Weltverband : Fifa-Leute im IOC-Check

  • -Aktualisiert am

„Blatter hat den Willen zu reformieren”: IOC-Präsident Rogge lobt den Fifa-Kollegen Bild: dpa

IOC-Präsident Jacques Rogge stellt sich hinter Joseph Blatter. Auf dem Weg zur Aufklärung könnte die Fifa auch die olympischen Top-Juristen gebrauchen. Schließlich haben sie schon bewiesen, dass sie erfolgreich zupacken können.

          3 Min.

          Issa Hayatou beschleunigt seinen Schritt. Nein, sagt er, er wolle kein Wort sagen zu der Untersuchung gegen ihn. „Ich weiß nichts.“ Schon gar nicht gegenüber Journalisten. „Behaupten Sie einfach weiter, ich sei ein Dieb“, ruft er und ist schon ein ganzes Stück weiter gelaufen. Der Präsident der Konföderation der afrikanischen Fußballverbände (AFC) ist zur Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) nach Durban gekommen.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Er hat am Mittwoch bei der Vergabe der Olympischen Winterspiele 2018 mit gestimmt und verfolgt noch bis zu diesem Samstag die Session, obwohl die Ethik-Kommission des IOC gegen ihn ermittelt. Der hochrangige Fußballfunktionär aus Kamerun, Vizepräsident der Fifa, ist gleichzeitig IOC-Mitglied, und das ist in diesem Fall sein Pech.

          Gleich in zwei Enthüllungen ist Hayatous Name genannt worden – bei der Anhörung vor einem Ausschuss des britischen Unterhauses, wo die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 thematisiert wurde, und in einer Sendung der BBC, die alte Schmiergeld-Geschichten im Zusammenhang mit der Rechtevergabe durch die Firma ISL in den achtziger Jahren aufwärmte. Immer wieder geht es um die Aktivitäten von Qatar, um den Zuschlag von 2022 zu bekommen.

          „Blatter hat den Willen zu reformieren“

          In diesem Zusammenhang hat Hayatous Konföderation sogar bestätigt, 1,8 Millionen Dollar Zuschuss vom Golfstaat für ihren Kongress erhalten zu haben. Keine Bestechung? Die Olympier halten die Sache für untersuchenswert. Genau wie die Vorwürfe an den 95 Jahre alten ehemaligen Präsidenten Joao Havelange, der es vorzog, der Session fernzubleiben. Die Fifa ermittelt nicht.

          Die Relationen haben sich verändert, seit Fifa-Präsident Joseph Blatter, der selbst IOC-Mitglied ist, in einer redseligen Stunde im Januar, am Rande des Asien Cup in Doha, dem IOC das Finanzgebaren einer Hausfrau attestierte. Lieber Hausfrau als Mafia, könnte ein Verteidiger des IOC darauf antworten, seit klar ist, dass etwa die Hälfte des Fifa-Exekutive unter Korruptionsverdacht steht. Aber für solche Ausfälle sind Olympier zu fein, zumal die Parallelen und gegenseitigen Abhängigkeiten viel zu groß sind.

          So zeigte sich IOC-Präsident Jacques Rogge solidarisch. In Durban stellte er sich hinter Blatter – obwohl der Fußballpräsident es vorzog, nach der Entscheidung über die Winterspiele 2018 nach Mexiko weiter zu reisen, wo die Fußballjugend ihre WM austrägt. „Er hat den Willen zu reformieren“, bescheinigte er seinem Kollegen. „Er sucht sich Hilfe von außen, und das ist, glaube ich, der richtige Weg.“

          „Sie muss die Situation lösen, das ist klar“

          Auch die olympischen Top-Juristen könnten auf dem Weg zur Aufklärung und einer Strukturreform gebraucht werden, da viele Führungsfiguren der Fifa selbst umstritten sind. Sie stehen bereit. Schließlich haben sie während ihres hausgemachten Skandals 1999 bewiesen, dass sie erfolgreich zupacken können. Denis Oswald, einer dieser SpitzenJuristen des IOC und einst Mitglied der Reformkommission, fühlt sich als Chef der Vereinigung der Olympischen Sommersportverbände sogar zuständig. „Wenn ich als Präsident die Möglichkeit habe, einem Mitglied zu helfen, werde ich das gerne tun.“ Nach dem, was passiert sei, werde Blatter sicher bereit zu Reformen sein. „Er möchte das wahrscheinlich kein zweites Mal erleben.“

          Auch der Kanadier Richard Pound, während des IOC-Skandals einer der Aufklärer, hat über die Fifa nachgedacht. „Sie muss die Situation lösen, das ist klar. Und Blatter hat jetzt eine gute Chance, denn er hat genügend Zeit.“ Pound, der nach dem Ende seiner Amtszeit als Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur nur noch einfaches IOC-Mitglied ist, scheint nicht abgeneigt: „Er weiß, wie er mit mir in Kontakt treten kann.“ Thomas Bach hingegen schweigt. Auf die Frage, ob Blatter ihn um Beistand gebeten hat, will der IOC-Vizepräsident nicht antworten.

          „Für mich heißt die Frage - wo sind die Beweise?“

          Nur Anita DeFrantz, die kämpferische Vorsitzende der IOC-Kommission „Frauen und Sport“, ist auf die Fifa schlecht zu sprechen. Vom Rednerpult der Session aus schoss sie Pfeile ab, weil in der Exekutive des Fußball-Weltverbands noch nie eine Frau gesessen hat. Zwar hat Blatter erst vor ein paar Wochen im Zuge seiner Reformbemühungen die Absicht erklärt, diesen Makel zu tilgen, doch Anita DeFrantz reicht das nicht. „Immerhin wäre das eine gute Gelegenheit“, räumt sie ein.

          Das findet sogar Franz Beckenbauer, der der Fifa schon früher eine Portion weibliche Intelligenz empfahl. In Durban war er nicht nur als Glücksbringer der Münchner Bewerbung gefragt, sondern auch als frischgebackener Fifa-Pensionär – er gehört seit 1. Juni nur noch der Task-Force für fußballfachliche Themen an. „Die Fifa und der Weltfußball sind in einem schlechten Zustand“, sagte der „Kaiser“. „Wegen all dieser Gerüchte.“ Allerdings habe es bisher noch keine Beweise für all die Vorwürfe gegeben. „Für mich heißt die Frage – wo sind die Beweise?“ Issa Hayatou jedenfalls hat bisher alle Anschuldigungen bestritten.

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