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Coronavirus in Italien : „Es gab Hamsterkäufe, Regale sind leer“

  • Aktualisiert am

Der Deutsche Robin Gosens spielt bei Atalanta Bergamo Fußball. Bild: dpa

Die Olympia-Generalprobe der Skifahrer soll ohne Zuschauer stattfinden. Golfer ärgern sich über Quarantäne. Und ein in Bergamo spielender Fußballprofi beschreibt, wie er die Ausbreitung des Coronavirus erlebt.

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          Fußball-Profi Robin Gosens von Atalanta Bergamo trainiert mit seiner Mannschaft trotz der Beschränkungen durch das neuartige Coronavirus ganz normal. Allerdings sei bei Atalanta die komplette Öffentlichkeitsarbeit eingestellt worden, sagte Gosens dem „Kicker“ (Donnerstag). Der 25-Jährige hofft, dass seine Mannschaft nun den Rhythmus nicht verliert. „Aber es ist auch klar, dass es natürlich richtig ist, jetzt erstmal die Bevölkerung zu schützen.“

          Am vergangenen Wochenende hatte es in der italienischen Serie A vier Spielabsagen gegeben. Auch Atlanta Bergamo musste pausieren. „Man merkt, dass da große Panik ist – das lässt einen natürlich nicht kalt“, sagte Gosens. „Die ganze Stadt ist irgendwie ein bisschen außer Rand und Band. Es gab Hamsterkäufe. Die Supermarktregale sind leergefegt: Pasta und Reis, Obst und Gemüse – alles komplett weg, weil die Leute Panik haben, dass die Behörden jetzt auch Bergamo abriegeln, um den Überblick zu behalten“, sagte Gosens.

          Die Restaurants seien teilweise zu, alle öffentlichen Gebäude wie Schulen, Museen, Kindergärten seien geschlossen. „Die Leute laufen draußen nur noch mit diesen Masken herum“, sagte Gosens. „Bei den Spielen wissen wir nicht, ob wir überhaupt spielen oder sie unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden“, erklärte der Verteidiger: „Alles ist noch unklar.“

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          Das Weltcup-Finale der alpinen Skirennfahrer in Cortina d'Ampezzo wird wohl ohne Zuschauer stattfinden. Das sagte der Herren-Rennchef Markus Waldner am Mittwochabend dem schwedischen TV-Sender SVT: „Derzeit ist Cortina als Austragungsort ohne Zuschauer bestätigt.“ Der Ski-Weltverband (Fis) arbeite mit mehreren Szenarien. „Aber es gibt nur einen offiziellen Plan: Cortina“, ergänzte Waldner.

          In dem Traditions-Skigebiet in den italienischen Dolomiten sind in der Woche vom 18. bis 22. März die letzten Weltcuprennen dieses Winters geplant, sie sind gleichzeitig die Generalprobe für die WM im Februar 2021. Cortina liegt an der nördlichen Spitze von Venetien, einer der am stärksten von dem Virus Sars-CoV-2 betroffenen Regionen in Italien. Das Skigebiet ist gemeinsam mit Mailand Gastgeber der Olympischen Winterspiele 2026.

          Skirennen ohne Zuschauer: Cortina D’Ampezzo richtet das Weltcup-Finale aus.

          Pound hätte Verständnis für Olympia-Absage

          Der frühere IOC-Vizepräsident Richard Pound hätte derweil angesichts der weltweiten Ausbreitung des Coronavirus Verständnis für eine Absage der Olympischen Spiele in Japan. „Ich bin sicher“, sagte Pound der „Süddeutschen Zeitung“ (Donnerstag), „dass das IOC keine Entscheidung treffen würde, die einer Entscheidung der Weltgesundheitsorganisation WHO und der Regierungen in dieser Sache zuwiderliefe. Fragen der Pandemie sind viel wichtiger als die Durchführung einer bestimmten Sportveranstaltung, selbst einer so großen wie die Olympischen Spiele“, sagte der Kanadier.

          Der 77-Jährige ist sich sicher, dass das IOC die Athleten und andere Menschen nicht unannehmbar hohen Gesundheitsrisiken aussetzen möchte. Derzeit gehe man aber davon aus, dass die Spiele wie geplant stattfinden, sagte das IOC-Mitglied. Das IOC verfolge die neuen Daten von Tag zu Tag – nach Pounds Schätzung gibt es noch ein dreimonatiges Zeitfenster für eine Entscheidung über eine Absage der Olympischen Spiele in Tokio wegen des Coronavirus. Eine Entscheidung könne sich aber auch schon „in weniger als drei Monaten abzeichnen“, sagt er.

          Die Tokio-Spiele sollen vom 24. Juli bis 9. August stattfinden. Bei den Spielen werden rund 11.000 Sportler erwartet, weitere 4400 sollen bei den Paralympics, die am 25. August eröffnet werden, an den Start gehen.

          Die beiden italienischen Golfer Lorenzo Gagli und Edoardo Molinari dürfen derweil nach einem Tag in Quarantäne doch noch an der
          Oman Open in Maskat teilnehmen. Die European Tour teilte als Veranstalter am Donnerstag mit, dass bei Gagli ein Test auf das neuartige Coronavirus negativ ausfiel. Der 34-Jährige war nach Grippe-Symptomen am Mittwoch in seinem Hotelzimmer isoliert worden. Auch Molinari, Gaglis Zimmerpartner für die Woche in Oman, war in ein anderes Zimmer gebracht worden.

          Bei dem mit 1,75 Millionen Dollar dotierten Turnier auf der Arabischen Halbinsel sind auch die deutschen Golfprofis Martin Kaymer, Maximilian Kieffer und Sebastian Heisele am Start. Im vergangenen Jahr hatte Kieffer als Zweiter auf dem Par-72-Kurs des Al Mouj Golf Clubs seinen ersten Sieg auf der European Tour nur knapp verpasst.

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