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4:0 gegen Marseille : Europäische Festspiele

Luka Jovic bejubelt seinen Treffer zum 1:0 nach nur 58 Sekunden im Spiel gegen Olympique Marseille. Bild: dpa

Spektakel auf dem Platz und auf den Rängen: Die Eintracht macht beim 4:0 gegen Marseille schon wieder mächtig Eindruck. Das lässt auch den Gegner nicht unbeeindruckt.

          Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, welche Strahlkraft die Europa League für die Eintracht und ihre Fans besitzt, hat ihn das letzte Vorrunden-Heimspiel in Frankfurt eindrucksvoll erbracht. 47.000 Zuschauer ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen, eine Partie zu verfolgen, die auf den ersten Blick nur wenig sportliche Brisanz besaß. Zu unterschiedlich hatten die Gegner bis dahin in diesem Wettbewerb abgeschnitten, so dass sich am Donnerstag eine Ausgangslage bot, die zum Auftakt auch niemand in Reihen der Hessen bei ihrem Comeback auf der internationalen Bühne für möglich hielt. Die Mannschaft von Adi Hütter, deren Weiterkommen feststand, konnte vom ersten Platz aus frei von Druck zu Werke gehen und musste nicht fürchten, an diesem Abend etwas zu verlieren; während es für das Team von Olympique Marseille, dessen Aus bereits besiegelt war, mit Blick auf die im Februar beginnenden K.-o.-Spiele nichts mehr zu gewinnen gab.

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          Dass sich dennoch eine sehenswerte Begegnung entwickelte, lag maßgeblich an der Eintracht, die sich angetrieben vom eigenen Anhang an die Sache machte und so zu einem 4:0-Erfolg kam. Es war ihr fünfter Triumph im fünften Europa-League-Spiel – besser geht es nicht. Zusätzlicher Lohn der Mühe: Als Gruppensieger erhalten die Frankfurter eine Million Euro Extraprämie von der Uefa.

          Beim Wiedersehen mit vertauschten Rollen nutzten beide Trainer die Gelegenheit, ihre Teams auf mehreren Positionen zu verändern. Mitte September, als sich die Klubs im Hinspiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Stade Vélodrome ein denkwürdiges Duell lieferten, konnten die Frankfurter von Glück sprechen, dass für sie gegen den seinerzeit hoch favorisierten Gegner ein schmeichelhafter 2:1-Sieg heraussprang. Seitdem hat sich bei ihnen viel zum Positiven getan. Aus einer durch einen holprigen Saisonstart verunsicherten Auswahl entwickelte sich eine Einheit, die zuletzt zehnmal in Serie nicht bezwungen werden konnte und dementsprechend vor Selbstvertrauen strotzt.

          Schon vor dem Spiel sorgten die Frankfurter Fans in der Commerzbank Arena für brodelnde Stimmung. Bilderstrecke

          Florian Thauvin, im Juli mit Frankreich Weltmeister geworden, wurde von Olympique-Coach Rudi Garcia genauso geschont wie seine Nationalelf-Kollegen Adil Rami und Dimitri Payet. In der Startaufstellung der Frankfurter fanden sich fünf neue Gesichter wieder: Simon Falette, Marco Russ und Taleb Tawatha rückten in den Abwehrverbund, Jetro Willems übernahm als Sechser Ordnungsaufgaben, und Mijat Gacinovic sollte im Mittelfeld für Schwung hinter den Spitzen sorgen. Die Hereinnahme des Serben zahlte sich umgehend aus: Nach einer Ecke dribbelte er sich in den Strafraum und zog direkt ab. Der Abpraller landete bei Luka Jovic, der in bester Goalgetter-Manier zum 1:0 einschoss. Die Führung nach 59 Sekunden half der Eintracht in ihrem Bemühen, die Kontrolle zu übernehmen. Marseille zeigte sich getroffen, war kaum in der Lage, einen geordneten Angriff aufzuziehen, und sah sich vom Frankfurter Forechecking weit in die eigene Hälfte zurückgedrängt.

          Dem Elan des Bundesliga-Dritten konnte der Fünfte der Ligue 1, der im Frühsommer noch ins Finale der Europa League eingezogen war, nichts entgegensetzen. Stattdessen unterlief einem der Routiniers von Olympique, Luiz Gustavo, ein Missgeschick: Bedrängt von Willems schlug der Brasilianer die Kugel in Richtung des eigenen Tors, ohne dabei berücksichtigt zu haben, dass sich Keeper Yohann Pelé auf den Weg gemacht hatte, um sich ihm als Anspielstation anzubieten. Eine Rettungstat war so nicht mehr möglich – der Ball rollte unter dem Jubel des Eintracht-Anhangs zum 2:0 über die Linie (17.). Wenn es etwas an der Darbietung der Hessen bis zur Pause auszusetzen gab, dann ihre fehlende Effektivität bei den Großchancen, die sich ihnen anschließend boten: Jovic (19.), Russ (20.), Tawatha (25.), Gacinovic (29.) und Danny da Costa (35.) versäumten es, den Vorsprung rasch weiter auszubauen.

          Im zweiten Abschnitt dauerte es ein wenig länger, bis es unterhaltsam wurde, wobei zunächst Marseille mit mehr Tempo in den Aktionen auffiel. Doch spätestens an Makoto Hasebe gab es kein Vorbeikommen. Der Japaner, gerade zu „Asiens internationalem Fußballer des Jahres“ gewählt, ließ sich als Aufpasser zwischen den Innenverteidigern nicht beirren und griff immer dann klärend ein, wenn die Vorderleute zu lax in die Zweikämpfe gegangen waren. Nachdem auch Sébastien Haller eine sehenswerte Möglichkeit nicht verwerten konnte (57.), spielte ein weiterer Patzer von Olympique Hütters Himmelsstürmern in die Karten: Einen Flachpass von da Costa fälschte Bouna Sarr zum 3:0 ins eigene Netz ab (62.). Damit waren alle Zweifel, wer an diesem Abend das bessere Ende für sich haben würde, beseitigt. Jovic rundete mit seinem zweiten Streich und dem 4:0 (67.) das nächste Frankfurter Fußball-Festival ab.

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